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Review: LONE SURVIVOR – Die Romantik sterbender Soldaten

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Fakten:
Lone Survivor
USA. 2014. Regie: Peter Berg. Buch: Peter Berg, Marcus Luttrell (Vorlage), Patrick Robinson (Vorlage). Mit: Mark Wahlberg, Ben Foster, Taylor Kitsch, Emile Hirsch, Eric Bana, Alexander Ludwig, Ali Suliman, Jerry Ferrara, Rohan Chand, Sammy Sheik, Matthew Page, Rich Barry, Yousuf Azami u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren.
Ab 17. Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach wahren Begebenheiten. 2005 soll ein Elite-SEAL-Team den Talibanführer Ahmed Shahd gefangen nehmen. Das Team rund um Marcus Luttrell positioniert sich in der Nähe von Shahds Aufenthaltsort, doch dort werden sie von Ziegenhirten entdeckt. Zwar halten die SEALS diese fest, entscheiden sich aber dafür sie wieder gehen zu lassen. Es folgt ein brutaler Schusswechsel, denn die Taliban wird von den Hirten gewarnt und schafft es die Soldaten einzukreisen.





Meinung:
In der Filmographie von Regisseur Peter Berg geben sich diffuser Blockbuster-Schwachsinn, kurzweilige Actionspäße und anspruchsvolles Spannungskino die Klinke in die Hand. Zwar wird Berg nach der eher unbefriedigend zu Ende konzipierten Superheldendestruktion „Hancock“ und dem durch und durch stupiden Alien-Invasion-Flick „Battleship“ immer in der Ecke des Big-Budget-Kinos gesehen, doch sollte nicht vergessen werden, dass er mit „Operation: Kingdom“ einen der besten und ehrlichsten Action-Thriller der letzten Jahre inszenierte. Die Geschichte eines FBI-Teams, die in Riad einen Anschlag auf eine amerikanische Wohnstadt untersucht kümmerte sich nicht bloß ein patriotisches Schaulaufen, sondern warf einen teils brutal-entmystifizierenden Blick auf die Arbeit des FBI und offenbarte die Schuldigkeit beider Konfliktseiten. Im Prinzip ist Peter Berg also der richtige Mann, wenn es darum geht einen differenzierten Blick auf ein Krisengebiet zu werfen.


Ein paar Ziegenhirten bringen die gesamte Mission in Gefahr
„Lone Survivor“ wäre eigentlich genau der richtige Film für Peter Berg. Die wahre Geschichte eines Einsatzes von einer Gruppe SEALs, der in einer Katastrophe endet, bietet eine Menge Material um den gegenwärtigen, militärischen Einsatz der US-Army kritisch zu hinterfragen, doch davon hält Berg teils meilenweiten Abstand. Recht schnell wird klar, hier zählt nur eines: die Heroisierung der Soldaten. Warum auch nicht? Viel müssen diese Leisten. Doch wie ihre Arbeit, ihre Professionalität und vor allem ihr sterben zelebriert wird, ist erschreckend dumpf und blindgläubig. Dabei gäbe es wahrlich genug Rezeptoren, um aus „Lone Survivor“ mehr zu machen als eine direkte Lobeshymne für’s tapfere Sterben im Namen des Vaterlandes. Besonders hervorstechend ist dabei, dass der gesamte Konflikt, der sich im Laufe des Films aufbaut, durch Kommunikation hätte entschärft oder sogar gänzlich verhindert werden können. Dabei ist nicht nur der Ausfall des Funksystems gemeint sondern auch der Dialog zwischen den Invasoren und den Entopischen. Wieso schickt das US-Militär physisch perfekt ausgebildete Männer und Frauen in ein Gebiet, ohne ihnen zumindest die rudimentär Sprache der Einheimischen beizubringen? Im Grunde ist „Lone Survivor“ ein auf Film gebanntes Mahnmal für eine gemeinsame Kommunikation. Nur scheint sich Peter Berg dem gar nicht wirklich bewusst gewesen zu sein und inszenierte aus einem guten Ansatz nicht mehr als relativ ungeschönte Promotion für den amerikanischen Außeneinsatz.


Noch ist alles ruhig
Ein erklärtes Ziel von „Lone Survivor“ ist auch die Gegenüberstellung zweier Helden. Zum einen Scharfschütze Marcus Luttrell (auf dessen Erinnerungen das Buch, welches hier filmisch adaptiert wurde, beruht) und der Bauer Mohammed Gulab, der den von den Taliban gehetzten Lutrell bei sich aufnimmt, pflegt und vor seinen Häschern versteckt. Es wäre gewiss ein Leichtes gewesen auch Gulab zum Helden zu stilisieren, auch dessen Courage und Entschlossenheit ein kinematographisches Denkmal zu setzen, doch diese beiden, unterschiedlichen Heldentypen begegnen sich nie auf einer ebenbürtigen Augenhöhe. Die, zumindest fürs Militär, Heldentaten von Luttrell zählen bei „Lone Survivor“ mehr als die Widersetzung eines kleinen Dorfs gegen die Taliban. Dem Dorfbewohnern sowie Gulab, der als Initiator des Widerstands behandelt wird, erhalten nicht mehr wie ein freundliches Nicken und einen schwachen Dankes-Händedruck. Dabei hätte vor allem Gulab wahrlich mehr verdient, denn wegen der bereits erwähnten mangelnden Kommunikation benimmt sich Luttrell, überspitzt ausgedrückt, wenig rettenswert. Umso erstaunlicher, dass Peter Berg trotz allen die beiden wichtigsten Figuren niemals gleichberechtigt behandelt, was nicht nur daran liegt, das Gulab erst viel zu spät im Film eingebracht wird. Aber gut, „Lone Survivor“ braucht eben seine Zeit um auch wirklich jeden amerikanischen Soldatentod akribisch einzufangen.


M. Wahlberg als Marcus Luttrell muss einiges durchstehen
Als Mohammed Gulab ist übrigens Ali Suliman zu sehen, den Berg bereits in „Operation: Kingdom“ im Cast hatte. Dort hatte Suliman, der u.a. auch in gefeierten Filmen wie „Paradise Now“ oder „Lemon Tree“ zu sehen war, wesentlich mehr zu tun und wurde damals als wahrer Hauptdarsteller gefeiert. Diesen Status hat er hier nicht inne, denn diesmal fokussiert sich Berg ganz klar auf seine Stars aus Hollywood. Neben Mark Wahlberg werden hier auch Taylor Kitsch (drehte mit Berg bereit „Battleship“), Ben Foster (der in „The Messenger“ mitwirkte, einen der wohl besten, neueren Filme zum Thema Krieg ), Eric Bana („Star Trek“, „Wer ist Hanna?“) und Emile Hirsch („Into the Wild“, „Prince Avalanche“) in die sandfarbenen Uniformen gesteckt, um im Niemandsland von Afghanistan peu a peu mit patriotischem und pathetischem Geheule ihr Lebenslicht zu verlieren. Egal wie man nun zu Wahlberg steht, oder zu Kitsch und Bana, aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass in „Lone Survivor“ ein Haufen bekannter und/oder begnadeter Schauspieler verheizt wird. Da bleibt nur die Hoffnung dass endlich jemand das enorme Talent von Ben Foster für die große Leinwand entdeckt. Der gute Mann verdient mehr Hauptrollen, auch wenn er sich hier für klebrig-kleistrigen Todeskitsch hergibt.


„Lone Survivor“ ist nicht mehr als ein Fest des Sterbens. Jede Kugel die durchs amerikanische Soldatenfleisch zischt wird mit brutaler Romantik inszeniert. Dazu wird der Konflikt nur von einer militärischen, nicht aber von einer humanen Seite beleuchtet. Das Ergebnis ist eine wahre Geschichte die uns rühren und Respekt für die Soldaten beibringen soll, doch wie herz- und gewissenlos muss man sein, um nicht zu erkennen, dass dahinter nicht mehr steckt als Propaganda, errichtet auf einem Berg zerschundener Körper.


2 von 10 wütenden Ziegenhirten

Review: PRINCE AVALANCHE – Zweisame Reflexion in der verkohlten Stille

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Fakten:
Prince Avalanche
USA. 2013. Regie: David Gordon Green. Buch: David Gordon Green, Hafsteinn Gunnar Sigurðsson (Voralge). Mit: Paul Rudd, Emile Hirsch, Lance LeGault, Joyce Payne, Lynn Shelton, Gina Grande u.a. Länge: 94 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 13. Februar 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Straßenarbeiter Lance und Alvin haben die ganze Straße vor sich. Auf dieser solle sie die nächste Zeit verbringen und neue Mittelstreifen ziehen. Während Lance den Job hasst und dem Wochenende entgegenfiebert, nutzt Alvin die Abgeschiedenheit um über sich und seine Beziehung nachzudenken. Dass sich Alvin und Lance irgendwann in die Haare bekommen ist da nur eine Frage der Zeit.





Meinung:
Nachdem sich David Gordon Green im filmischen Skopus des zotigen Klamauks der Marke 'Seth Rogen und Buddys' allem Anschein nach zu genüge ausgetobt hatte, musste schnellstmöglich ein Gegenentwurf der (post-)pubertären Kursionen verfasst werden, der den eigentlich ziemlich talentierten Amerikaner mal wieder so richtig fordern würde. So ist die Drehbuchdevise des im Independetkino aufgewachsenen David Gordon Green für seinen auf der Berlinale mit dem silbernen Bären ausgezeichneten „Prince Avalanche“ auch schnell als „Back to the roots“-Leitspruch zu identifizieren. Und natürlich, qualitativ ist das von Paul Rudd und Emile Hirsch wunderbar gespielte Kammerspiel im Freien auch in jedem Punkte eine klare, aber nicht gänzlich konterkarierende Steigerung gegenüber Werken wie „Your Highness“ oder auch „Bad Sitter“. Wenngleich sich das Remake das isländischen Erfolgs „Either Way“ die meiste Zeit sympathisch gibt, fehlt Green punktuell das letzte Quäntchen Feingefühl in der Handhabung seiner Charakteren.


Spaß bei der Arbeit
Skurril gibt sich die Synopsis von „Prince Avalanche“ ja schon irgendwie zu verstehen: Zwei Männer, irgendwo inmitten der nach einem verheerenden Waldbrandes noch bestehenden texanischen Wälder, sind dort dazu beauftragt, die gelben Fahrbahnmarkierungen Strich für Strich aufzufrischen. Punkt. Um den realen Hintergrund der Waldbrände von 1988, bei denen bis zu 17 Hektar von Mutter Natur bis heute ungeklärt in Flammen aufgingen, schert sich Green in seiner Übersetzung wenig, denn seine Interpretation der Vorlage von Hafsteinn Gunnar Sigurðssons ist nicht auf eine ökologisch-historische Botschaft erpicht, sondern dreht sich komplett um die Charaktere, ihre individuellen Disposition und das aus der Gegensätzlichkeit resultierende Zusammenwachsen: „Prince Avalanche“ thematisiert den Wert von Freundschaft und assoziiert diesen zwangsläufig mit dem elementaren Neuanfang auf mehreren Ebenen. Während Alvin (Paul Rudd) sich vorerst noch als Boss vor dem etwas einfacher gestrickten Gemüt Lance (Emile Hirsch) aufbaut, salbungsvolle Briefe an seine Freundin schreibt, die gleichzeitig Lance' Schwester ist und sich mit poetischer Rezitation ins rechte Licht rückt, vermisst Lance nur den Sex.


Lance hasst seinen Job und will nur eines: Wochenende
„Prince Avalanche“ lebt vorerst von diesen Diskrepanzen, füttert sie, will aber nicht mit banalen Mitteln mit ihnen hausieren gehen. Alvin genießt die Stille der Natur, sinniert über den Unterschied von Einsamkeit und Alleinsein und hört sich bei der monotonen Arbeit den Französisch-Sprachkurs auf Kassette an, um nebenbei immer auf seinen Kollegen Lance herabzublicken, der ja nicht mal weiß, wie man einen Fisch angelt oder einen echten Knoten bindet – Ein Versager, aber um seiner Freundin einen Gefallen zu tun, hat Alvin ihn in einer Gutmütigkeit eben mitgenommen. In Wahrheit, und das kehrt Green vorerst schön subtil ans Tageslicht, belächelt Alvin Lance nicht nur, es schwingt immer ein ganz leiser Unterton des Neids auf diesen Menschen mit, der sein Leben nach Lust und Laune gestalten kann; der in den Tag lebt, das Denken vielleicht nicht immer seinem Kopf überlässt, aber doch ein liebenswerter Kerl ist, den seine Erfahrungen eben noch nicht gänzlich in eine konkrete Richtung geprägt haben. „Prince Avalanche“ ist auch ein Film über Enttäuschung und über geteilten Schmerz, der zur Selbstfindung beiträgt und eben genau den erwähnten Neuanfang einleitet.


Alvin bei der Meinungsäußerung
Paul Rudd mit ungebremsten Schnauzer in der durchaus ernsten Rolle des Alvin, weiß endlich (wieder) durch neue Facetten in seinem Spiel zu überzeugen, während Emile Hirsch mit Lance die Umkehrung seines naturverbundenen Christopher McCandless aus Sean Penns „Into the Wild“ gibt und es eigentlich nicht sehnlicher erwarten kann, nach getaner Arbeit endlich wieder in die Stadt zu sausen und dort irgendwelche „Weiber klarzumachen“. Funktioniert das mal nicht, und lässt sich auch nicht einmal die 47-jährige Nachbarin flachlegen, wird das als verlorenes Wochenende verbucht und mit hängenden Schultern durch die Gegend geschlurft: Kein Fick, kein Lebensfreude. „Prince Avalanche“ erlaubt es sich hierbei, Hirsch zu oft auf diese Schiene treiben zu lassen und ruft damit unweigerlich Erinnerung an Greens vorherige Projekte, von denen er sich dann eben doch nicht voll abkapseln konnte. Hier es nur so, dass Hirsch nicht nur ein guter Schauspieler ist, er hat auch einen Charakter, der eigentlich über das Schemenhafte hinausgeht und dessen Wesenszüge – wie auch bei Alvin - nicht nur an einer Hand abzuzählen sind. Zweifelsohne ist „Prince Avalanche“ von einer leicht melancholischen Note gezeichnet, die sich mit dem amüsanten Ton abwechselt und einen narrativen Rhythmus erzeugt, der nicht nur zuletzt den Fotografien der Landschaft abzunehmen ist, aber in seiner Gliederung nicht immer gefällt.


Die feinen Aufnahmen der Flora und Fauna, unterlegt mit elegischen Klängen, suggerieren eine Tiefe, die der Film in dieser plakativen Form nicht nötig gehabt hätte und deutet sich darin beinahe als doch fragwürdiger Selbstzweck, schafft es aber immer wieder rechtzeitig, einen despektierlichen Eindruck von Prätention zu umschiffen. Ähnlich wie die Frau im Wald, die zwar eine nette Interpretation ihrer Person zulässt, wenn sie in den Überresten ihres vom Feuer verschluckten Hauses wühlt und es eigentlich die Asche ihrer selbst ist, die sie dort wiederfindet, aber der Geschichte in Wahrheit rein gar nichts bringt. Und auch wenn manche Gags nicht zünden und deplatziert wirken, ist „Prince Avalanche“ eine schöne, menschliche Charakter-Studie, die oft den richtigen Ton trifft und allgemein eher zum Schmunzeln, als zu den großen Schenkelklopfern animieren möchte. Ein im Großen und Ganzen angenehmer Film.


6 von 10 multifunktionellen Armbanduhren


von souli

Review: SAVAGES - Drogen, Gewalt und Off-Kommentare³

2 Kommentare:


Fakten:
Savages
USA. 2012. Regie: Oliver Stone. Buch: Oliver Stone, Shane Salerno, Don Winslow (Vorlage). Mit: Taylor Kitsch, Aaron Johnson, Blake Lively, Benicio DelToro, Salma Hayek, John Travolta, Demián Bichir, Emile Hirsch, Sandra Echeverria, Diego Catano, Joaquin Cosio, Shea Whigham, Gary Stretch, Jake McLaughlin, Alexander Wraith, Antonio Jaramillo, Jonathan Carr, Anthony Cutolo u.a. Länge: 141 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Die Freunde Ben und Chon haben zusammen in Laguna Beach, Kalifornien, einen gut florierendes Marihuana-Imperium aufgebaut. Durch Bens botanische Kenntnisse und Chons militärische Ausbildung sind sie ein unschlagbares Team, welches sich blind vertraut und ohne Probleme eine zärtliche Dreieckbeziehung zu O unterhält. Dieses Leben ist aber bald Vergangenheit. Das mexikanische Drogenkartell will auf den kalifornischen Markt. Ben und Chon sollen ihnen dabei behilflich sein. Doch als diese sich weigern, lässt Kartellchefin Elena O entführen. Der Beginn eines brutalen Machtkampfs.




Es ist selten, doch diesmal haben es Jacko, souli und stu wirklich hinbekommen einen Film zur selben Zeit zu sehen. Deswegen gibt hier gleich drei Meinungen zu "Savages".


Meinung stu:
Bereits die ersten zwei Minuten von „Savages“ machen klar in welche Richtung Regie-Veteran Oliver Stone hier einschlägt: Nach ein paar Bildern von wimmernden auf dem Boden gefesselten Männern, denen der Angstschweiß über die Wunden im Gesicht läuft, stellt sich dem Zuschauer die blonde Ophelia, genannt O, vor. Lasziv, den Horizont anschmachtend, steht sie am Strand. Was folgt ist ein bedeutungsschwangerer Off-Monolog. O lässt uns teil haben an ihrer Geschichte, die sie im monotonen Säusel-Modus von sich lässt und wirklich so ziemlich alles verbal erläutert, obwohl es selbsterklärend ist . So stellt Stone die zwei ungleichen, stilistischen Eckpfeiler des Films vor: dreckige Gewalt und triefendes, helles Sonnenlicht. 



Ein Pluspunkt an "Savages" sind die tollen Masken
Es sind nicht nur zwei Stile die in „Savages“ Hand in Hand arbeiten. Auch in der eigentlichen Handlung des Drogen-Thrillers gibt es Gemeinschaften, die von der alten Volksweisheit „Gegensätze ziehen sich an“ inspiriert zu wurden scheinen. Da wären die beiden Freunde Ben („Kick-Ass“ hat jetzt Bartwuchs: Aaron Johnson) und Chon (Taylor Kitsch). Der eine ein lockerer Typ, der von seinem Drogengeld karikative Hilfsprojekte unterstützt und dafür sogar die Strände Kaliforniens hin und wieder verlässt um nach Afrika zu reisen. Der andere, Chon, ein durchtrainierter Ex-Soldat und Pragmatiker, der aus dem Krieg feinste Marihuanasamen mitgenommen, aber seine Angst dort gelassen hat. Ihnen untergeordnet, auch wenn sie das Publikum mit ihren Erklärungen und Weisheiten aus dem Off nerven darf, ist O. Diese unterhält zu beiden eine Beziehung. Eine glückliche Manage a trois ohne Eifersucht, dafür aber mit tollen Immobilien, Sex im Whirlpool und jeder Menge Gras. Das Glück des Dreiergespanns ist zu perfekt. Wie eine Hochglanz-Postkarte aus First-Class-Gefilden wirkt Stones „Savages“, der Film ist sogar genauso platt wie eine. Denn trotz der offenen Jeder-darf-mal-Beziehung, den Drogen, der nackten Haut wirkt das alles nicht nur extrem hanebüchen und zusammengesetzt, sondern auch aufs massivste überzogen. Der friedliebende Ben ist halt einfach zu sehr auf Love, Peace & Sunshine ausgelegt und sein Best Buddy Chon verliert auch nie den charakterlichen Status einer Bulldogge, deren Mimik größtenteils nur aus Knurren und ablecken besteht. Dass dieses Paradies vom mexikanischen Drogenkartell gestört wird, kommt da fast einer wahren Wohltat gleich, denn auch wenn Salma Hayek als Kartellchefin und Benicio delToro als Auftragskiller und Folterknecht nicht mehr tun als übertrieben und wenig akzentuiert die alte Leier vom bösen Mexikaner abzuspielen, so gelingt es Oliver Stone doch zumindest, dass einem als Zuschauer die gröbere, zweite Stilrichtung nicht sofort mit peinlichen Floskeln und überkonzipierten Figuren überrumpelt und weinerlich an den Nerven zerrt.


Sobald Off-Queen O aber entführt wurde und Stone damit beginnt die klare Optik von Strand und Sex mit Blut zu beschmutzen, entsteht ein asymmetrischer Zusammenschluss. Von nun an wird der Film von kalkulierten, gewalttätige Eruptionen, umhüllt von einem wenig cleveren Thriller-Plot, beherrscht und voran getrieben. Wirklich besser wird es dadurch aber auch nicht, denn hinter dem ganzen Tamtam steckt nicht mehr als billige Show. Blutig und routiniert zusammengesetzt aus Frackteilen anderer Geschichten und Genres. „Savages“ ist nicht mehr als Flickwerk ohne Substanz, auch wenn er durch seine Charaktere eine genreparodierende Ebene inne hat. Zumindest dann wenn hier kurzzeitig alle Hemmungen fallen gelassen werden und die Logik sowie der Erzählfluss, ähnlich wie O, gleich von zwei Seiten durchgenommen werden. Bleibt die Frage im Raum was das alles sollte? Wollte Oliver Stone mal wieder provozieren? Wollte er seine Filmographie, in der moderne Klassiker wie „Geboren am 4. Juli“, „JFK – Tatort Dallas“ und „Natural Born Killers“ beinhaltet sind, selbst wieder abreißen? Oder hat er sein Gespür und Gefühl für große, wirklich intensive Geschichten und Bilder an die Selbstüberschätzung verloren? Geht man von letztem aus, so ist der Showdown von „Savages“ quasi die auf Film gebannte Hybris von Stones Alterswerk. „Du veränderst die Welt nicht. Die Welt verändert dich“ sagt Chon in einer Stelle des Films. Mag sein, dass sich Oliver Stone dies zu Herzen genommen hat. Sehr bedauerlich.

3,5 von 10



Meinung Jacko:
Oliver Stones feuchter Stoner-Traum um eine bumsfidele Ménage-à-trois. Reich und high durch Samenraub auf die afghanische Art, die offensichtlich reicht um ein halbes Dutzend Plantagen voller Mega-Shit aus dem Boden zu ziehen, lassen der harte Special-Knaller-Soldat Chon (furchtbar: Taylor Kitsch) und sein pazifistischer Zottel-Buddy Ben (erträglich: Aaron Johnson) vor kalifornischer Beach-Kulisse Seele und Pimmel baumeln, mittendrin (oder eher dazwischen) ihr blondes, geistig unpaniertes Sexschnitzel O (unfassbar nervig: Blake Lively). Die verzuckert die ersten Minuten durch absurd-peinliche Off-Kommentare mit Glückskeks-Philosophien und Wortspielen der Extraklasse: 

- "Er versucht sich den Krieg aus dem Leib zu ficken. Ich hatte Orgasmen, er hatte Wargasmen."
- "Drogen sind angeblich schlecht, aber in einer schlechten Welt sind sie gut."
- "Für mich sind beide zusammen der vollkommene Mann. Chon ist kaltes Metal, Ben ist warmes Holz (!). Chon fickt und Ben macht Liebe. Chon ist Erde und Ben Geist."



Wer diesen Overkill Kleiner-Mädchen-Fantasien nach zu viel Dope und noch mehr Sex unverletzt überstanden hat, bekommt danach einen 08/15 Thriller vom Karriereknicker Oliver Stone, der seit fast 15 Jahren nichts mehr auf die Kette bekommt. Warum er satte 141 Minuten benötigt um diese simpel gestrickte Geschichte zu erzählen, bleibt ebenso ein Rätsel wie sein gesamtes Schaffen seit der Jahrtausendwende. Das löcherige, langgewalzte Skript wird durch stone‘sche' optische Spielereien versucht aufzupeppen, die wie ein hilfloses Klammern an alte Zeiten wirken. Kleiner Lichtblick im sonnenüberfluteten Schattenspiel ist Benicio Del Toro, der sich gemessen an seinen Fähigkeiten allerdings auch nicht mit Ruhm bekleckert. Zumindest kann er mit MacGyver-Gedächtnisfrisur, schmuddeligem Gesichtsfell und seinem insgesamt grotesken Auftreten für kleinere Highlights sorgen ("Mach dich mal wieder schwanger!"), seine Spielfreude ist unverkennbar, nur viel lässt sich da auch nicht rausholen. Frisurentechnisch steht ihm Salma "Morticha Adams" Hayek in nicht viel nach, darstellerisch bekommt sie nicht viel Raum, bis auf das merkwürdige Mutter-Tochter-Rollenspielchen mit der O. Unterm Strich geht ihr Auftritt aber in Ordnung, lange war sie ja von der Bildfläche verschwunden, vielleicht darf "Santánico Pandemónium" sich demnächst wieder häufiger zeigen.


Neben den vielen eindeutigen Schwächen von "Savages", sei es das Drehbuch, die bemüht-gequälte Inszenierung, die gewollte Coolness ohne Substanz, die kaum nachvollziehbaren Charaktere, liegt seine größte Stolperfalle wohl in seinen Protagonisten. Es mag auch und nicht zu geringem Anteil an den Fehlbesetzungen Taylor Kitsch und Blake Lively liegen, aber lässt sich denn mit dem "kalten Stahl", dem "warmen Holz" und Schnitzel-O mitfiebern? Nicht wirklich. Dafür sind sie zu nervig und unsympathisch. Wenn der Zuschauer lieber jeden Auftritt von Bösewicht Benicio Del Toro sehen will als das Trio, da stimmt doch was nicht. 


Ach, und wer schon droht unter Entzugserscheinungen zu leiden, keine Angst: Zum Ende hin darf die "O" wieder auf dem Off ihren erquickenden Senf dazu geben. Danke, sonst hätte ich nachher nicht den Film verstanden. Da muss jetzt echt einiges kommen, um diesen Auftritt von der Lively und diese Rolle noch zu überbieten, heiße Kandidatin auf die Gurke des Jahres. Auf Grund von dem ulkigen und unterhaltsamen Del Toro sowie dem immer wieder eingestreutem Grinsen, wenn mal wieder sagenhafter Unsinn vor sich hin gebrabbelt wird, noch gerade so nicht totaler Mist. Empfehlungen, oder zumindest solide Filme, sehen aber anders aus.

4 von 10



Meinung souli:
Ein hochwertiger Drogenhandel kann schon ein äußerst profitables Geschäft sein. Vor allem im sonnigen Laguna Beach, wo die Surfer nicht nur die abenteuerlustig jede Welle brechen, sondern sich auch gerne mal eine riesige Tüte bauen. Spricht ja nichts dagegen, irgendwie muss man ja die Gehirnzellen betäuben und sich schlagartig für einen Intellektuellen halten. In dieser Gegend leben die hippe Katalogschönheit Ophelia (Blake Lively) und ihre zwei Stecher Chon (Taylor Kitsch) und Ben (Aaron Johnson). Das Leben könnte nicht schöner sein. Den ganzen Tag am Meer abhängen, kiffen, vögeln und die Seele baumeln lassen. Blöd nur, das ausgerechnet das große mexikanische Drogenkartell etwas gegen das lohnende Geschäft der drei Armleuchter hat und eine Zusammenarbeit aufzwingt, die vorerst abgelehnt wird. Dann geht der ganze Spaß so richtig los. Blödchen Ophelia wirft entführt und Chon und Ben müssen sie zurückholen, haben aber gar keine Lust ihr Wunderweed und einen Batzen Geld zu verlieren.



Diese Drei reden Klartext, denn Kerle brauchen kein Off
Wenn „Savages“ sich einen Preis verdient hat, dann den Award für die schlechtesten Off-Monologe des neuen Jahrtausend. Ophelia kommentiert jede unbedeutende Kleinigkeit, die für jeden Zuschauer klar ersichtlich ist und wenn sie ihre zwei flachen Rammler mit Elementen vergleicht, hat Oliver Stone bereits nach wenigen Minuten verloren. Eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Drogenkartell und seinem Einfluss sollte man ohnehin nicht erwarten, Stone wälzt sich lieber in platten Klischees und losen Handlungssträngen, die nie einen adäquaten oder stimmigen Sinn ergeben und dem Film so eine – wenn auch auf niedrigen Niveau – mickrige Daseinsberichtung geben könnte. Stone verfolgt mit „Savages“ viel mehr das Ziel der Welt zu beweisen, wie stylish und hipp er auf seine alten Tage doch noch inszenieren kann. Da gibt es schnelle Schnitte, grelle Farben und jede Menge Firlefanz, der dem Zuschauer nur verdeutlicht, das „Savages“ in Wahrheit vollkommen unbedeutend und substanzlos ist.


Es gibt die durchtrainierten Jungs, die scharfe Blondine, das korrupte FBI und die bösen Mexikaner, die so seelenlos und bestialisch sind und vor laufenden Kameras mit abgetrennten Köpfen Fußball spielen. Allgemein legt Stone in der Gewaltdarstellung keinen Wert auf eindringlichen Realismus der uns zeigt, wie grauenhaft die Umgänge in dieser schmutzigen Welt sind, es ist alles purer und ermüdender Selbstzweck, der dem Film zu keiner Zeit weiterhilft. Und mit ermüdend sind wir auch bei dem richtigen Bezeichnung für „Savages“ angekommen. Kein Charaktere kann Interesse wecken, kein Handlungsfetzen ist für sich genommen in irgendeiner Art und Weise ansprechend und wenn Ophelia mal wieder einen extrem belanglosen Augenblick aus dem Off begleitet, schleicht man sich auf die Seite der Mexikaner, nur um dem Elend doch endlich ein Ende zu setzen. Stone sollte dringendst den Schnee aus der eigenen Nase lassen, vielleicht kommt dann ja doch nochmal etwas halbwegs Akzeptables in die Kino, „Savages“ hingegen ist nur ein Pseudo-cooler wie unrunder Thriller, der in seiner phrasenhaften Unausgewogenheit schlicht und einfach äußerst schlecht geworden ist.

3 von 10