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Review: LEGEND - Tom Hardy im Doppelpack will London regieren

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Fakten:
Legend
USA,UK. 2015. Regie und Buch: Brian Helgeland. Mit: Tom Hardy, Taron Egerton, Emily Browning, Colin Morgan, Tara Fitzgerald, David Thewlis, Christopher Eccleston, Paul Anderson, Chazz Palminteri, Stephen Lord, Lasco Atkins, Tiger Rudge, Mel Raido, Daniel Westwood, Charley Palmer Rothwell, Millie Brady u.a. Länge: 131 Minuten FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 7. Januar 2016 im Kino.


Story:
Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre regieren die Kray-Zwillinge Reggie und Ron gemeinsam mit der Mafia die kriminelle Szene des Londoner Ostens. Als die Geschäfte gut laufen, schlägt ihnen der Ganove Leslie Payne eine Strategie vor, mit der sie ihr Imperium auf die glamourösen Viertel des West-Ends ausweiten können. Nichts scheint die Zwillinge, die London beherrschen und das Establishment unterwandern, aufhalten zu können. Doch als Reggie sich in die zerbrechliche Frances Shea verliebt, gerät alles ins Wanken. Frances will, dass Reggie sich auf ihre Seite schlägt, doch Ron, der nicht alleine bleiben möchte, stellt sich ihr entgegen.




Meinung:
Dekadenz, Gewalt, Respekt. Es scheint so, als wären genau dies die Grundpfeiler, auf denen die Existenz der legendären Kray-Zwillinge errichtet wurde. Reggie und Ronnie Kray gehören wohl zu bekanntesten Gesichtern, die das organisierte Verbrechen seit jeher hervorgebracht hat. Die Besonderheit: Sie sind eineiige Zwillinge; Reggie ist ein Ebenbild von Ronnie und andersherum. Doch nicht nur die äußerliche Gleichheit einte die Brüder, es war auch das krampfhafte Verlangen, London Hand in Hand hoheitlich regieren zu wollen. Dieser schroffe Gangster-Stoff, den das Leben mehr oder weniger geschrieben hat, eignet sich natürlich immer noch einwandfrei, um ihn für die großen Leinwände aufzubereiten: Da darf man unentwegt maskuline Posen und die Faszination des Bösen bestaunen, um durch die in dieser Halbwelt allgegenwärtige Gewalt immer wieder in Abscheu demgegenüber zu geraten. Der Gangster-Film parallelisiert Verbrecher und Heroen in der Regel nicht, er fusioniert sie vielmehr und führt sie auf einen effektiven typologischen Nenner – Den Anti-Helden.


Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist Tom Hardy
„Legend“ von Brian Helgeland (Drehbuchautor von „Mystic River“) nimmt sich nun den Kray-Brüdern an und erzählt genau von diesem Kosmos, in dem sie ihre delinquenten Machenschaften anfangs äußerst rentabel ausgelebt haben. Die Könige von East End waren allseits gefürchtet, ihr Einfluss innerhalb der Metropole beachtlich, ihre Konkurrenz wurde einfach aus dem Weg geräumt. Wenn die Krays Politiker geschmiert haben, blieben ihnen die Polizisten vom Hals, was ihnen wiederrum die Chance gab, ihr Imperium immer weiter auszubauen. Seinen Interessenschwerpunkt destilliert „Legend“ daraus, dass er seine Crime-Saga an einer elementaren Frage abarbeitet: Ist Blut zwangsläufig dicker als Wasser? Während sich Reggie (Tom Hardy) oberflächlich als etwas besonneneres Gemüt zu erkennen gibt, der ebenso darauf erpicht ist, seine Beziehung zu Frances (Emily Browning) aufrechtzuerhalten, ist sein seit Kindertagen eifersüchtiger Bruder Ronnie (Tom Hardy) ein schnaubender Geisteskranker, dem ein psychologischen Gutachten während eines Aufenthalts in der Nervenheilanstalt bereits eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert hat.


Dass diese Beziehungskonstellation reichlich unter Feuer steht, erklärt sich von allein. „Legend“ ist allerdings zu keiner Zeit in der Verfassung, seine zwischenmenschlichen Gefühlsknoten adäquat zu behandeln und flüchtet sich über beinahe endlose erscheinende 120 Minuten in trübe Genre-Klischees, die man schon im kürzlich erschienen „Black Mass“ mit Johnny Depp voller Gleichgültigkeit über sich ergehen lassen musste: Vom händeringenden Versuch, dem halbseidenen Gewerbe zu entfliehen, bis zu der Erkenntnis, dass man den schwarzen Fängen dieser Parallelgesellschaft nicht entkommen kann, weil das Damoklesschwert mafiöser Macht über jedem Handgriff schwebt, schabloniert „Legend“ in seiner pulpigen Ausstaffierung die großen Vorbilder ohne falsche Scham, vergisst dabei aber vollständig, eigene Akzente zu setzen. Eine Rechtfertigung, sich „Legend“ anzuschauen, ist, neben dem stimmigen Zeit- und Lokalkolorit, selbstredend Tom Hardys erwartungsgemäß ordentliche Doppelperformance, der sich wieder mit seiner berauschenden Präsenz und dem gottgegebenen Charisma ins Zeug wirft. Schade nur, dass er sich in diesem Fall an derart verdrießliche Dutzendware verschwendet.


4 von 10 brüderlichen Backpfeifen


von souli

Review: 42 – DIE WAHRE GESCHICHTE EINER SPORTLEGENDE – Ein Schwarzer macht die Baseball-Liga verrückt

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Fakten:
42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (42)
USA. 2013. Regie und Buch: Brian Helgeland. Mit: Harrison Ford, Chadwick Boseman, John C. McGinley, Christopher Meloni, Lucas Black, Andre Holland, Alan Tudyk, Nicole Beharie u.a. Länge: 128 Minuten. FSK: Ab 0 Jahren freigegeben. Auf DVD und Blu-Ray erhältlich.


Story:
Branch Rickley (Harrison Ford) ist Manager der Brooklyn Dodgers. In dem Baseball-Team spielen, wie in jedem anderen Team in den USA auch, nur weiße Sportler. Als er Jackie Robinson, einen talentierten, schwarzen Spieler, verpflichten will, stößt er darum auf große Widerstände. Dennoch setzt er sich durch und Robinson wird zum ersten schwarten Spieler der MLB. Jedoch herrschen im Team, in der Liga und in der Gesellschaft weiterhin große Vorurteile gegen Robinson – doch der ist ein Kämpfer und lässt sich davon nicht unterkriegen.




Meinung:
„42“ ist die wahre Geschichte über den Baseballspieler Jackie Robinson, dem ersten schwarzen Baseballspieler im 20. Jahrhundert, der in der Major League zusammen mit den ansonsten weißen Spielern spielte. Er wurde von Mitspielern und Zuschauern angefeindet, als nicht gleichwertig angesehen. Er solle doch zurück in den Urwald und hätte nichts im weißen Sport Baseball zu suchen. Doch Robinson ging seinen Weg, ließ sich nicht beirren – und wurde einer der besten Spieler der Liga. Mit seinem Engagement 1947 durch Manager Branch Rickey bei den Brooklyn Dodgers (heute übrigens Los Angeles Dodgers – jaja, in den USA zieht ein Team einfach mal so von der Ost- an die Westküste) tat er einiges für die Gleichberechtigung der Schwarzen – im Baseball und in der Gesellschaft. Auch nach seiner Karriere setzte sich Robinson für die Schwarzenrechte ein. Heute wird ihm zu Ehren das Trikot mit seiner Nummer 42 in der gesamten Liga nicht mehr vergeben, nur am 16. April, dem „Jackie-Robinson-Day“ dürfen alle Teams mit der Nummer 42 auf dem Rücken antreten. Eine größere Ehrenbekundung kann man sich im Baseball kaum vorstellen.


Jackie Robinson - der erste Schwarze in der MLB
Ein Biopic also über einen der bekanntesten Spieler der Baseball-Geschichte, der auch noch von so großer Bedeutung ist – es ist nicht überraschend, dass Hollywood hier zuschlägt. Wenn dabei noch etwas gegen Rassismus getan werden kann und so auch noch die Schulterklopfer sicher sind, nun, worauf wartet man noch? Es ist vielmehr schon sehr ungewöhnlich, dass man erst so spät auf die Idee kam, Robinsons Geschichte zu verfilmen. Aber jetzt hat man es ja getan. Dabei beschränkt man sich auf die Jahre 1946 und 1947, also nur eine recht kurze Zeit in der Karriere Robinsons. Er erzählt die Anfänge und die Widerstände, denen der schwarze Spieler ausgesetzt war, zeigt Rassenhass innerhalb der Liga und auch in der Gesellschaft. Doch gerade hier werden die Probleme des Films deutlich.


Gerade dieser Rassismus erscheint nämlich ein wenig zu oberflächlich. Natürlich, da sind die Idioten, die Robinson beschimpfen. Immer und immer wieder. Auf dem Feld, neben dem Feld. Überall. Robinson, der sowieso als sehr temperamentvoll beschrieben wurde, ist auch immer kurz vorm, kann sich aber zurückhalten. Dennoch, es wirkt alles recht oberflächlich und sich stets wiederholend. Nach 30 Minuten haben wir eigentlich alles gesehen, was wir über den Rassismus in diesem Film wissen müssen, danach wird das Ganze immer wieder halbgar aufgewärmt. Seine Stärken hingegen hat der Film bei der Baseball-Geschichte. Die Sportszenen sind spannend, teilweise auch witzig in Szene gesetzt und wissen zu unterhalten. Überhaupt lebt der Film von den Teilen im Trikot, im Alltagszwirn fällt er immer ein bisschen ab.


Fliege und Zigarre - ein wenig Exzentrik darf sein
Harrison Ford ist der bekannteste Name im Film. Er spielt Branch Rickey auf eine überraschend kauzige Art. Vehement im Auftreten, aber auch sympathisch. Nur sein Gottesfimmel nervt ein wenig. Neben den vielen bekannten Nebendarstellern wie Christopher Meloni, Alan Tudyk, Lucas Black, Brett Cullen oder John C. McGinley scheint ausgerechnet Hauptdarsteller Chadwick Boseman ein wenig unterzugehen. Zumindest hat man zuvor noch nichts von ihm gehört. Doch Boseman macht seine Sache durchaus ordentlich und schafft es sogar, im Lauf des Films immer präsenter und eindringlicher zu werden. Nachdem er den ersten schwarzen Spieler in der MLB verkörperte und ebenfalls schon als James Brown auftrat, wird er nun auch bald als „Black Panther“ den ersten schwarzen Marvel-Helden im Film spielen. Ein rasanter Aufstieg für den bisher unbekannten Darsteller.


„42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende“ schafft es insgesamt nie, seine Möglichkeiten vollends auszuschöpfen. Besonders im Bereich des Rassismus wiederholt sich zu viel und es wird zu wenig in die Tiefe gegangen. Punkten kann er vor allem bei den schön in Szene gesetzten Baseballszenen. Hier wird der Film auch emotional und auch wenn alles sehr vorhersehbar ist, so sieht man sich diese Episode im Leben des Jackie Robinson doch sehr gerne an.


6,5 von 10 Bälle an den Kopf

Review: POINT BLANK & PAYBACK - Zweimal Rache, bitte

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Fakten:
Point Blank
USA. 1967. Regie: John Boorman. Buch: Alexander Jacobs, David Newhouse, Rafe Newhouse, Donald E. Westlake (Vorlage). Mit: Lee Marvin, Angie Dickinson, Keenan Wynn, Carroll O’Connor, Sharon Acker, James Sikking, Michael Strong u.a Länge: 92 Minuten. FSK: freigegeben a 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gangster Walker wird von seinem Komplizen Reese bei einem Coup hintergangen und endet angeschossen in der Gosse. Doch er überlebt und beginnt nach seiner Genesung damit, sich den Teil seiner Beute zurück zu holen – mit allen nötigen Mitteln.





Meinung:
Lee Marvin ist als Walker eine unerschütterlich-stoische Urgewalt. Seine Performance ist von einer derart einnehmenden Physis gezeichnet, dass sie die Mattscheibe im nächsten Moment explodieren lassen könnte. Von malerischen CinemaScope-Kompositionen nachhaltig akzentuiert, will sich dieser Walker sein Geld zurückholen, was ihm hinterrücks genommen wurde und stampft dafür mit (immer wieder von Metaphorik elektrisierten) hallenden Schritten durch ein Los Angeles der endlosen Gänge. Ebenso nihilistisch wie stilistisch setzt John Boormans Walkers Rachefeldzug in Szene, in dem er die Charakteristika des Film Noir und der Nouvelle Vague kreuzt und oberflächlich einen kaltherzigen Zynismus pflegt, dem erst durch die exzellente Farbdramaturgie eine nachhaltig emotionale Plattform geboten wird. „Point Blank“ torpediert – so wie es sich für New Hollywood gehörte – abgestandenen Normen und baut auf eine fragmentarische Narration, das mit elliptischen Sprüngen durch die Zeit hantiert und damit zuweilen in hypnotischer Suggestion den Zuschauer stimuliert. „Point Blank“ ist schon ein besonderer, ein prägender Film, der uns in eine Welt führt, in dem Vor- und Zunamen keinen Wert mehr besitzen und die Zukunft noch irgendwo in den Sternen steht. Dafür wird die Genre-Reduktion des Rache-Themas über den gesamte Bildschirm ausgenutzt, denn: Action muss nicht immer nur in der Zentrale funktionieren!


7,5 von 10 schattigen Verstecken


von souli




Fakten:
Payback
USA. 1999. Regie: Brian Helgeland. Buch: Terry Hayes, Brian Helgeland, Donald E. Westlake (Vorlage). Mit: Mel Gibson, Maria Bello, Lucy Liu, Gregg Henry, David Paymer, Deborah Kara Unger, James Coburn, Kris Kristofferson, William Devane, Jack Conley, Bill Duke u.a. Länge: 101 Minuten (Kinoversion), 90 Minuten (Director’s Cut). FSK: freigegeben ab 16 Jahren (Kinofassung), freigegebe ab 18 Jahren (Director’s Cut). Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Porter wollte mit seiner Frau und seinem Kumpel Val den ganz großen Coup landen. Leider hat er nicht damit gerechnet, dass seine Frau und Val ihn hintergehen, auf ihn schießen und ihn sterbend liegen lassen. Doch Porter überlebt und sinnt auf Rache sowie seinen Teil der Beute.





Meinung:
Eine interessante, angenehm von John Boormans Klassiker „Point Blank“ losgelöste Neuinterpretation des Romans „Payback“ ist Brian Helgeland und Terry Haves mit dem ihrem gleichnamigen Rache-Thriller gelungen. Mel Gibson veranschaulicht mit seinem um 70.000 Dollar gebrachten Porter mal wieder, dass er einfach ein wunderbarer Schauspieler ist, dessen größte Stärke sein gottgegebenes Charisma ist. Porter ist keine archaische Dampfwalze wie es Lee Marvins Walker noch war, der einnehmenden Wirkung von Gibsons Spiel kann und will man sich so der so nicht entziehen. Während sich die dem Usus des Mainstreams anbiedernde Kinofassung mit aller Kraft dagegen stemmt, schön böse zu sein und mit ihren penetrant in tiefes Blau gefärbten Aufnahmen auf optischer Ebene genauso originell ist, wie violette Strähnchen im schwarzen Haar (urgs!), bricht der Director's Cut richtig straight vom Leder. „Payback“ spannt einen breite(ren) Erzählbogen, lässt in die etagenartigen Gepflogenheiten des „Syndikats“ blicken und die Menschlichkeit seines Protagonisten nicht nur im Subtext anklingen. Porter kämpft sich kompromisslos durch den Großstadtdschungel, in dem niemand von Moral redet, hier regiert nur die Korruption. Ein düsterer, lakonischer Neo-Noir, der dicke Macker schnell mal als feige Sadisten entlarvt.


6,5 von 10 Kugeln im Rücken


von souli