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Review: THE CONGRESS - Der schöne Kern der Selbst-Perversion

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Fakten:
The Congress
Israel, Frankreich. 2013. Regie und Buch: Ari Folman. Mit: Robin Wright, Paul Giamatti, Danny Huston, Harvey Keitel, Kodi Smit-McPhee, Sami Gayle, Jon Hamm u.a. Länge: 122 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 13. Juni 2014 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Das Showgeschäft ist gnadenlos – zumindest für Frauen. Robin Wright sieht sich mit einem Schicksal konfrontiert, das vor ihr schon Generationen von Schauspielerinnen teilen mussten: Mit zunehmenden Alter wird das Rollenrepertoire immer eingeschränkter, immer seltener gibt es passende Filmangebote, denn wer will schon Frauen fortgeschrittenen Alters in Hollywood sehen? Dazu kommt noch, dass sie in der Vergangenheit viele Rollen kurzfristig absagte, stets die Krankheit ihres Sohnes Aaron vorschützend. Über ihren Agenten Al erhält sie ein letztes lukratives Angebot, das so oder so das endgültige Ende ihrer Schauspielkarriere bedeutet: Der Studio-Verantwortliche von Miramount, Jeff Green, bietet ihr eine stattliche Summe, um im Gegenzug einen vollständigen Scan ihres Körpers und Geistes durchzuführen, auf dessen Grundlage eine digitale Kopie Robins erzeugt würde. Es ist die Zukunft des Kinos und Robins Ende ihres Schauspieler-Ichs. Sie lässt sich auf den Deal ein – mit unvorhersehbaren Folgen für das Leben, das sie bisher ihr Eigenes hieß…





Meinung:
Ari Folman's Passionsprojekt und Nachfolger zu WALTZ WITH BASHIR verfällt nur fast den Verführungen des "größeren Budgets" und "mehr kreativer Freiheit", die schon so vielen anderen "One-Hit-Wondern" und deren Zweitarbeiten zuviel Pump und wenig Substanz gaben (jüngstes Beispiel: Neill Blomkamp's ELYSIUM). 

 
Wahrheit? Illusion? Drogentrip? Traum? Oder doch nur ein Film Folman?
Auch wenn er hier für sich erstmals Realszenen mit Animationssequenzen vermengt und sein Charakteruniversum recht üppig ausstattet, bleibt der Kern, das Herz der Erzählung im Vordergrund, auch wenn das leicht zerfahren-experimentelle Animationssegment etwas gewöhnungsbedürftig ständig neue Elemente einwirft - für den emotional packenden Payoff im letzten Akt des Films hat es sich dann doch alles gelohnt. Zudem liefert er wie zuletzt HOLY MOTORS (nur eben weit indiskreter, mit einigen allzu aufdringlichen Insider-Gags) eine recht pessimistische Beobachtung und Aussicht zur Lage des Kinos und des Lebens an sich, anhand des zynischen Schönheitswahns und Realitäts-verdrängenden Egomanien, dessen Opfer Protagonistin Robin Wright mit zunehmendem Alter wird. Viel wichtiger im Fokus des Films steht allerdings ihre Liebe zu ihrem Sohn Aaron, dem statt der Schönheit die Sinne schwinden und für den sie alle Perversitäten der spaßgesellschaftlichen Dystopie auf sich nimmt, um seine Persönlichkeit aufscheinen zu lassen - in einer jahrzehntelangen Odyssee, in der sie sich aus der halluzinogenen Cartoon-Welt auf der Suche nach ihm in die reale Tristesse zurückbegeben muss/will.


Eigensinnig, innerlich feinfühlig und von außen hin total verkünstelt. Folman wirft alles, was er für diese Stanislaw-Lem-Adaption zu bieten hat, auf die Leinwand und Gottseidank bleibt genug kleben, um dem Zuschauer am Ende eine wohlig-melodramatisch-charakterstarke Katharsis zu verpassen, trotz einigen ablenkenden Mindfuck-Abstechern. Im Endeffekt doch richtig schön.


8 von 10 Promi-Cameos


vom Witte

Review: DAS GROßE RENNEN VON BELLEVILLE – Bissige Kritik verpackt in irrwitzigem Zeichentrickstummfilm

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Fakten:
Das große Rennen von Belleville (Les Triplettes de Belleville)
Frankreich, Kanada, Belgien, Großbritannien. 2003. Buch und Regie: Sylvain Chomet. Mit (Sprecher): Béatrice Bonnifassi, Lina Boudreault, Michéle Caucheteux, Suzy Falk u.a. Länge: 78 Minuten. FSK: Ab 6 Jahren freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Madame Souza lebt mit ihrem Enkel und einem kleinen Hund namens Bruno zusammen in einem Haus. Mit nichts hat der Kleine Freude, außer beim Fahrradfahren. Also macht sich seine Oma zur Aufgabe, ihn zu trainieren – mit Erfolg! Der Enkel macht Jahre später tatsächlich bei der Tour de France mit. Doch mitten während eines schwierigen Anstieges auf den Mont Ventoux wird ihr Enkel entführt. Aber die Entführer haben die Rechnung nicht mit der rüstigen alten Dame gemacht.




Meinung:
Es ist grau, dunkel, die Scheinwerfer sind auf einen roten Teppich gerichtet, auf dem ein paar schwergewichtige Damen stampfend und mit grimmigen Gesichtsausdrücken ihre Göttergatten hinwegschleifen. Schnitt, irgendeine Revue im Stil der zwanziger Jahre, drei Sängerinnen, die Triplettes, singen einen lässigen Song zu Swing-Tönen, die Band spielt mit Händen und Füßen. Eine schwarze Tänzerin tanzt nackt auf der Bühne, Affen prügeln sich, Schuhe mit Zähnen fressen den Moderator auf. Eine sehr skurrile Situation, die wir hier erleben. Skurril, merkwürdig, ein wenig abschreckend, aber er macht auch neugierig. Was hat das alles mit Radsport zu tun? Nichts! Gar nichts! Es war nur ein Film, aber mit diesen Eindrücken werden wir in die Handlung um Madame Souza und ihren Enkel Champion entlassen. In eine Geschichte, die eine sportliche Aufsteigergeschichte mit einem zum Ende hin actiongeladenen Kriminalfall verbindet und nicht mit Kritik und Humor geizt.


Der Wahnsinn der Tour de France - und des Leistungssports
Hier wird nun in überwiegend warmen Farben und mit einem sehr interessanten Stil ein Zeichentrickfilm aufgezogen, der Spannung, Komik und Tragik hervorragend vereint. Die Figuren sind so überzeichnet, wie man es selten gesehen hat. Aber das macht es ja gerade aus. Skurril und schrullig ist noch total untertrieben. Es kann für manche sicher einfach zu viel sein, aber gerade hier liegt ja die Stärke. Satire, die durch ihre extremste Überzeichnung so bissig ist, dass sie eigentlich alles und jeden treffen müsste. Verdammt lustig, bitterschwarz und ultrakritisch. Der Zeichenstil ist, wie bereits angedeutet, für einen Spielfilm sehr ungewöhnlich. Ein Stil, wie er sonst oft höchstens in Kurzfilmen zu finden ist. Teilweise wirkt der Film wie ein Aquarell, teilweise wie ein durch eine alte Farbfotographie in Zeichentrick. Er ist anders als die Zeichentrickfilme, die man sonst so kennt. Was ebenfalls eher Kurzfilmlike ist, das sind die Dialoge – die sind nämlich fast an einer Hand abzuzählen. Der Film wirkt vielmehr wie ein Stummfilm, der durch seine außerordentlich starke Bildsprache und die fantastische, sehr abwechslungsreiche Musik eine fesselnde Sogwirkung entfacht.


Auch die Ernährung war schon mal besser.
Dazu übt der Film, wie gesagt, Kritik. Kritik an der Leistungsgesellschaft, in der man immer intensiver und mit allen Mitteln zum Erfolg gedrängt wird. Welche Qual es für die Sportler sein kann, das ganze Leben nur dafür auszurichten. Hunger, Training, Schmerzen. Aber genauso, was die Familie alles Opfern muss. Auch sie kümmern sich nur um ihren Sprössling, in der Hoffnung, dass er irgendwann mal zum Champion wird, wie der Name des Jungen schon früh hoffen ließ. Und er stellt die wichtige Frage, wo im Leistungssport, in diesem Affenzirkus, der Mensch bleibt? Zwischen Konzernen und Erfolg zählt der nämlich nichts mehr, er ist eine Ware, mit der man machen kann, was man will. Mit dem Menschen wird gehandelt. Er wird so lange gefördert, wie er erfolgreich ist und wenn er seine Leistung nicht mehr bringen kann, dann wird er fallen gelassen, dann ist er egal und wird vergessen. Regisseur Sylvain Chomet zeigt dies am Beispiel der Tour de France, aber er könnte genauso gut den Fußball oder jede andere Profisportart hernehmen. Ach, nicht mal nur Sport, es gilt für alle Bereiche. Auch für die netten, singenden Damen vom Anfang. Was nicht mehr zieht, das lässt man links liegen.


Manche Bilder sprechen für sich...
Es ist aber nicht nur der Sport, er übt auch ganz generelle Gesellschaftskritik und lässt eigentlich nichts weg. Von welchem Land? Nun, natürlich in erster Linie Frankreich, auch die USA, aber eigentlich kann es hier für viele der „großen“ Nationen gelten. Es gibt unterwürfige Schleimer, großkotzige Machtmenschen, verrückte Außenseiter und viele mehr. Der Film versteht es, durch ihre übertriebene Darstellung die Idiotie ihres Verhaltens, egal was sie nun letztlich tun, zu entlarven. Er kritisiert die Luxusgesellschaft, er kritisiert die Ernährung, er kritisiert Ausbeutung und Zwang, er kritisiere (zwar sehr indirekt) die Unfähigkeit vieler Behörden. Er kritisiert nahezu alles und jeden und macht vor nichts Halt. Dennoch wirkt der Film niemals wie ein erhobener Zeigefinger, sondern ist sogar noch sehr unterhaltsam, was eben am eigenen Humor und an der tollen Musik liegt.


„Das große Rennen von Belleville“ ist ein enorm empfehlenswerter Film, nicht nur für Freunde von Zeichentrickfilmen. Natürlich sollte man sich auf alles gefasst machen, auf riesige Übertreibungen, auf grenzwertigen Humor, auch auf die ein oder andere nervige Szene. Aber als Gesamtkunstwerk ist der Film ein Hochgenuss, der irgendwo zwischen Surrealismus, Aquarell-Gemälde, Gesellschaftskritik, Musikfilm, Komödie, Thriller und einer sehr eigenen Familiengeschichte wandelt.


8,5 von 10 Bomben im Froschteich

Review: DIE DSCHUNGELOLYMPIADE – Ein Kinderfilm für sportbegeisterte jeden Alters

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Fakten:
Die Dschungelolympiade (Animalympics)
USA. 1979. Regie: Steven Lisberger. Buch: Roger Allers, Michael Fremer, Steven Lisberger, John Norton. Mit: (Originalsprecher:) Billy Crystal, Michael Fremer, Gilda Radner, Harry Shearer u.a. Länge: 75 Minuten. FSK: ohne Altersbeschränkung freigegeben. Auf DVD erhältlich.


Story:
Nicht nur die Menschen, auch die Tiere auf der ganzen Welt feiern die Olympischen Spiele. In einer TV-Übertragung werden dem Zuschauer die verschiedenen Sportarten und ihre Protagonisten durch Moderatoren und Experten näher gebracht. Dabei werden in den nur wenige Minuten dauernden Beiträgen romantische, spannende, dramatische oder einfach nur schöne Geschichten erzählt.




Meinung:
Achja, das sind wunderbare Erinnerungen. Was habe ich diesen Film geliebt. Und wie liebe ich diesen Film noch immer. „Die Dschungelolympiade“ ist im Stil einer Liveübertragung eines Großereignisses wie den Olympischen Spielen aufgezogen. Moderatoren, Kommentatoren und Experten berichten von den diversen Wettkämpfen, analysieren und führen den Zuschauer durch die Sportarten, geben Informationen und bringen einem die Sportler näher. Im Studio verbindet die Schildkröte Johnny Turtle die einzelnen Beiträge und begleitet uns durch die Live-Sendung. Das Besondere? Die Sportler, die Veranstalter, die TV-Leute, sie alle sind die unterschiedlichsten Tiere, die hier wie Menschen reden und handeln können und die mit ihren jeweiligen Eigenschaften, Stärken und Schwächen in die diversen Sportarten verortet werden.



„Die Dschungelolympiade“ ist ein liebevoll gezeichneter Trickfilm aus den späten Siebzigern. Er hat wunderbaren Humor, der Slapstick, Wortwitz und herrliche überdrehte und skurrile Figuren vereint. Manchmal werden auch tiefschwarze Sprüche rausgehauen, die in einem Kinderfilm zumindest ungewöhnlich sind. Besonderen Spaß machen die Namen der Tiere. Manchmal sind es einfach witzige Namen wir Jim Panse, Bernhard Diener oder Kurt Wuffner, aber manche, wie der Delfin Mark Spritz oder der Fußballexperte Melé, sind deutliche Anspielungen auf echte Sportlegenden. Dazu vertreten die Tiere in ihren Sportarten auch immer Nationen, die auch in der Realität zu dieser Zeit großartige Sportler hatten. Beim rasanten Motorsprint ist zum Beispiel ein österreichisch anmutender Hase dabei, der Niki Lauda repräsentieren könnte, beim Schwimmen werden die traditionell starken Amerikaner durch den Sunnyboy Dean Wilson repräsentiert.


Die Figuren, die Tiere im Film, sie sind mehr als nur Unterhaltungsobjekte. Sie zeigen Personentypen, die es auch in der Realität gibt, sie spielen auf unterschiedliche politische Systeme im kalten Krieg an, zeigen auch unterschiedliche Fördermöglichkeiten im Rahmen des Sports, wenn zum Beispiel die eurasische Turnerin Tatjana Tushenko in ihrem Heimatland von frühester Jugend an zu Disziplin und Ordnung gedrillt wurde. Es gibt Anspielungen auf Doping, auf PR und Marketing, es gibt die Rocky-Story, in der das Krokodil Bolt Jenkins, diesmal allerdings nicht im Boxen, sondern in der Leichtathletik, zum Superstar wird. Es wird gezeigt, dass Gewinnen nicht alles ist, dass es auch wichtigere Dinge gibt als nur Sport, Leistung und Sieg. Dazu gesellen sich wunderbare kleine Anspielungen wie eine Entwicklung der Sportschuhe durch die verschiedenen Zeitalter oder auf verschiedene Figuren aus Literatur und Film. Die Comtessa, eine fechtende Henne, erinnert zum Beispiel an eine Mischung aus Robin Hood, Zorro und Peter Pan.


Was ich damit sagen will? Der Film macht sich intensive Gedanken und sprüht vor kreativen und intelligenten Einfällen. Das macht den Film zu einem Fest für Sportfans, aber auch für alle, die sich an Kreativität und Fantasie erfreuen können. Und das müssen nicht nur Kinder sein.


Barbara Wuschig, Moderatorin des Marathonevents
Weiterhin ist sehr viel Musik im Film vorhanden. Mal Discosound, mal ein Popsong, dann wieder eine traurige, kleine Ballade. Wunderbare verschiedene Stile, emotional bis witzig – und dazu immer diese schönen Bilder der Tiere, die unabhängig ihrer Rasse, ihrer Herkunft, ihrer natürlichen Fressfeinde gemeinsam Sport treiben. Der olympische Gedanke wie er sein soll. Wie er eigentlich auch in der Gesellschaft vorhanden sein sollte. Die einen sind nicht wichtiger als die anderen, dabei sein ist alles, auch, wenn dabei nicht ein gewisser Realismus vergessen wird, der sagt, dass es viele eben auch nur aufs Siegen abgesehen haben. Aber generell ist die Message, dass es egal ist, wo wir herkommen, ob wir gewinnen. Wir sind alle wichtig, wir haben alle Rechte. Wir können alle gemeinsam in Frieden leben. Und so wird der Sport zu einer Metapher, die sogar Kinder verstehen können. Leider muss man auch heute noch diese Themen immer wieder in den Fokus rücken, weil es so viele Menschen noch nicht verstanden haben. Wenn ich an die Gesetze gegen Homosexuelle in Russland denke. Das macht mich traurig.


Genau so müssen Trickfilme für Kinder und alle Junggebliebenen sein. Jeder kann sich seine Elemente rausziehen. Natürlich, eine Affinität für Sport kann nicht schaden, aber kindgerecht werden wichtige Themen angesprochen und verschiedene Personengruppen kritisch hinterfragt, auch wenn die kleineren Kinder das noch nicht so ganz verstehen mögen. Klar, deswegen gibt es hier ein recht deutliches schwarz-weiß-Schema. Die unfairen Tiere, die Sportler ohne Moral und Ehre, die gehen letztlich auch immer leer aus. Die Betrüger gewinnen nicht. Das mag wie gesagt zu idealistisch sein, aber ich denke, da dieser Film primär für Kinder gemacht wurde, ist das durchaus in Ordnung. Ein wunderbarer Film, den ich bereits als Kind auf der knallgelben Videokassette verschlungen habe, der mir Spaß macht, seit ich ihn damals in unserem Garten in einem Osternest gefunden habe. Ein Film, der mir auch heute noch Spaß macht, der mich immer wieder nostalgisch werden lässt. Und ein Film, den ich einmal meinen Kindern und Enkeln zeigen werde. Und darum, auch wenn ich mir im Klaren bin, dass es vielen auch nicht so gehen wird, kann es nur eine Wertung hierfür geben.


10 von 10 Bobfahrende Kalamaris