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Review: FEUERWERK AM HELLLICHTEN TAGE – China zwischen Noir-Gebrochenheit und moderner Depression

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Fakten:
Feuerwerk am helllichten Tage (Bai Ri Yan Huo)
CN, 2014. Regie & Buch: Diao Yinan. Mit: Liao Fan, Kwai Lun-Mei, Wang Xuebing, Wang Jingchun, Yu Ailei, Ni Jingyang u.a. Länge: 109 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Im Jahr 1999 werden in verschiedenen Kohleanlagen Chinas abgetrennte Körperteile gefunden. Der Polizist Zhang Zili nimmt sich dem Fall an und macht bald konkrete Verdächtige aus. Die Festnahme eskaliert allerdings, zwei Polizisten werden getötet, Zhang schwer verletzt. Fünf Jahre später tauchen erneut Leichenteile auf, der Täter scheint derselbe zu sein. Zhang, der mittlerweile dem Alkohol verfallen ist und als Sicherheitsbeamter arbeitet, beginnt privat zu ermitteln.





Meinung:
Zunächst ist kaum erkennbar, was sich da überhaupt für ein Objekt in dem großen Kohlehaufen verbirgt, welches man die ersten Minuten dieses Films auf seiner Reise in die Kohleanlage begleitet. Als schließlich klar wird, dass es sich um einen abgetrennten Arm handelt, lässt sich bereits das erste Muster erahnen, das Regisseur Diao Yinan in seinem Werk "Feuerwerk am helllichten Tage" verfolgt.


Das ist schnell eskaliert...
Eben dieser Arm ist der Aufhänger eines Kriminalfalls, in dem der frisch geschiedene Polizist Zhang Zili ermittelt. Zu einer endgültigen Auflösung kommt es vorerst allerdings nicht, denn die Festnahme des Verdächtigten eskaliert, der Polizist verliert nicht nur zwei Kollegen, sondern fast auch das eigene Leben. Dieser kurzfristige Paukenschlag, den Yinan unvermittelt und sehr früh inszeniert, ist wieder so ein herber Einschlag im ansonsten so ruhigen Erzählfluss. "Feuerwerk am helllichten Tage" enthält eine Reihe solcher Szenen und Momente, in denen der Regisseur Stille mit hässlicher Gewalt aufbricht, das Schöne dem Verlorenen gegenüberstellt und vor allem stilistisch einen schmalen Grat entlang wandert. Yinan bedient sich für seine Geschichte und Figurenzeichnung ebenso bei zerrissenen Neo-Noir-Charakteren, meist gebrochene Existenzen, wie er im Gegenzug das desolate Gesellschaftsbild des gegenwärtigen Chinas aufgreift. Die Kamera führt den Betrachter immer wieder durch heruntergekommene Wohngegenden, trostlose Gassen oder vereinsamte Schauplätze, in denen Schmutz, Resignation und Hoffnungslosigkeit regieren. Im harten Kontrast hierzu sind viele Szenen oftmals von markanten Neonlichtern durchflutet, die dem jeweiligen Moment Wärme, Energie oder so etwas wie einen Puls verleihen.


Wirkt liebevoll, ist aber eigentlich eine sexuelle Belästigung
Zili erhält fünf Jahre nach seinem schockierenden Zwischenfall auch wieder so etwas wie einen Puls. Zwischenzeitlich ist er dem Alkohol verfallen, zum Wrack geworden und hält sich als Sicherheitsbeamter irgendwie am Leben. Dann tauchen sie erneut auf, die Leichenteile, die quer durch die Stadt verteilt wurden. Nach dem gleichen Schema abgetrennt, wieder exakt genauso entsorgt. Der zutiefst makabere Fall spornt Zili zu privaten Ermittlungen an, bei denen der Regisseur seine Hauptfigur mit einem ganz entscheidenden Zielkonflikt konfrontiert. Eine Frau, die mit allen bisherigen Mordopfern in Verbindung stand, wird zum Objekt der Begierde des Ex-Polizisten. Yinan erzählt fortan auf zwiegespaltene Weise von einem Menschen, der nur durch eine neue Frau in seinem Leben, also durch Liebe, neue Lebenskraft schöpfen kann, während in ihm der Drang nach Vollendung brennt, wonach er den ungelösten Fall, die Laster seiner Vergangenheit, die ihn bis heute verfolgen, ein für alle mal bezwingen möchte. Die verzwickte Situation, stilistisch zwischen zärtlicher Arthouse-Poesie und lupenreinem Genre-Film umgesetzt, verdichtet sich immer wieder in großartig inszenierten Spannungssequenzen, die durch lange Einstellungen glänzen und die Intensität kontinuierlich steigern.


Den Sinn für tragikomische Einschübe sowie skurrile Details legt der Regisseur dabei aber nie beiseite. Ein Pferd auf dem Flur inmitten eines Polizeireviers, eine ekstatische Tanzeinlage nach dem dramatischen Höhepunkt oder das titelgebende Feuerwerk am helllichten Tage sind nur einige Randnotizen, durch die Yinan seinen souverän erzählten wie stilvoll inszenierten Film auflockert, ohne den bitteren, harten Kern der tragischen Geschichte jemals zu verschleiern.


7,5 von 10 Mäntel in der Reinigung



von Pat

Review: BROTHERHOOD OF BLADES - Spektakel auf Sparflamme

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Fakten:
Brotherhood of Blades (Xiu chun dao)
VC, 2014. Regie: Yang Lu. Buch: Yang Lu, Chen Shu. Mit: Chen Chang, Shih-Chieh Chin, Zhu Dan, Dong-xue Li, Shishi Liu, Yuan Nie, Qianyuan Wang, Qing Ye, Lixin Zhao, Yi Wei Zhou u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Ab dem 18.9. 2015 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
1627, als die Ming-Dynastie ihrem Ende zugeht, dienen drei Blutsbrüder als Assassine in einer Elitetruppe der kaiserlichen Garde. Ihr erster Auftrag vom frisch eingesetzten jungen Kaiser: Findet alle Anhänger des Eunuchen Wei und tötet sie. Doch bald müssen die drei erkennen, dass sie Bauernopfer in einer gewaltigen Verschwörung sein sollen.





Meinung:
Nicht nur die westliche Filmindustrie versucht gezielter den (riesigen) chinesischen Markt für sich zu erschließen, auch aus dem Reich der Mitte schaffen es immer mehr Beiträge zu uns herüber und gelten schon länger nicht mehr als reines Exoten-Futter. Für einen bundesweiten Kinostart hat es bei „Brotherhood of Blades“ dann doch nicht gereicht, in diesen Tagen erscheint er für das Heimkino, mit kleinen Vorschusslorbeeren im Gepäck. „Meisterlich choreographiert, optisch überwältigend und atemberaubend spannend!“ wird das FILMFEST MÜNCHEN auf der Blu-ray zitiert. Da stellen sich gleich zwei Fragen: Wer spricht eigentlich im Namen einer ganzen Veranstaltung und nach der Sichtung noch viel wichtiger, meinen wir wirklich denselben Film?


Schlechtwettergeld ist in dem Job nicht drin.
Fair müssen und wollen wir sein, das mit der Optik ist nicht gänzlich falsch. „Überwältigend“ sicher nicht, da würde man ja andauernd vor Begeisterung vom Stuhl kippen, wenn ein Film mit sichtlich viel Aufwand, guter Ausstattung und einem hübschen Äußeren um die Ecke kommt. Einige schöne Bilder gibt es zu sehen, ohne dass man vor Staunen den Mund nicht mehr zu bekommen würde. Für den Rest muss man schon schnell und leicht zu beeindrucken sein, um vor Begeisterung durchzudrehen. Insbesondre bei den ach so spektakulären Kampfszene. Einer bzw. drei gegen alle hat doch immer ein gewisses Problem: Während ein Kontrahent vermöbelt wird, stehen alle anderen brav daneben und warten scheinbar, dass ihre Nummer aufgerufen wird. Sinnvoll gleichzeitig angreifen ist auch unsportlich. In wahrhaftig exzellent arrangierten Gegenbeispielen wie z.b. bei „The Raid 2“ oder dem Hammer-Fight in „Oldboy“ wirkt das eine ganze Ecke anders. Da hat man wirklich das Gefühl, dass ein Typ gerade alle auseinandernehmen kann, da stimmt die Energie, die entfesselte Dynamik und es wird nicht nur untätig im Hintergrund rumgegammelt. Das ließe sich gerade noch verschmerzen, wenn die Action denn sonst hervorragend inszeniert werden würde. Etwas Slow-Motion, ein paar (hauptsächliche digitale, bäh) Blutspritzer, den Rest muss der Schnitt regeln. Lange Takes, die von einer unverkennbar detaillierten und dann ernsthaft eindrucksvollen Choreographie zeugen würden gibt es nicht, in der Schnittfolge lässt sich nur ganz selten rudimentär erahnen, dass die Akteure zumindest ein wenig von dem verstehen, was sie hier vorgaukeln.


„Brotherhood of Blades“, um es zu relativieren, ist im Bereich der Action sicherlich keine Grottenveranstaltung, mehr als inzwischen eben nicht mehr von den Socken hauender Durchschnitt aber keinesfalls. Damit hätten sich die dramaturgischen Schwachpunkte vielleicht deutlicher kaschieren lassen oder zumindest weniger störend in den Mittelpunkt rücken. Intrigen, Verrat, Treueschwüre und anschließende Dolchstöße im alten Kaiserreich, kennt man so zur Genüge und ernsthaft interessant sind weder der Plot noch die steifen Figuren, obwohl sie eigentlich dauernd zu leiden haben. Das mündet im letzten Drittel in einer Überdosis an Nackenschlägen, schwermütigem Geschwafel und pathetischer Selbstaufopferung. Eine überfrachtete Seifenoper der großen, persönlichen Tragödien, die einen praktisch gänzlich kalt lässt. Wenn die Figuren nicht interessant sind kann ihnen geschehen was will, juckt niemanden. Obwohl „Brotherhood of Blades“ rein formal kein Totalausfall ist, seine gesamten Bemühungen sind schlussendlich für die Katz. Mit Mühe und Not lässt sich der Film gerade so angucken, danach sollte man kaum noch einen Gedanken an ihn verschwenden.

4 von 10 Blutsbrüdern

Review: OUTCAST – DIE LETZTEN TEMPELRITTER – Anakin Skywalker stellt die dynastische Ordnung wieder her

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Fakten:
Outcast – Die letzten Tempelritter
USA. 2014. Regie: Nick Powell. Buch: James Dormer. Mit: Hayden Christensen, Nicolas Cage, Any On, Liu Yifei, Ji Ke Jun Yi, Ron Smoorenburg, Fernando Chien, Jawed El-Berni, Tomer Oz, Byron Lawson, Alaa Safi, Paul Philip Clark, Preston Baker, Manel Soler u.a. Länge: 97 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 17. April auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Einst war Jacob ein Tempelritter, der ohne Nachzufragen seine Pflicht erfüllt und dabei auch vor der Ermordung Unschuldiger nicht absah. Nun ist aus dem jungen Ritter ein gebrochener Mann geworden, der nach China ausgewandert ist und dort dem Opiumfrönt. Doch seine alten –Instikten kehren zurück, als ihm die hübsche Lian um Hilfe bitte, einen kleinen Jungen vor seiner eigenen Familie zu schützen. Das Schicksal des gesamten Reiches steht auf dem Spiel





Meinung:
„Was macht eigentlich Hayden Christensen so?“, wahrscheinlich ist das eine Frage, die man sich wohl nur in einem schon beinahe körperschädigenden Ausmaß lebensweltlicher Desorientierung stellen wird. „Outcast – Die letzten Tempelritter“, eine astreine Direct-to-DVD-Pfeife, wie sie entbehrlicher beinahe kaum sein könnte, liefert dennoch eine akkurate Antwort darauf: Nach wie vor nichts von Relevanz. Dass dem vor allem von Teenie-Mädels angehimmelten Kanadier in noch jungen Jahren (damals noch am Anfang seiner 20er verweilend) die Rolle des Anakin Skywalker angeboten wurde, um dessen einschneidende Wandlung zum ikonischen Darth Vader in „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ und „Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith darzubieten, mag zweifelsohne eine immense Ehre für einen aufstrebenden Schauspieler wie ihn gewesen sein, größtenteils war es allerdings ungefilterte bis unverhältnismäßige Häme, die auf Hayden Christensen und seine zuweilen tatsächlich schon phlegmatischen Darbietung im popkulturellen Franchise einschlug. Mit „Outcast – Die letzten Tempelritter“ wird ihm der brüskierte Gegenwind aus jenen Tagen selbstverständlich erspart bleiben.


Hey Nicolas, du musst mit Hayden Christensen spielen
Zwischen der „Star Wars“-Reihe und dem bräsigen Historien-Actioner „Outcast – Die letzten Tempelritter“ verweilen regelrechte Lichtjahre, nicht nur in der medialen Breitenwirkung, versteht sich. Allerdings ist der von Hayden Christensen verkörperte Kreuzritter Jacob in der Charakterisierung emotionaler Zwistigkeiten gar nicht mal so weit von dem von Rachegefühlen gerne wie paralysiert auftretenden Anakin Skywalker distanziert. Jacob jedenfalls findet sich ebenfalls in einem Wechselbad der Gefühle wieder, sucht seinen Weg und muss sein Tun permanent auf Sinnhaftigkeit hinterfragen: Kann es wirklich richtig sein, im Namen Gottes regelrechte Blutbäder zu hinterlassen, oder verbirgt sich hinter den martialischen Kreuzzügen nur der unverhohlene Fanatismus heuchlerischer Priester, wie Jacobs Mentor Gallian (Nicolas Cage) während der kriegerische Exposition bereits mit schockierter Mine wiederholt postuliert. Die reißerische Einführung aber wird ihrer Funktion als Etablierung nicht würdig, weil sie dem eigentlichen Handlungsverlauf vollkommen abträglich ist, weil sie verzichtbar bleibt und einzig dem Zweck folgt, Christensen als beinahe mechanische Kampfsau festzuhalten.


"Ich kann dich nicht lieben, ich bin ein Jedi, äh Templer"
Aber warum meckern: Ein Action-Film benötigt nun mal Action, selbst wenn sie – wie in diesem Fall nun - reine Staffage ist. Anschließend vollstreckt „Outcast – Die letzten Tempelritter“ eine zeitliche Zäsur, springt drei Jahre in Zukunft und zeigt uns einen drogensüchtigen Jacob, der sich von den Diensten des christlichen Abendlandes abgewandt hat und nun im Orient an der Opiumpfeife nuckelt, damit sich die Dämonen der Vergangenheit aus seinen Kopf fernhalten. Dass in diesen Tagen der Kaiser von seinem eigenen Sohn Shing (Andy On) abgestochen wird, weil dieser sich um seinen Thronanspruch betrogen sah, führt den abtrünnigen Krieger Gottes mit den flüchtenden Geschwistern Lian (Yifei Liu) und Qian (Lixin Zhao), dem eigentlichen Thronfolger, zusammen. Natürlich schließt sich Jacob den hilfsbedürftigen Gesellen an und versucht fortan, die Ordnung des dynastischen Chinas wieder herzustellen, auch wenn nicht nur an seiner Klinge, sondern an seiner traumatisierten Seele das Blut unzähliger Menschen klebt. Vielleicht ist genau das seine Chance, Erlösung von seinen ethischen Lasten zu finden, in dem er wiederum selbige schenkt.


Genug um den heißen Brei geredet, denn „Outcast – Die letzten Tempelritter“ interessiert sich ohnehin nicht für seine Charaktere, warum sollte man es ihnen in der anschließenden Besprechung irgendeinen Tiefgang vergönnen? Viel interessanter ist doch: Wie sehr dreht denn eigentlich unser innig geliebter Nicolas Cage am Rad? Traurigerweise kleidet der Großmeister der physiognomischen Entgleisung hier nur eine Nebenrolle aus und es nimmt – neben der Exposition – beinahe 60 Minuten in Anspruch, bis wir Nicolas Cage wieder auf der Mattscheibe sehen dürfen – Dann aber auch so richtig! Mit um die Arme geschlungenen Schlagen und einem verkniffenen Triefauge, welches ihm von einem Gegner zugefügt wurde, brüllt, wütet und keucht sich Nicolas Cage durch die prinzipiell doch recht wertig arrangierten Sets (auch die Landschaftsaufnahmen Chinas wissen zu überzeugen), um dem ganzen obligatorischen Treiben (die schale Love Story darf selbstverständlich nicht fehlen) doch noch ein gewisse Dosis exaltiertes Pathos zu injizieren. Darüber hinaus beherrscht die Belanglosigkeit das Geschehen: Egal, egaler, „Outcast – Die letzten Tempelritter“.


3 von 10 Schwertern im Steingrab


von souli

Review: A TOUCH OF SIN - ...und am Ende bleibt nur Gewalt

1 Kommentar:


Fakten:
A Touch of Sin (Tian zhu ding)
China, Japan.
2013. Regie und Buch: Jia Zhangke. Mit: Jiang Wu, Zhao Tao, Wang Baoqiang, Vivien Li, Zhang Jia-yi  u.a. Länge: 133 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 1. August 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das heutige China bedeckt eine riesige Fläche. So unterschiedliche wie die Landstriche sind auch die Bevölkerungsschichten, doch Gewalt ist überall gegenwärtig. A Touch of Sin verstrickt Chinesen aus unterschiedlichen Milieus in vier Geschichten die in großstädtischen Regionen wie Guangzhou, aber auch in ländlicheren Gebieten wie der Provinz Shanxi spielen. In drastischen Bildern bricht sich die Gewalt ihre Bahn und schafft hin und wieder einzelne Berührungspunkte zwischen den sonst eigenständigen Erzählungen.





Meinung:
Ganz schwierige Angelegenheit, hier definitive Worte zum Film zu finden. Einerseits ist die Gestaltung der Systemkritik und Bestandsaufnahme des Underdog-Lebens im kontemporären China auf der visuellen Ebene höchst geschickt verarbeitet und angenehm unaufgeregt. Andererseits entbehrt die episodische Struktur zusammen mit der bewusst kalten Bildsprache einer emotionalen Resonanz, erlebt man in allen 4 Geschichten bei aller nüchtern-gesellschaftskritischer Brisanz doch schlussendlich immer nur den 'Triumph' der Gewalt, in zynisch-machtloser Konsequenz. In 2 Geschichten geschieht sie als plumpe, heimlich-genussvolle und gerechtfertigt-konstruierte Rache-Fantasie aus einer proletarischen Agitprop-Wut auf grundlos bösartige Ausbeutung heraus. Die dort innewohnende Dramatik kristallisiert sich zwar dank der angewandten, kunstvollen Vermittlung augenscheinlich heavy, aber doch im Grunde - wenn man über das Gesamtgefüge wirklich mal reflektiert - allzu forciert und naiv heraus.


Gewalt, die niemand aufhalten kann (oder will)
Dort wird eine objektiv-feinfühlige Charakterzeichnung nach einigermaßen sadistischen Martyrien durch bluthaltige Genre-Auswüchse ersetzt, die teilweise so Pro-Gewalt-plakativ einen Antagonisten nach dem anderen ausschalten, als wäre man auf einmal bei Kitanos OUTRAGE (Kitano ist sogar Co-Produzent dieses Films hier) oder KILL BILL gelandet. Hier darf Moral 'mal eine Auszeit nehmen'. Fragwürdig... Die anderen 2 Episoden gehen mit ihrer Beobachtung zu den zwiespältigen Lebensverhältnissen dann wenigstens objektiver, wenn auch alles andere als subversiv um und wollen eher hinterfragen, inwiefern Tradition und alteingesessene Politik in dieser Welt noch Bestand haben, wie Menschen unter ihr Überleben oder dafür sogar zu demütigenden/moralisch abstoßenden Alternativen geradezu gezwungen werden. Doch auch hier traut sich der Film nicht, irgendeine Form von Empathie zu vermitteln, will kalt bleiben und ein Bild der unausweichlichen, korrumpiert-nihilistischen Gewalt und Unterdrückung zeichnen (sowieso: recht viele, wahllose Tierquälereien), mit Charakteren, die sich denen sowieso schon machtlos ergeben haben und mit entgeisterter Umnebelung, manchmal völlig ohne nachvollziehbare Kohärenz, ihr verdammtes Schicksal beschreiten. Zum Ende dann spricht ein traditionelles Schauspiel sein Publikum als 'Allesamt schuldig' an, woraufhin dies aber nur recht ratlos jener Anschuldigung entgegenblicken kann. Zeigt Regisseur Jia Zhangke da nun doch noch echtes Verständnis für sein Volk und spricht sogar dafür, dass die einzelnen Episoden in ihrer Konsequenz ihre Berechtigung haben, sowohl in der eskalierten, 'gerechten' Gewalt, als auch in der unzufriedenen, Freitod-wählenden Demutshaltung? Oder sieht er sein Volk als verlorene Gesellschaft, unfähig zur Sozialität und Hoffnung?


So oder so, schlussendlich erscheint das Ambiente des Werks durchweg pessimistisch und abgeklärt-verkommen - der Patient China ist tot. Insofern scheint da ein harter, bitterer Kern zur Auffassung der derzeitigen Realität durch, um einen Lösungsvorschlag wird sich dennoch wieder mal nicht bemüht - da kann nur noch die Gewalt alles regeln, wenn der Film Angst davor hat, tatsächlich sein Herz zu offenbaren. Empfinde ich alles nicht gerade als ideale Empfehlung.


6,5 von 10 Amokläufen



vom Witte

Trailerpark: Der Kung Fu Hustler meldet sich zurück - US-Trailer zu Stephen Chows JOURNEY TO THE WEST

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Mit den herrlichen Action-Komödien „Shaolin Soccer“ und „Kung Fu Hustle“ machte sich Stephen Chow auch außerhalb seiner chinesischen Heimat einen Namen. Eine Zeit lang umwarb Hollywood ihn sogar, aber mehr als Gerüchte kamen dabei nicht heraus. Nun wurde der erste US-Trailer zu Chows neustem Film „Journey to the West“ veröffentlicht und der verspricht genau das, was Chow-Fans erwarten: übertriebene, völlig absurde Action und viel Witz. Uns erinnert der Trailer an eine Mischung aus „A Chinese Ghost Story“ und „Die Nackte Kanone“. Wir freuen uns drauf, nur schade, dass es noch unklar ist ob „Journey to the West“ auch hierzulande erscheint, wobei wir durchaus glauben, dass zumindest ein DVD-Release drin sein sollte.


Review: THE YELLOW SEA - Mord, Opportunismus und Verzweiflung

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Fakten:
The Yellow Sea (Hwang hae)
Süd-Korea. 2010. Regie und Buch: Hong-jin Na. Mit: Jung-woo Ha, Yoon-seok Kim, Sung-ha Jo, Chul-min Lee, Do-won Kwak, Yeo-won Lim u.a. Länge: 131 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Taxifahrer Gu-nam versucht seiner Frau eine gute Arbeit in Südkorea zu ermöglichen und schlägt sich deshalb in der Grenzregion zu China herum. Er nimmt sogar große Schulden auf sich und gerät so an einem Gangsterboss, der von ihm einen mörderischen Gefallen verlangt. Als wäre das noch nicht genug, verschwindet Gu-nams Frau spurlos.





Meinung:
Mein Gott, was hauen die Koreaner in erschreckender Regelmäßigkeit für Brocken auf den internationalen Filmmarkt, die dann auch zu Recht mit hallenden Begeisterungsstürmen und tosenden Ovationen von allen Seiten geadelt werden. Qualitativ, gerade in Bezug auf die immense Quantität, ist das schon im höchsten Maße beeindruckend, vor allem, weil sich das koreanische Kino eben auch zu genüge an europäischen wie amerikanischen Produktionen orientiert, diese aber immer wieder in einem weitaus interessanteren Licht aufglühen lassen können und eine visuelle Akkuratesse aufweisen, die den Zuschauer in ihrer ausführlichen Sorgfalt bereits nach wenigen Minuten hypnotisiert. Nach seiner hervorragenden Abwärtsspirale „The Chaser“ beweist auch Regisseur Hong-jin Na, dass er in keinem Fall in die unrühmliche Sparte der One-Hit-Wonder gepresst werden sollte, sondern in Zukunft zu den ganz großen Gesichtern des asiatischen Kinos zählen wird – und früher oder später wahrscheinlich auch darüber hinaus, wenn ihm der gierige Fleischwolf der Traumfabrik nicht zu nah auf die Pelle rückt.


Gu-nam auf der Flucht
Zwar reicht sein episches Gangster-Drama „The Yellow Sea“ nicht ganz an den formidablen Kracher „The Chaser“ heran, hat sich aber dennoch in jedem Fall reichlich Applaus aus aller Herren Länder verdient. Das Problem, wenn man es so nennen mag, welches „The Yellow Sea“ begleitet, ist dass sich die Geschichte zu Beginn etwas zu viel Zeit nimmt, den Zuschauer zwar in die dreckige Existenz und Sozialsituation unseres geschundenen Protagonisten Gu-Nam einbindet, sich ab einem gewissen Punkt aber nicht mehr von der Stelle bewegt, während die Handlung im zweiten Abschnitt in Anbetracht der Charaktere, der verschiedenen Settings und der einzelnen Erzählstränge etwas zu undurchsichtig und verworren formuliert wurde. Schönheitsfehler, die zwar auffallen, aber die eigentliche Klasse von „The Yellow Sea“ letztlich keinen profunden, sondern nur temporären Schaden zufügen, denn wenn der Film die ersten 45 Minuten überstanden hat, gibt es kein Halten mehr und die Spannung wird ohne plakative Taschenspielertricks in ihr eigenes Chaos getrieben.


Verloren im Grenzgebiet
Besonders wichtig ist da der Aspekt, dass Hong-jin Na seinen Charakterfundus nie in die Sphären der Idealisierung laufen lässt und die Gangster und ihre Handlungen in irgendeiner Form als Helden einfängt. Der fokussierte Gu-Nam ist da nur ein perspektivloser Taxifahrer, der bis zum Hals in einem Berg von Schulden steckt und zum Töten gezwungen wird, wenn er seine eigene Familie nicht in tausend Stücken vorfinden möchte. Was „The Yellow Sea“ aus dieser, zugegeben, recht simplen Grundlage entfaltet, ist ein derart dreckiger Überlebenskampf, in dem Opportunismus und tiefschwarze Sühne in das Herz der Unterwelt führen und das globalisierte Asien nur noch gebrochene Opfer aus ihrem von billigem Sex, betäubenden Drogen und abartiger Gewalt gezeichneten Moloch entlässt. Interessant ist ebenfalls, dass sich Na dazu entschieden hat, keinen Wert auf Schusswechsel zu legen und die Charaktere hauptsächlich mit Äxten und Messern aufeinander jagt. Daraus entwickelt sich eine physische Intensität, die zeitweise ihresgleichen sucht, gerade die Hafenverfolgung macht da Chan-wook Parks „Oldboy“-Plansequenz alle Ehre.


Aber Na geht noch einen Schritt weiter und lässt nicht nur die Charaktere langsam zu Staub zerfallen, er zerreißt das gesamte organisierte Verbrechen in bester Takeshi Kitano-Manier und setzt gleichzeitig die konträren Syndikatgliederung von Yangian und Seoul gegenüber, in der ein schmuddeliger Niemand auf Anzug tragende Snobs trifft und beide Seiten schlussendlich realisieren müssen, dass sie sich kein Stück unterscheiden und in der Ausnahmesituation nur noch an von ihrem existenziellen Erhaltungstrieb gesteuert werden: „The Yellow Sea“ ist ein ungemein physischer Film, der seine (zwischen-)menschliche Verelendung in so ausgebleichte Bilder packt, dass auch der Zuschauer die Wärme der Sonnenstrahlen, das satte Grün der Wälder und die kunterbunte Farbvielfalt der sommerlichen Wiesen vergessen möchte. Unter seiner brutalen Schale befindet sich aber auch in „The Yellow Sea“ ein Familien-Drama, in dem ein ratloser Vater frontal gegen die Grenzen seiner maßlosen Verzweiflung prallt, nur um sich und seiner Familie noch etwas Hoffnung auf eine bessere Zeit bewahren zu wollen – Zu welchem Preis? Letztendlich gibt es hier für niemanden ein Entkommen.


7,5 von 10 Äxten im Rücken


von souli