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Review: MEIN NACHBAR TOTORO – Ein Freund fürs Leben

1 Kommentar:


Fakten:
Mein Nachbar Totoro
Japan, 1988. Regie und Buch: Hayao Miyazaki. Orig. Stimmen von Noriko Hidaka, Hitoshi Takagi, Chika Sakamoto u.a. Dt. Stimmen von Gerhard Hilka, Maresa Sedlmeir, Pauline Rümmelein u.a. Länge: 86 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersfreigabe. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Eines Tages spielt die kleine Mei im Hof und entdeckt ein winziges Wesen mit einem Sack, das Eicheln sammelt. Sie folgt ihm in den Wald und klettert durch das Gestrüpp. Plötzlich wird sie in ein Loch im Stamm eines riesigen Baumes gezogen. Am Ende des Loches trifft sie auf den fest schlafenden Totoro, eine riesige fellige Kreatur, die fast so groß wie ein kleines Haus ist.





Meinung:
Wir Menschen sind von Grund auf schlecht. Dass man sich dieser pessimistischen Theorie nicht zwangsläufig anschließen muss, versteht sich von selbst, doch es benötigt dieser Tage schon eine handfeste Argumentationskette, um wirklich vom Gegenteil überzeugen zu können – Oder man führt sich einfach „Mein Nachbar Totoro“ (dem man in diesem Kontext auch mühelos eine missionarische Bedeutung zusprechen kann) zu Gemüte, der uns daran gemahnt, wie schön das Leben doch sein kann und wie ein gesundes Miteinander aussehen sollte. Regisseur Hayao Miyazaki jedenfalls schreitet im zweiten Spielfilm des Studio Ghibli mit einer beeindruckenden Vehemenz zu Werke und bringt dem Zuschauer eine Sache unaufhörlich entgegen: Liebe, Liebe und noch mehr Liebe. Da könnten natürlich nun vielerorts die Alarmglocken ringen und der Gedanken aufkeimen, dass „Mein Nachbar Totoro“ in bloßer Schönseherei versinkt, den Blick auf die Dinge also nach allen Regeln der Manipulationskunst verzerrt und solange Zuckerguss serviert, bis einem die Sinne vollkommen verklebt sind.


 
Entspannung mit Plüschtieren
„Mein Nachbar Totoro“ aber möchte den Zuschauer in seiner Gutherzigkeit nicht mürbe machen, sondern verbleibt in seiner (re-)präsentativen Realitätsillustration auch immer im Hier und Jetzt haften. Satsuki und Mei ziehen mit ihrem Vater Kusakabe, einem Professor, auf das Land nach Matsuo, um der schwerkranken, seit langer Zeit im Krankenhaus verharrenden Mutter ein Stück weit näher zu kommen. Es ist allein schon eine Meisterleistung, wie sauber es Miyazaki gelingt, den Zuschauer geradewegs in die detaillierten Naturimpressionen der provinziellen Gegend zu ziehen und ihn somit auch direkt in die Rolle der beiden Mädchen führt: Wir wollen entdecken, was sich hier im satten Grün abspielt, möchten dem Knistern und Rascheln im Gebüsch nachspüren und womöglich ebenfalls einen Pfad durch das Unterholz bahnen, der als Eingangspforte in das phantastische Paralleluniversum führt, in dem es nicht nur die quirligen Rußbolde zu sehen gibt, sondern auch Waldgeister und überdimensionale Katzen, die sich als klammheimliches Verkehrsmittel definieren.


Das spaßige Leben auf dem Land
Selbstverständlich floriert in „Mein Nachbar Totoro“ eine unumstößliche Lust am Fabulieren; was hier an Kreativität aufgetragen wird, versetzt in rigoroses Entzücken. Darüber hinaus aber erzählt Miyazaki auch über schwerwiegende Themen wie Einsamkeit im Kindesalter und den (möglichen) Zerfall einer innerfamiliären Ordnung. Dass Satsukis und Meis Mutter an einer Krankheit leidet, deren Verlauf sich nicht positiv auswirken kann, verschleiert „Mein Nachbar Totoro“ zu keiner Sekunde: Immer wieder spiegelt es sich in den Kulleraugen der Kinder, die Sehnsucht, das Unverständnis, die Angst. Und genau diese Aspekte gehören zwangsläufig dazu, um ein kompaktes Bild vom Leben zu entwerfen, welches sich letzten Endes auch als „wahrhaftig“ einstufen lässt: Der Vorstoß in euphorische Gefühlslagen, aber auch das Gegenteil, die Schwere und Leere des menschlichen Daseins. In „Mein Nachbar Totoro“ aber obsiegt die unerschöpfliche Herzensgüte, ein gar unumstößlicher Glaube an das Gute und der verzaubernde Appell an die Kraft der Phantasie, die ebenfalls in der Funktion der Seelenheilung auftritt.


Mit reichlich sinnstiftender Cleverness geht „Mein Nachbar Totoro“ dahingehend vor, die vielfältige Naturmystik mit der japanischen Kultur zu verknüpfen und daraus einen einheitlich-mythologischen Körper zu formen. Es ist daher auch vollkommen richtig, dass all die Autoritätspersonen in „Mein Nachbar Totoro“ die Kinder nicht davon abhalten, an die kleineren und größeren Fabelwesen und Geister zu glauben, sondern sie vielmehr darin bekräftigen, eine Akzeptanz aufzubauen, dass es einfach absonderliche Wesen und Geschöpfe im verzweigten Dickicht und dem Dunkel der Nacht zu entdecken gibt, die man sonst nur in Folklore und Büchern zu Gesicht bekommt. Wer „Mein Nachbar Totoro“ nicht als Labsal für die Seele sieht, der kann einem wahrlich leidtun, so viel entwaffnende Magie wie diese besinnliche Ode an die Kindheit, den inhärenten Entdeckungsdrang und die allgemeine Annahme von Unmöglichem extrahiert. In seiner Wärme und seinem Wohlwollen ist und bleibt „Mein Nachbar Totoro“ immer noch ein Film, der das Herz noch lange Zeit nach dem Abspann wie verliebt pochen lässt.


8 von 10 verrußten Fußsohlen


von souli

Review: TOKYO TRIBE - What the fuck Sono Sion?!

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Fakten:
Tokyo Tribe
JP. 2014. Regie: Sono Sion. Buch: Sono Sion, Santa Inoue (Vorlage). Mit: Tomoko Karina, Akihiro Kitamura, Ryohei Suzuki, Shota Sometani, Kokone Sasaki, Hitomi Katayama, Yosuke Kubozuka, Haruna Yabuki, Riki Takeuchi, ua. Länge: 118 Minuten. FSK: noch nicht bekannt. Ab dem 16. Juli 2015 im Kino.


Story:
Die Polizei hat nichts zu melden in dieser Version von Tokyo, stattdessen haben die Klans absolutes Herrschaftsrecht in ihren eigenen Bezirken. Das funktioniert auch ganz gut, bis irgendjemand machtgierig wird und einen Krieg zwischen den Klans entfacht.





Meinung:
Schon mal einen Film vom Japaner Sono Sion gesehen? Wenn nicht, dann ist es sehr schwierig, den richtigen Eindruck von „Tokyo Tribe“ entstehen zu lassen. Seine letzten beiden Filme, „Why Don’t You Play in Hell?“ und eben dieser hier, zeichnen sich durch offenbar durch das Missachten jeglicher Regeln und Grenzen aus. Regeln und Grenzen des Filmemachens und menschlichen Verstandes gleichermaßen. Für Sonos Arbeit lassen sich schlicht und ergreifend keine Vergleiche heranziehen, die einem eine ungefähre Vorstellung erleichtern. Es handelt sich hier um einen Film, der schwierig zu sehen, schwierig zu bewerten und kommentieren, aber auch schwierig zu hassen ist. Ein Versuch der Erklärung und Würdigung.


Aufnahme fürs Bewerbungsvideo an James Franco
War „Why Don’t You Play in Hell?“ noch eine Reminiszenz an den Beruf, die große Liebe und den Lebensinhalt von Sono Sion, den Film nämlich, handelt es sich hier nun um eine Zelebrierung der Liebe an die Musik, speziell das Rap-Genre. Als „das größte Rap-Battle der Welt“ beschrieb der Regisseur seinen Film und damit wird er absolut Recht haben. Das Rap-Battle erstreckt sich nämlich über die volle Laufzeit von zwei Stunden und wechselt beliebig Akteure, Handlungsort und -Zeit und macht generell das, was es auch immer vorhat. Die einführenden Minuten lassen dabei nur erahnen, was hier später alles noch abgerissen wird. Etabliert der Regisseur zu Beginn das fiktive Tokyo, in dem sich die Geschichte abspielen wird, werden dem Zuschauer Schlagworte wie Einsamkeit, Armut und Kriminalität an den Kopf geworfen. Ein Vergleich zur Stadt Sin City ist da nicht Fehl am Platze. Nur ein wenig abgefahrener und lauter. Musik gibt es nämlich über die gesamte Laufzeit, von der ersten viereinhalbminütigen Plansequenz bis zum bombastischen finalen Kampf. Dieser scheint keinen wirklichen Anfang zu haben, alles läuft irgendwie ineinander über und ergibt, nach einer zehnminütigen Exposition einen wilden Mix, ein abgefahrenes Etwas von Film in drei Akten.


Nicolas Cage in "Face/Off" war sein Vorbild
Der Plot kann dennoch, gelinde gesagt, einem jeden Zuschauer gepflegt am Gesäß vorbeigehen. Der geht über den obigen Umriss nämlich nicht hinaus. Es gibt Klans, die kriegen sich in die Haare. Das war’s. Der Rest ist eine Chaos-Party, ein Wort, das jetzt einfach mal für dieses Werk erfunden wurde. Doch, doch, Sono bleibt sich seiner Arbeit aus „Why Don’t You Play in Hell?“ treu. Der Absurdität, dem Exzess, dem Humor. War es im Genannten vor allem die Ausgangssituation, die schon wahnwitzig war, ist es hier alles andere, woran man denken und nicht denken mag. Einfach alles. Der Humor ist mal unterschwellig, wenn eine Domina mit der Peitsche knallt und die Kamera ein wenig zuckt, ganz so, als hätte sich der Kameramann erschrocken. Dann aber, und zwar für die überwältigende Mehrheit, ist der Humor so exzessiv auf die Zwölf, dass man sich davor gar nicht retten kann, es sei denn, man schließt die Augen. Und das wird manchmal ganz gut tun, sonst könnte man Gefahr einer Reizüberflutung laufen. Alles ist flamboyant, grell, überreizt, anstrengend, erheiternd und einfach nur vier Nummern zu viel. Es ist wahrlich faszinierend. 


Woop that Shit, Biatches! DJ Demenzia is indahouse!
Und da wurde ja noch kein Wort über die Kulissen verloren. Die sind nämlich der eigentliche Star des Films. Das Set ließ Sono von Studenten errichten und ließ ihnen offensichtlich weitestgehend  freie Hand. Das Ergebnis ist einmalig, abgefahren, nimmt Popkultur ebenso auf’s Korn wie es sie ehrt. Man stelle sich eine Mischung aus dem Fleisch-Fest in Steven Spielbergs „A.I.“, einem Jahrmarkt, einem Problembezirk einer beliebigen Stadt und den Strand-Sets von Baz Luhrmanns Version von „Romeo und Julia“ vor. Dann kommt man vielleicht im Entferntesten gedanklich an die Optik, die sich einem hier offenbart. Durch diese Kulissen lässt Sono dann eine Menschengruppe nach der nächsten tanzen, jagen, rennen und kämpfen. Die Hommagen an Musicals jedweder Art sind da natürlich nicht weit. Den Anfang bildet da noch ganz subtil (Spaß) eine Menschenmenge, die mit Schirmen im Regen tanzt und singt. Die andere berühmte Version von „Singin’ in the Rain“ von Alex DeLarge bekommt auch ihren Platz, wenn wir später urplötzlich in einer Korova Milchbar sind. Wer solche Referenzen und diese japanische „Ich setz noch einen drauf“-Art mag, der wird sich hier sicherlich im Himmel wähnen. Der Film löst jedenfalls jedes Versprechen ein, das er machen konnte und der Name Sono Sion ankündigt.


Als Filmkritiker hat man gewisser Weise die Pflicht, auf die technischen und inhaltlichen Komponenten des Filmes gleichermaßen zu achten und dann ein aus den Einzelteilen ein großes Ganzes zu basteln. Das macht es so schwierig, diesen Film einzuordnen; er funktioniert nämlich nur, wenn man die Birne ausmacht, sich nicht auf jedweden weltbewegenden Inhalt versteift, sondern sich von Sono einfach mal gehörig die Visage polieren lässt. Bei diesem Film gibt es nichts zum Erfassen oder Verstehen, nur etwas zum Erleben. Sono erzählt die Geschichte des Raps, nicht historisch, sondern emotional gesehen. Er macht sich lustig über die sexualisiert, chauvinistische und oberflächliche Form der Musik (jedoch nicht, ohne liebevoll zu sein) und verehrt das kraftvolle Wesen des Genres. „Tokyo Tribe“ ist ein Film, der sich so klar und deutlich „Ich mach jetzt, was ich will“ auf die Stirn gestempelt hat, dass er einerseits faszinierend und sympathisch ist, andererseits den Zuschauer zu Zeiten auch etwas zu vergessen scheint, in seinem ungebremsten Exzess. Am Ende bleiben Ungläubigkeit, hochgezogene Mundwinkel, Verwirrung, Freude und vor allem die Wahrheit, dass Gewalt keine Lösung ist. Musik aber schon.


6 von 10 Typen mit Stahlpenissen


von Smooli

Review: DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA - Poetisches Wiederkäuen

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Fakten:
Die Legende von Prinzessin Kaguya (Kaguya-hime no Monogatari)
Japan. 2013. Regie: Isao Takahata. Buch: Riko Sakaguchi, Isao Takahata. Orig. Sprecher: Aki Asakura, Kengo Kora, Takeo Chil, Nobuko Miyamotot u.a. Dt. Sprecher: Sarah Alles, Nico Sablik, Denise Gorzelanny, Uli Krohm u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Als diese das kleine Wesen berührt, verwandelt es sich in ein Baby und das kinderlose Paar nimmt sich ihrer an. Bald findet der Bambussammler im Wald auch Gold und Edelstoffe und glaubt zu erkennen, dass die Götter eine große Zukunft für die Bambusprinzessin wünschen. Schnell wächst Kaguya zu einem jungen Mädchen heran, das wegen seiner Schönheit von Verehrern so umschwärmt wird, dass ihr gleich fünf Männer aus reichen Verhältnissen Anträge machen. Kaguya aber verlangt ungewöhnliche Hochzeitsgeschenke, die ihr erst gebracht werden müssen. Alle fünf Prinzen scheitern an dieser Aufgabe. Dann macht ihr der Herrscher von Japan einen Heiratsantrag…





Meinung:
Nostalgie, Heimat, Heimweh, Fernweh, Erwachsenwerden, Anpassung an geänderte Umstände, die daraus folgende individuelle Willensstärke sowie die Erhaltung des unerklärlichen Zaubers der alles umfassenden Natur: universelle, essenziell menschliche Themen und besonders im Werk des Studio Ghibli von außerordentlichem Stellenwert. Bei dieser, einer ihrer leider wohl letzten echten Produktionen in jenem Sinne, werden genannte Werte mit gewissenhafter Souveränität erneut zu einem herzlichen Märchen zusammengefasst, das schnörkellos und schwelgerisch in japanischer Folklore verwurzelt ist, wie unter anderem auch bereits 'Pom Poko' aus dem Jahre 1993, ebenso von Regisseur Isao Takahata.
 

Kaguya entdeckt die Welt
Wo dort die alteingesessenen Geheimnisse des Waldes sich selbst zu beschützen versuchen, während der Fortschritt seine Bahnen zieht, wird die titelgebende, aus Bambus geborene Prinzessin Kaguya in eine ländliche Familie geführt, die ihrem Adoptivkind aufgrund ihrer Herkunft eine höhere Bestimmung voraussehen und sie deshalb in ihrer (schneller als bei den anderen Kindern heranwachsenden) Adoleszenz in adlige Kreise einführen wollen, obwohl diese lieber erdgebunden bei ihren Freunden und dem Leben auf dem Land verbleiben möchte. Der lebhafte und liebevoll eigenständige Animationsstil lässt da auch für den Zuschauer Fantastisches und Warmes aufblühen, getragen von einer malerisch-naturalistischen Poesie der ländlichen Sympathie und Entdeckungslust. Die neuen Verhältnisse bringen deshalb schwierige Einschränkungen und Zweifel mit sich, folglich innere und äußere Flucht bei stürmischem Frust und Seele würgender Melancholie hinsichtlich der Bitterkeit des anstehenden Verlusts. Doch die Anpassung lässt sich nicht vermeiden - solange immerhin die Erinnerungen bleiben, kann man's schon aushalten, auch weil man es den Eltern recht machen will.


Kaguya und ein alter Kinderfreund
Die Pflichten des Daseins als Prinzessin rufen allerdings auch oberflächliche, groß tönende Verehrer auf den Plan, gegenüber denen Traditionen erfüllt werden müssen.  Kaguya jedoch wehrt sich verschmitzt dagegen, macht es keinem einfach, erfordert ehrliche Zeichen der Zuneigung, während sie gleichzeitig weiterhin die Nähe zur Vergangenheit sucht, darin mit ihren Flügeln der Freiheit wieder aufgehen will.
Inwiefern dieser Wunsch erfüllt werden kann oder erneut von der Gegenwart eingeholt und entsagt wird, stellt sodann den emotionalen Kern in einem Film dar, der als Interpretation einer urtümlichen Sage und zudem im bewährten Rahmen seiner Produktionsfirma leider oftmals recht durchschaubar verläuft, in seiner Einfachheit zwar eine angenehme Unaufgeregtheit und beständige Charakternähe beherrscht, in seiner impressionistischen Stilsicherheit jedoch so sicher bleibt, dass er unweigerlich eher konventionelle Pfade betritt. Das alles besitzt sodann seine gewissen Längen des erwartbaren (wenn auch zurückgenommenen) Erzählens, lohnt im Endeffekt aber für Motivation und Aufbau des starken dritten Aktes, welcher der Fantasie dieser Legende endlich bittersüßen Freiraum jenseits des Traditionellen schenkt.


Man merkt jedoch, dass die Moral von der Geschicht' und ihre narrativen wie thematischen Methodiken kein Neuland für Studio Ghibli präsentieren, in ihrer Variation der Animation allerdings noch einmal eine einvernehmende Plattform der Herzensgüte und menschlichen Sehnsucht zur Magie der unsterblichen Seele verpasst bekommen haben, ehe das Einschleichen einer festen Formelhaftigkeit vollends in die schon lange Geschichte des Studios eintreten musste. Womöglich bleibt da ein ebenso schwieriger Abschied zwischen der Freude des Erlebten und der Verzweiflung des Wiederauflebens übrig, wie am Ende dieses Films, aber irgendwie muss es ja trotzdem weitergehen. Solange die Erinnerungen bleiben...


7 von 10 Erinnerungen an den Mond


vom Witte

Review: CITY HUNTER - Leidenschaftlicher Quatsch

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Fakten:
City Hunter (Sing si lip yan)
Hongkong, Japan. 1993. Regie und Buch: Wong Jing. Mit: Jackie Chan, Joey Wong, Richard Norton, Gary Daniels, Chingmy Yau Lynne Langdon, Jan Lamb, Eric Kot, Carol Wan u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD erhältlich.


Story:
Privatdetektiv Ryo ist der beste seines Fachs. Der passionierte Chaot und Frauenheld ist dabei vor allem unter seinem Spitznamen City Hunter bekannt. Als er die vermisste Tochter eines reichen Verlegers sucht, findet er diese an Bord eines Luxus-Kreuzfahrtschiffes. Als dort plötzlich Terroristen einfallen und die Passagiere und Crew als Geiseln nehmen, muss der City Hunter die Angelegenheit regeln.




Meinung:
Jackie Chan versuchte, bevor er mit „Rumble in the Bronx“ oder „Mr. Nice Guy“ auch den amerikanischen Filmmarkt umgarnte, mit der Verfilmung des „City Hunter“-Manga auch Japan zu erobern. Dabei verlässt sich Chan und Regisseur Wong Jing ganz auf die klassische Erfolgsformel, die Action und Klamauk zusammenfügt und so werden bei „City Hunter“ vor allem Fans von unbeschwerter, akrobatischer Action im typischen Jackie-Chan-Stil bestens bedient.


Ryo, alias City Hunter, weiß wie man protzt
Nimmt man „City Hunter“ auseinander, erkennt man die einzelnen Versatzstücke, die Wong Jing und sein Star Chan hier verwenden. Neben Unmengen von Albernheiten, einer komödiantischen Schnüffler-Geschichte, gibt es nach guter der Hälfte der Laufzeit auch noch einen „Die Hard“-ähnlichen Plot. Dieser erweist sich anfänglich als inhomogenes Konträrstück zum Rest des Films, denn dieser Abschnitt des Films, versucht anfänglich einen etwas ernsteren Ton zu treffen. Ein Unterfangen welches scheitert und so ist es sehr gut, dass die Macher recht schnell wieder auf Nummer sicher gehen und Jackie Chan gegen die Bedrohung blödeln lassen. Dabei kommt, wie sie oft bei Chan, sein komödiantischer Umgang Martial Arts zu nutzen, zu Gute. In perfekt choreographierten Scharmützeln dreht und windet er sich durch die Gegner und präsentiert sich dabei nicht unbedingt als Kämpfer, sondern vielmehr als Clown. Jackie Chan ist eben Fan der körperbetonten Komik eines Buster Keatons, was hier wieder mehr als nur deutlich wird. Aber während Keaton mit versteinerter Miene das Publikum zum Lachen brachte, versucht sich Chan als wahres Gummigesicht, mit Hang zu teils absurden Überspitzungen. Das geht sogar so weit, dass er sich in größeren Kämpfen sogar in Videospielfiguren verwandelt („Street Fighter 2“-Fans werden hier umschmeichelt) und in einer wunderbaren Hommage, sogar Hilfe von Bruce Lee erhält. Das Ganze ist fern von einer wirklich durchgängigen Konzeption, wirkt weitestgehend wirr und ermüdet sich oft in grenzenlos changierenden Albernheiten, aber dies tut er in frohsinniger Perfektion. Da ist es schon seltsam, dass neben der Titelfigur, sich noch ein anderer Held auf dem Luxus-Dämpfer aufhält, der nicht viel von Witzeleien hält und so zwanghaft auf heroisch geformt wird, dass er wie ein echter Fremdkörper wirkt und den Film mehr ausbremst, als ihn zu bereichern.


„City Hunter“ ist unbeschwert, wenig clever, aber in seiner ganzen Banalität auch sehr liebenswert. Es ist zwar schon recht grob, wie hier, wie so oft in asiatischen Produktionen, der kaukasische Schurke als gängiges Bild zelebriert wird, einen ärgerlichen Eindruck erweckt Wong Jings Film dadurch aber nicht. Es unterstreicht eher den Nonsens-Charakter seiner Manga-Verfilmung, der zu seinem deutschen Videostart erst ab 18 Jahren freigegeben war, nun aber ungekürzt und FSK12-Wertung hat, die deutlich besser zu ihm passt. Denn trotz einer großen Menge von Actionszenen, ist „City Hunter“ doch weit davon entfernt ein explosives Spektakel zu sein. Mehr ist er wie eine Zirkusshow, in der die Clowns im Fokus stehen und der Star ist Jackie Chan, der in der Rolle des wehrhaften dummen August wunderbar aufgeht. „City Hunter“ ist ganz großer Quatsch, aber das mit Leidenschaft.


7 von 10 leeren Mägen