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Review: IDENTITÄT - Zehn Schlüssel zur Wahrheit

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Fakten:
Identität (Identity)
USA, 2003. Regie: James Mangold. Buch: Michael Cooney. Mit: John Cusack, Ray Liotta, Amanda Peet, John Hawkes, Alfred Molina, Clea DuVall, John C. McGinley, William Lee Scott, Jake Busey, Pruitt Taylor Vince, Rebecca De Mornay u.a. Länge: 90 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Während ein Psychiater versucht, in letzter Sekunde die Hinrichtung seines Patienten zu verhindern, geht in einem einsamen Motel ein Killer um. Zehn Menschen müssen wegen einem Unwetter dort Zuflucht suchen und werden einer nach dem anderen von einem Unbekannten ermordet. Der Täter muss einer von ihnen sein.


                                                                                

 

Meinung:
Zu dem relativ überschaubaren Kreis der kreativen Thriller aus den letzten 10-15 Jahren gehört definitiv auch „Identität“ von James Mangold, da er doch sehr geschickt mit der Wahrnehmung und den Sehgewohnheiten des Zuschauers spielt und eine Waffe effektiv nutzt, die das Medium Film bietet: Das Offensichtlich, das wir, das Publikum, als gegeben hinnehmen (müssen), da wir es sehen. Film kann uns etwas vorgaukeln, die Realität  massiv verschieben und sie uns als etwas augenscheinlich Glasklares verkaufen, bis er sein wahres Gesicht zeigt. Bei „Identität“ funktioniert dieser Effekt beim ersten Mal ganz hervorragend, da ein altbekanntes (Film)Szenario scheinbar seinen klassischen Lauf nimmt, um sich schlagartig die Maske herunterzureißen. Mit Twists hantieren viele Filme, viele arbeiten gezielt darauf hin und schaffen ihren großen Reiz eigentlich nur durch diese vorbereitete Pointe, die wie bei einem guten Witz unverhofft zündet, bei Wiederholung dann aber an Glanz verliert. Davon lässt sich auch „Identität“ nicht gänzlich freisprechen, dennoch kann er auch bei mehrfacher Sichtung immer wieder überzeugen.


Das geht ja gut los...
Die feine Grundidee und das fingerfertige Spiel mit dessen Umsetzung sind der ausschlaggebende Punkt. Mag das psychologisch alles auf recht wackeligen Beinen stehen und schon recht grob gezeichnet sein, das ist hier weniger relevant. Hinterfragt man das Ganze tiefer, ist es halt ein B-Thriller im A-Movie-Look, allerdings da weit über dem Durchschnitt. Die Prämisse der (diesmal sogar exakt) zehn kleinen Negerlein, die sich zufällig in einem entlegenen Motel zusammenfinden und rapide dezimiert werden, alles das Gerüst eines gewöhnlichen Whodunit-Thrillers, bald schon Slashers. Dann jedoch schon handwerklich sauber umgesetzt und (im ersten Moment) erstaunlich prominent besetzt. Gerade ein John Cusack stand damals noch für Qualität bei der Wahl seiner Rollen, warum spielt er ausgerechnet in so einem beliebigen Genre-Streifen? Das fragt man sich und ahnt schon, da kommt noch was.


Wetter, Motel, Situation: Alles scheiße.
Mangold deutet hier und da etwas an, ohne den Zuschauer zu sehr zu verunsichern oder zu hastig die Katze aus dem Sack zu lassen. Langsam lässt er die Fassade bröckeln, wählt dabei genau das richtige Tempo und überschlägt sich auch im Schlussspurt nicht. Er lässt einen nicht mit einem plötzlichen Paukenschlag alleine, sondern zündet seine Knallkörper früh genug, um seinen Film nicht als einmaligen Knüppel zwischen die Beine zu verheizen. Klar knallt es nie wieder so laut und überraschend wie bei der Premiere, dafür lässt sich dann erkennen, wie detailiert und überlegt alles arangiert wurde. Das ist nicht super intelligent, dafür sehr intelligent gemacht und inszeniert. Waschküchen-Psychologie hin oder her. Hier geht es um die Visualisierung, in mehrerer Hinsicht. Um eine interessante Darstellung von etwas, das uns im ersten Moment auf sehr konservative Weise präsentiert wird. Das ist der Clou und das ist es, was „Identität“ so gelungen macht. Hier ist der Weg das Ziel und gerade in seiner Gewöhnlichkeit und Austauschbarkeit so treffend gewählt. Was heute so gerne mit Meta-Ebene bei jedem dritten Film tituliert wird, wirkt hier schon wirklich gut, ohne einem Geniestreich gleichzukommen.


„Identität“ ist nicht nur für dem Genre zugeneigte Leute gedacht und funktionabel. Ein klare Empfehlung für die natürlich ohnehin. Hier dürfen sich auch die angesprochen fühlen, die es genießen können wenn ihnen in den ersten zwei Gängen etwas ganz anderes serviert wird als zum Nachtisch. Guten Appetit.

7,5 von 10 Schlüssel-Momenten.



Review: GANZ WEIT HINTEN – Der Name ist hier in allen Belangen Programm

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Fakten:
Ganz weit hinten (The Way Way Back)
USA. 2013. Regie und Buch: Nat Faxon, Jim Rash.
Mit: Liam James, Sam Rockwell, Steve Carrell, Toni Collette, Allison Janney, Anna Sophia Robb, Amanda Peet, Maya Rudolph, Rob Corddry, Zoe Levin, Jim Rash u.a. Länge: 103 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung.Ab 4. April 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Der 14-jährige Duncan muss den Sommer bei Trent, dem neuen Freund seiner Mutter verbringen, damit die beide sich besser kennen lernen. Für Duncan kein Grund um sich zu freuen, denn Mutters Neuer ist alles andere als eine „Idealbesetzung“. Etwas Gutes hat dieser Sommer aber an sich, denn Trent wohnt nah an der Küste
und dort findet Duncan nicht nur nette Mädchen, sondern auch eine wirkliche Vaterfigur.





Meinung:
Im Indie-Film ist es die sensitive Ästhetik, die mit der informale Relevanz eine ganz eigene, ganz intime, gerne auch verspiele Liaison eingeht und die filmischen Ebenen in vielerlei Hinsicht wirkungsvoll ausschöpft. Es ist eine Sparte, in der man doch meinen sollte, das ein Film ohne Verzogenheiten auskommen könnte und sich so, eben wegen seinen spekulativen Freiheiten, vom stickigen Allerlei unterscheidet, welches auf Biegen und Brechen versucht, sich das Publikum zum Kumpanen zu machen und ihm so nur die Häppchen kredenzt, die ihm auch schmecken. Massenkompatibilität ohne Ecken und Kanten, ohne Splitter, an denen man sich verletzen könnte, drapiert mit zuckersüßem Verlogenheitsgemüse. Ein kommerzieller Erfolg mag dadurch gesichert sein und die verliebten Paare auch nach dem Kinobesuch noch Hand in Hand auf Wolke 7 schweben. Aber kann das zufriedenstellend sein?


Fast-Stiefpapa Trent (l.) lernt Duncans Vaterfigur kennen
Es trifft in diesen Fällen nämlich  nur dann genau den Konsumenten, der sich, wenn schon ein reales sprich ernstes Plateau eingerichtet wurde, auch den klaren Menschenverstand erwartet, der dieses Fundament mit dem nötigen Ernst und Sensibilisierung in Sachen (Zwischen-)Menschlichkeit aufbereitet wie modelliert. „Ganz weit hinten“ ist unter diesem Blickfeld eine bittere Enttäuschung und das Doppel Jim Rash und Nat Faxon (Skript zu „The Descendants“) setzt es sich zum Ziel, den Zuschauer lieber sanft und glücklich aus dem Saal zu geleiten, anstatt auf Authentizität zu setzen. Dagegen spricht in erster Linie auch rein gar nichts, allerdings ist das Drehbuch nicht nur undifferenziert chiffriert, es artikuliert sich in seinen Aussagen und Implikationen (Für das sich natürlich auch Jim Rash und Nat Faxon verantwortlich zeigen) ebenfalls furchtbar verwerflich.


Um das Hauptproblem von „Ganz weit hinten“ vorab auf den Punkt zu bringen: Der pubertäre Hauptprotagonist Duncan (Liam James) wird im konzeptionellen Coming-of-Age-Geseiere nicht an sich und somit an den steinigen Pfade der Realität gewöhnt; Duncan lässt sich durch die verstrahlte Vaterfigur Owen (Sam Rockwell als Adam Sandler) immer weiter von diesem Entwicklungsprozess distanzieren. Dem Drehbuch geht es letztlich nicht um Selbstfindung oder die Erkenntnis der eigenen Identität respektive Lebensphilosophie, die Autoren fokussieren sich darauf, dem Jungen einen schluffigen Fatzke vor die Nase zu stellen, der sich auf seinem Managerposten durch das Nichtstun auszeichnet und es für viel wichtiger erachtet, „ulkige“ Späßchen anzuordnen oder selber durchzuführen. Späßchen, wie zum Beispiel junge Frauen allein auf ihre körperlichen Reize zu reduzieren und diese dann vor all den lüsternen Gaffern auszustellen, um sich dabei heimlich ins Fäustchen zu kichern.


So schmeckt der Sommer
Allgemein herrscht in „Ganz weit hinten“ eine derart dominante Heteronormativität, dass die Fleischbeschau unwissender Damen vollkommen legitim ist, alle anderen sexuellen Tendenzen aber nur der Verarsche und zur Belustigung aller Anwesenden dienen. Schlimm, aber so fadenscheinig definiert sich Unterhaltung heutzutage im breiten Raum nun mal. Und dieser missfällige Ton schlängelt sich unentwegt durch den ganzen Film, was natürlich auch repräsentativ für unsere Zeit steht. Darüber hinaus sind Rash und Faxon zwar darum bemüht, ein defizitäres Familienverhältnis zu konstruieren, mit dem Arschloch als Stiefvater (Steve Carrell), der überfordert-naiven Mutter (Toni Collette), der obligatorischen Affäre (Amanda Peet) und der zickigen Halbschwester (Ava Deluca-Verley). Das führt zwangsläufig zu Reibungen, mal lauter, mal leiser, aber gänzlich ohne bleibende Effekte. „Ganz weiten hinten“ verharrt dramaturgisch auf der Stelle, weil der Film sich nicht für seine Nebenfiguren interessiert und den Zuschauer lieber durch den introvertierten Duncan einlullt.


Was soll man also schlussendlich sagen? Soll man „Ganz weit hinten“ dafür loben, dass er etwas versucht hat? Dass der Film sich mühsam um – Im familiären Kosmos eines jeden befindlich – Relevanz bemüht und diesen Strukturen eine greifbare Stütze verleihen wollte? Ein Versuch reicht nun mal nicht aus, gerade dann nicht, wenn er sich in engstirnigen und prüden Vorstadtideologien wälzt, in der Mut ebenso fremd scheint wie eine wirkliche Ungebundenheit. Aber die Masse wird es schon mit einem Lächeln auf den Lippen fressen, so liebenswert die Hülle hier schimmert und so sympathisch sich der Großteil der Charaktere auch verhält – Grauzonen sind selbstverständlich nicht zu finden. Ein rigoros gescheitertes Debakel, mehr lässt sich nicht über „Ganz weit hinten“ sagen. Oberflächlich sicher für einen lauen Sommerabend ohne jede Selbstreflexion geeignet, steckt hinter all den Fassaden dennoch eine mehr als nur fragwürdige Denke.


3,5 von 10 Staus in der Wasserrutsche



von souli

Review: KEINE HALBEN SACHEN 1 + 2 - Der freundliche Auftragskiller aus der Nachbarschaft

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Fakten:
Keine halben Sachen (The Whole Nine Yards)
USA, 2000. Regie: Jonathan Lynn. Buch: Mitchell Kapner. Mit: Bruce Willis, Matthew Perry, Natasha Henstridge, Amanda Peet, Michael Clarke Duncan, Rosanna Arquette, Kevin Pollak, Harland Wiliams, Carmen Ferland, Serge Christianssens u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Zahnarzt Nicholas "Oz" Oseoransky hat einen Berg von Schulden und lebt in einer lieblosen Ehe. Obwohl zwischen ihm und seinem Hausdrachen schon lange nur noch pure Abneigung herrscht, kommt eine Scheidung aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Mit seinem neuen Nachbarn Jimmy bekommt sein Leben plötzlich richtig Schwung. Sofort erkennt Oz in ihm den Auftragskiller Jimmy "Die Tulpe" Tudeski, der nach einer Aussage gegen seinen alten Boss untertauchen musste. Oz' Ehefrau hat gleich die Dollarzeichen in den Augen und zwingt ihn nach Chicago zu fliegen, um einen "Finderlohn" einzustreichen. Gleichzeitig versucht sie, Jimmy auf Oz anzusetzen. Doch alles kommt ganz anders und schon bald ist der bemitleidenswerte Oz mitten in einem Kleinkrieg von Killern und Gangstern. Ausgerechnet dort findet er seine große Liebe - Jimmy's Exfrau.





Meinung:
Was hätte wohl aus Matthew Perry werden können, wenn er nicht zu oft ins Glas und den Medikamentenschrank geschaut hätte? Diese Frage stellt sich unweigerlich wenn man ihn und seinen vollen Körpereinsatz in diesem Film erlebt. Der ehemalige Sitcom-Star blüht in der Rolle des liebenswerten und gleichzeitig dauerhaft um sein Leben fürchtenden Zappelphilipps richtig auf. Mit herrlichen Slapstick-Einlagen und wunderbarer Mimik bildet er den perfekten Gegenpol zum charmant-coolen wie eiskalt-konsequenten Profikiller Bruce Willis. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist ausgezeichnet und nur einer der vielen Vorzüge von "Keine halben Sachen".


Jimmy beweist Oz seine Freundschaft
In der turbulent-rasanten Komödie von Jonathan Lynn gibt es kaum Verschnaufpausen, ganz besonders nicht für den armen Oz (Perry), der wie ein Gummiball zwischen seiner ätzenden Ehefrau, den ganz bösen und den vielleicht doch nicht ganz so bösen Jungs hin und her geschleudert wird, immer wieder irgendwo gegenknallt, sei es die massive Brust von Michael Clarke Duncan oder eine Glastür (großartige Szene!), trotzdem immer wieder aufsteht und auf seine leicht naive, dabei so knuffige Art schnell die Sympathien des Zuschauers auf seiner Seite hat. Der arme Kerl kann einem echt leid tun, aber Schadenfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Besonders, wenn es jemand wie Perry versteht, ein sagenhaftes Timing an den Tag zu legen. Generell ist Timing das Stichwort bei "Keine halben Sachen", das funktioniert alles außerordentlich gut. Das Skript ist wendungsreich geschrieben, die Dialoge klasse, die Situationskomik auf den Punkt. Nur weniges überschreitet die Albernheitsgrenze zu weit oder wird gleich darauf durch die enorme Spielfreude des Cast mühelos aufgefangen. Manche Szenen sind selbst nach dutzendfacher Wiederholung einfach zum schießen, selbst zu lapidare Dinge wie die "Bierdosen-Szene" kurz vor Schluss.


Solche Kleinigkeiten sind das perfekte Beispiel dafür, warum dieser Film aus der Masse in seinem Genre heraussticht. Komödien gibt es wie Sand am Meer, viele machen beim Erstkonsum auch noch Spaß, nur eine grosse Haltbarkeitszeit lässt sich nur einem geringen Prozentsatz unterstellen. Gags werden selten besser, wenn sie nochmal abgespult werden, eher das Gegenteil ist der Fall. "Keine halben Sachen" funktioniert immer wieder und ist unter den zahllosen Eintagsfliegen der Hollywood-Komödien ein richtig fetter Brummer.


8 von 10 Burger OHNE Mayonnaise



Fakten:
Keine halben Sachen 2 - Jetzt erst recht! (The Whole Ten Yards)
USA, BRD, 2004. Regie: Howard Deutch. Buch: Mitchell Kapner, George Gallo. Mit: Bruce Willis, Matthew Perry, Amanda Peet, Natasha Henstridge, Kevin Pollak, Frank Collison, Johnny Messner, Silas Weir Mitchell, Tasha Smith, Elisa Gallay, Tallulah Belle Willis u.a. Länge: 98 Minuten. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Nach ihrem erfolgreichen Coup vor vier Jahren haben sich Zahnarzt Oz und Killer Jimmy nicht mehr gesehen. Nun müssen sie wieder ran. Oz' Ehefrau Cynthia wurde von Laszlo Gogolek entführt, der nach seiner Entlassung aus dem Knast stinksauer über den Tod seines Sohns ist. In dieser brenzligen Situation wendet sich Oz an seinen Ex-Nachbarn Jimmy, der im Exil in Mexiko scheinbar zum Pantoffeltiger geworden ist.





Meinung:
Der clever konstruierte, urkomische Comedy-Hit "Keine halben Sachen" musste scheinbar zwingend fortgesetzt werden, das Resultat ist so dürftig wie zu erwarten. Immerhin konnte der Cast zusammengehalten werden, was insgesamt auch nicht das allergrößte Kunststück darstellt. Bruce Willis war schwer im Karrieretief, Matthew Perry hatte jegliche Ambitionen kurz nach dem Erstling in der Betty Ford Klinik vergessen, Amanda Peet und Natasha Henstridge brauchten die Jobs und was Kevin Pollak zu diesem peinlichen Auftritt geritten hat, weiß er maximal selbst.


Typisch Sequel: ein erhöhter Body Count. Armes Huhn
Selten wirkte ein Sequel so erzwungen wie hier. Die Kuh konnte noch gemolken werden, also keine falsche Scheu an den Tag legen. Irgendwie lassen sich der hektische Zahnklempner Oz und sein abgebrühter Gegenpart Jimmy schon wieder zusammenführen, das passt schon. Leider nicht. Das Drehbuch stammelt sich peinlich bemüht von A nach B, das perfekte Timing der Vorlage wird nicht ansatzweise erreicht, eigentlich hält nur der routiniert auftretende Bruce Willis den Laden halbwegs zusammen. Speziell Matthew Perry, dem Highlight im Original, ist der Verfall anzusehen. Schauderhaft versucht er an seine alte Form anzuknüpfen, wirkt dabei wie eine billige Kopie seine alten Ichs, ein einziges Trauerspiel. Ab und an wird ihm mal eine halbwegs lustige Zeile in den Mund gelegt, doch was ist das im Vergleich zum Vorgänger? Nicht mehr als Leichenschändung. Alles erscheint erschreckend unbeholfen, notdürftige zusammengeschustert, an den Charme vergangener Tage erinnert kaum etwas. Sicher gibt es noch kurze Momente, das ist bei der Konstellation ja schon unvermeidlich, nur alles so grobschlächtig, holperig und einfach nur aufgewärmt, braucht wohl kein Mensch. Außer Perry...


"Keine halben Sachen 2" schreit vom ersten Moment an seine Hilflosigkeit laut heraus und wird leider im Verlauf nur bestätigt. Mit ganz heißer Nadel gestricktes Sequel im Fahrwasser eines kleinen Höhepunktes im oft so belanglosen Komödien-Genre. Ging vollkommen zurecht gnadenlos unter und bedarf auch nicht mehr Worte. Zumindest Bruce hat die Kurve im Anschluss wieder gekriegt, um Perry ist es schade.


3,5 von 10 Totgeburten


von JackoXL

Review: VOLL ABGEZOCKT - Auftritt einer Comedy-Göttin?

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Fakten:
Voll abgezockt (Identitiy Thief)
USA. 2013. Regie: Seth Gordon. Buch: Craig Mazin, Jerry Eeten. Mit: Jason Bateman, Melissa McCarthy, Amanda Peet, Robert Patrick, John Cho, Morris Chestnut, Genesis Rodriguez, T.I., Jon Favreau, Jonathan Banks, Eric Stonestreet, Clark Duke u.a. Länge: 112 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 8. August auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Buchhalter Sandy hat zwar einen Namen den sonst nur Frauen tragen, ansonsten ist sein Leben aber vollkommen in Ordnung. Zugegeben, sein Boss Harold verweigert ihm eine Bonuszahlung, aber von seinem Freund und Kollegen Daniel erhält er die Chance, in einem neuen Finanzunternehmen als Vize Präsident einzusteigen. Doch gerade dann, als alles perfekt erscheint wird er Opfer einer Identitätsdiebin. Dank dieser steht Sandy nicht nur kurz vor der pleite, nein, sein neuer Job ist auch in Gefahr. Da er von der Polizei keine schnelle Hilfe erwarten kann, nimmt er die Angelegenheit selbst in die Hand und sucht nach der Betrügerin. Als er sie findet, erweist diese sich allerdings als sehr wehrhaft.





Meinung:
Mit ihrer Rolle in der Serie „Gilmore Girls“ und nachfolgenden Kinoauftritte, wie etwa in „Brautalarm“ konnte Schauspielerin Melissa McCarthy eine durchaus ansehnliche Fangemeinde um sich scharen und gilt aktuell als eine der komischsten Hollywood-Persönlichkeiten. Die Wuchtbrumme McCarthy ist dabei eine, zumindest physisch, erfrischende Anti-These zum sonstigen Schönheitsmodell der Traumfabrik und konnte 2013 bereits drei Mal die Kassen klingeln lassen. Nach ihrem Kurzauftritt in „Hangover 3“ ging sie mit Sandra Bullock auf Verbrecherjagd in „Taffe Mädels". Das Melissa McCarthy-Jahr begann aber mit „Voll abgezockt“, vom „Kill the Boss“-Regisseur Seth Gordon. Hier trifft Jason Bateman auf den quirligen Wirbelwind. Das Ergebnis ist eine Komödie, in dem Chaos aus Ordnung und Disziplin auf Unmoral trifft. Wirklich witzig ist das selten.


Melissa McCarthy auf der Flucht
„Voll abgezockt“ ist ähnlich wie die „Hangover“-Filme (deren Autor Craig Maizin hier auch in die Tasten haute) eine Komödie die ohne Raffinesse auskommt. Laut und polternd wird versucht alle paar Minuten einen Lacher zu genieren. Dabei wird immer dasselbe Stilelement benutzt, welches sich aus der charakterlichen wie gesellschaftlichen Reibungsfläche der Hauptfiguren ergibt. Abseits davon liegt der Film brach und die Rezeptur vom ungleichen Paar, welches in abwegige Situationen gerät wurde auch schon mit mehr Liebe zum Detail und Esprit erzählt. „Voll abgezockt“ mach es sich, wie viele US-Komödien der letzten Zeit, zu einfach. Authentische Entwicklungen, Mut zu wirklichen Grenzüberschreitunen und Charaktere die nicht wie Marionetten wirken sind auch hier nicht anzutreffen. Ähnlich wie bei „Brautalarm“ zelebriert Regisseur Gordon zwar die eine oder andere Überspitzung gegen alltäglichen Anstand und Sitte, aber anstatt Tabuisierungen damit aufzubrechen, verstärkt er sie damit nur noch mehr. Eines der größten Fehlurteile der letzten Kinojahre ist der Glaube, dass Komödien wie „Voll abgezockt“ den puritanischen Horizont erweitern. Tun sie aber nicht. Sie verschließen ihn nur noch mehr und dazu auf nicht mal sonderlich amüsante Weise.


Die Polizei kann Sandy nicht helfen
Die größte Verfehlung von „Voll abgezockt“ sind aber seine Hauptfiguren. Bateman spielt die Rolle die er seit Jahren spielt ohne ihr eine neue Facette abzugewinnen und Melissa McCarthy nervt mehr als zu amüsieren. Mit schwarzem Humor wäre ihre Performance gewiss eine nicht reizlose Angelegenheit, aber ihr ewiges schwadronieren, welches ohne eine wirkliche humoristisches Klimax zu erreichen vor sich hin dümpelt  und ideenloser nicht sein könnte, nimmt ihrer Präsenz jedwede Art von Durchschlagskraft. McCarthy ist so auf die Rolle der quirligen Dicken geeicht, das dazwischen nichts mehr hineinpasst. Keinerlei komödiantische Nuancen, keine Spitzen heraus in eine andere humorvolle Gewichtung. Dabei ist sie gewiss talentiert, aber sie als neue Comedy-Göttin zu feiern ist unangebracht. Eine Göttin überzeugt auch auf, für sie,  unbekannten Pfaden. Doch McCarthy bleibt beharrlich auf einer Stelle stehen und hat somit die gleichen qualitativen Probleme wie „Voll abgezockt“ und bedient dabei das typische Klischee der lustigen Dicken ohne frischen Wind mit hinein zu bringen.


Über Humor lässt sich vortrefflich streiten und so wird es gewiss eine Menge Zuschauer geben die „Voll abgezockt“ in ihr Herz schließen. Es sei ihnen gegönnt. Die Hoffnung das die nächste große Komödienproduktionen aus Hollywood überrascht und mehr bietet als die immer gleichen Versatzstücke und Verbindungsmaterialien bleibt bestehen. Vielleicht ist es ja doch Melissa McCarthy die eines Tages wirklich zu dem wird, zu was ihre Fans sie längst auserkoren haben: eine Göttin der Komödie. Hoffentlich ist sie dann aber auch nicht nur körperlich ein Gegenentwurf zur immer gleichen Erfolgsformel aus den Staaten. "Voll abgezockt" hilft diese Hoffnung wenig. Es bleibt ein Film ohne eine ansprechende Identität.


3 von 10 Schlägen auf die Kehle