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Review: DON'T BREATHE – In´s falsche Haus eingebrochen

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Fakten:
Don't Breathe
US, 2016. Regie: Fede Alvarez. Buch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues. Mit: Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Stephen Lang, Emma Bercovici, Sergej Onopko u.a. Länge: 89 Minuten. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. Im Kino.


Story:
Um über die Runden zu kommen, begehen die drei Teenager Money, Alex und Rocky Einbrüche, um die erbeuteten Güter weiterzuverkaufen. Ihr nächstes Ziel ist dabei besonders vielversprechend. Ein alter, blinder Armee-Veteran, der mit einer üppigen Abfindung alleine in einem Haus lebt, soll dem Trio endgültig die nötige Summe beschaffen, um die heruntergekommene Gegend Detroits, in der sie leben, für immer hinter sich zu lassen. Der geplante Raubzug läuft allerdings alles andere als glatt, denn der blinde Mann weiß sich durchaus zu wehren...




Meinung:
Fede Alvarez ist wie ein Komet in die Filmlandschaft eingeschlagen. Als bekannt wurde, dass der Regisseur nach einigen zuvor gedrehten Kurzfilmen ein Remake von Sam Raimis kultisch gefeierten "Evil Dead" drehen wird, stand vielen Fans des Originals weißer Schaum vor dem Mund. Zu groß waren die Bedenken, dass einem wieder einmal eine überflüssige, weichgespülte PG13-Variante eines unglaublich rohen, wilden Debüt-Klassikers vorgesetzt werden würde. Doch Alvarez zog schließlich so gut wie jeden Skeptiker auf seine Seite, denn sein "Evil Dead" aus dem Jahr 2013 war eine ungeschönte, ebenfalls äußerst blutige sowie makabere Neuinterpretation von Raimis Vorlage, welche die Grenzen des multiplexfreundlichen Mainstream-Horrors erbarmungslos austeste und dabei inhaltlich auch noch eigene Akzente gegenüber dem Original setzte.


Die drei hätten sich lieber mal ein anderes Haus ausgesucht
Mit seinem nun nachfolgenden Werk "Don't Breathe" nutzt Alvarez seine Vorschusslorbeeren nicht etwa, um sich in sämtlichen Bereichen noch zu steigern, sondern inszeniert einen wunderbar reduzierten Thriller, in dem sich die Spannung teilweise so unerträglich zuspitzt, dass der Titel dem Film alle Ehre macht. Nur noch dieser letzte Einbruch, und die drei Protagonisten des Films wären der Freiheit so nahe wie nie. Money, Alex und Rocky sind drei Teenager, die aus eher ärmlicheren Verhältnissen stammen und im mittlerweile fast schon gespenstisch wirkenden Detroit leben. Um sich den Alltag zu finanzieren, brechen sie in Häuser ein und verkaufen das erbeutete Diebesgut gegen Bargeld. Einfach nur über die Runden zu kommen reicht Rocky aber nicht mehr. Mit ihrer kleinen Schwester will sie nach Kalifornien fliehen, denn zuhause erwartet die Geschwister nur eine verantwortungslose Mutter, die auf der Couch liegt und neue Liebhaber anschleppt. Als das Trio erfährt, dass ein alter, blinder Armee-Veteran nach dem Unfalltod seiner Tochter alleine auf einer gewaltigen Abfindung sitzt, wittern sie die Chance, mit diesem letzten Coup endlich finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen. Alvarez nutzt den Einstieg seines Films, um den drei Hauptfiguren zunächst so viel Profil wie nötig zu verleihen.


Eine falsche Bewegung könnte die letzte sein
Als sich das Trio schließlich Zugang in das Haus des blinden Mannes verschafft, lässt der Regisseur mit quälender, aber zielstrebiger Langsamkeit die Hölle ausbrechen. Ähnlich wie in David Finchers "Panic Room" gleitet und schwebt die Kamera in langen Einstellungen durch die Räumlichkeiten, begleitet die Figuren und etabliert das Setting, in dem sich der gesamte Rest des Streifens fortwährend abspielen wird. Als den Figuren klar wird, dass sie sich womöglich das falsche Haus für einen Einbruch ausgesucht haben, ist es bereits zu spät. "Don't Breathe" entwickelt sich von nun an zu einem beklemmend intensiven Thriller, in dem Alvarez die Spannung gekonnt mit verschiedenen Techniken aufrecht erhält. In einigen Momenten hört man nichts anderes, als den eigenen Atem und das laute Klopfen seines Herzschlags, da der Regisseur absolute Stille einsetzt, um das Katz- und Mausspiel auf engem Raum zu einem verzwickten Überlebenskampf umzumünzen. Alvarez beherrscht die Klaviatur des Terrors erstaunlich gut, wenn jede einzelne Bewegung bis zum Maximum ausgereizt wird, das kleinste Geräusch zur fatalen, gewalttätigen Implosion führen kann, vereinzelte Szenen in brachiale Körperlichkeit explodieren und ein paar Einstellungen in Zeitlupe den Höhepunkt der unangenehmen Spannung fast schon sadistisch ausschlachten.


Blind, aber trotzdem überlegen
In einigen Szenen funktioniert die Logik des Films gewiss nicht einwandfrei und das Verhalten der Figuren gestaltet sich als fragwürdig. Es sind Momente, die in anderen Thrillern dieser Art ebenfalls gerne enthalten sind und bei denen man sich denkt, dass die Figuren entschieden anders hätten handeln sollen. Nichtsdestotrotz kaschiert Alvarez diese kleineren Mängel in der Erzählung, indem er dem Betrachter schon frühzeitig keine Atempausen mehr gönnt und einige Haken schlägt, um aus dem eigentlich simplen Setting, bei dem drei Personen mit einem tödlichen Widersacher in einem Haus eingesperrt sind, immer wieder neue elektrisierende Spannungshöhepunkte zu kitzeln und gegen Ende auch einen Abstecher in dezent überzeichnete, groteske Momente zu wagen. Schauspielerisch glänzt hierbei vor allem Stephen Lang als furchteinflößender Gegenspieler, der trotz seiner fehlenden Sehfähigkeit wie eine brachiale Urgewalt durch die einzelnen Szenen walzt. Bemerkenswert ist aber auch Jane Levy, die schon in "Evil Dead" mitwirkte. Durch ihre Figur spinnt Alvarez sogar Parallelen zum Vorgänger, denn das Motiv von Rocky aus "Don't Breathe" weist durchaus Ähnlichkeit zu Mia aus "Evil Dead" auf.


Während Mias Kampf gegen die dämonischen Mächte gleichzeitig ein Kampf gegen ihre eigene Drogensucht darstellte, ist Rockys Kampf gegen den alten Mann und um ihr Leben ebenfalls ein Kampf um ihren Traum nach einer unbeschwerten Zukunft in Freiheit, den sie sich nur mit dem Geld aus dem Haus des Mannes verwirklichen kann. "Don't Breathe" ist somit ähnlich wie "Evil Dead" auch wieder ein Film, in dem die Laster und Abhängigkeiten der Protagonisten zum entscheidenden Katalysator des Terrors werden und sich in beängstigenden Horrorszenarien manifestieren. Auch wenn Fede Alvarez mit diesem Film nie an den schwindelerregenden Grat absurder Härte anknüpft, den er in seinem Langfilmdebüt erreichte, wenn es schließlich sogar wortwörtlich Blut regnete, zeigt sich der Regisseur mit seinem Nachfolgewerk erneut in handwerklicher Höchstform. "Don't Breathe" ist ein ausgezeichnet inszenierter Thriller, der inhaltlich die ein oder andere Ungereimtheit vergessen lässt, sobald der Zuschauer gemeinsam mit den Figuren den Atem anhält, um die Spannung zu ertragen.


7,5 von 10 auf den Arm tätowierte Marienkäfer



von Pat

Review: EVIL DEAD - Die Teufel tanzen wieder

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Fakten:
Evil Dead
USA. 2013. Regie: Fede Alvarez. Buch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues, Diablo Cody, Sam Raimi. Mit: Jane Levy, Shiloh Fernandez, Lou Taylor Pucci, Jessica Lucas, Elizabeth Blackmore, Jim McLarty, Randall Winston u.a. Länge: 91 Minuten. FSK: freigegeben ab 18 Jahren (gekürzte Fassung), SPIO/JK-Freigabe (ungekürzt). Ab 24. September auf DVD und Blu-ray.


Story:
David und seine Freunde fahren zu einer abgelegenen Waldhütte, um seiner Schwester Mia bei ihrem Heroinentzug beizustehen. Bald schon, als Mia erste Entzugserscheinungen zeigt, liegen die Nerven blank. Doch es wird noch schlimmer. Davids Freund Eric findet ein altes, mysteriöses Buch. Als er daraus vorliest erweckt er alte, dämonische Kräfte, die über die Gruppe herfallen. Der Ausflug wird zu einem echten Horror-Trip.



 
Meinung von stu:
Tanz der Teufel“ gehört zweifelsohne zu den großen, ikonischen Filmen des Horror-Genres. Von der einen Instanz frenetisch verehrt, von der anderen zensiert und verboten, gehört der erste veröffentlichte Spielfilm des späteren „Spider-Man“-Regisseurs Sam Raimi zu den Werken, die alleine wegen ihrer bewegten Vergangenheit bei FSK und BPjM einen Legendenstatus inne haben. Bis heute ist Teil eins der Reihe hierzulande beschlagnahmt, was ihm den Ruf eines echten Schockers einbrachte. Zu recht, denn Raimi drehte mit seinem Hüttenhorror einen billigen aber höchst effektiven Reißer, der unbehagliche Unwissenheit mit grässlichen Gewaltspitzen kreuzte. Das unsichtbare Böse war hier wie eine Katze und die Opfer waren wie Mäuse, die verzweifelt um ihr Leben kämpften.



Hätte er mal lieber ein Lustiges Taschenbuch gelesen
Blieb das Böse im Original noch unsichtbar, so wird es hier mittels eines weiblichen Dämons zumindest marginal in ein physisches Korsett gezwängt. Darüber hinaus erlauben sich die Autoren auch die Exposition etwas weiter auszudehnen als noch unter Raimis Regie. Das Ergebnis: Trotz eines schaurig-feurigen Opening ist der Beginn von „Evil Dead“ recht müßig. Während im Original bereits eine unwohlige wie bedrohliche Stimmung aufgebaut wird, erfährt der Zuschauer unter Alvarez Regie erst mal warum sich fünf junge Menschen freiwillig ins Nirgendwo der amerikanischen Wälder begeben. Dieser Grund ist dabei gar nicht mal so übel: Bruder David will seine kleine Schwester Mia (Jane Levy, „Fun Size“) dabei unterstützen vom Heroin los zu kommen. Kein einfaches Unterfangen für die Gruppe, aber definitiv eine mehr als einladende Metapher für den bald anstehenden Kampf gegen die Dämonenmacht, die sich der Körper der Protagonisten nach und nach bemächtigen. „Evil Dead“ versucht also das Universum rund um die Waldhütte, das Necronomicon und blutige Scharmützel zumindest in kleinen Teilen etwas gehaltvoller zu gestalten. Gut gemeint, aber es hapert an den beliebigen Charakteren. Die blassen Ausflügler erregen vielleicht die Aufmerksamkeit von Dämonen, nicht aber die eigene Empathie. Wer wann und wo stirbt ist vollkommen egal. Auf das „Wie“ kommt es hier an und genau damit können die Macher punkten. „Evil Dead“ ist eine ironiefreie, schlotzige Schlachtplatte. Splatter und Gore in Hülle und Fülle. Nach dem leicht missratenen Start scheint das Blut förmlich über die Leinwand zu schwappen. Ein Hämoglobin-Rausch, der dazu ohne die nervenden Erklärungen anderer Blutfeste wie etwa „Saw“ oder „Hostel“ auskommt, innerhalb seiner roten, feuchten Sause eine durchweg stimmige Sogkraft erzeugt und im Gegensatz zu den genannten Beispielen einen phantastischere Erzählung und Setting besitzt.



Der neue Lady Shave in der Demonic Edition
„Evil Dead“ ist pures Attraktionskino. Hier wird nicht gezeigt wie CGI-Bauten in sich zusammenstürzen, sondern wie man Horror abseits von hintersinnig und subtil entfacht. Zartbesaitete Zuschauer sollten den ersten Langfilm des uruguayischen Regisseurs Fede Alvarez also ohne Wenn und Aber großräumig umgehen, denn hier wird ohne Kompromisse alles zersägt, zerschnitten, verbrannt, zerschossen und zertrümmert, was die menschliche Anatomie so hergibt. Dargestellt wird dies weitestgehend durch analoge Tricks, was „Evil Dead“ noch eine Spur roher und kräftiger wirken lässt und ihn bei mir zumindest ein paar Sympathiepunkte einbrachte. Dass das Gezeigte so überdreht und übertrieben ist, dass es nicht ernst zu nehmen ist, versteht sich von selbst. Auch ohne Humorkanonaden lässt sich hinter all den Fratzen und plätschernden Blutungen ein gewisses Maß an Augenzwinkern erkennen. Schade nur, dass es dem Remake nie gelingt den Spannungsgrad des Originals zu erreichen. Ein Terrorfilm ist das „Evil Dead“ der Neuzeit nämlich zu keiner Zeit. Alvarez verlässt sich dann doch zu sehr und einzig auf Splatter und Gore. Die kleinen Tricks des Originals, wie etwa die Schaukelbank, die gefühlt minutenlang gegen die Hüttenwand schlägt, fehlen hier völlig oder werden nur recht kurz verwendet um dem Original zu huldigen.


„Evil Dead“ ist kein schlechtes Remake. Es fühlt sich in Teilen sogar mehr nach einem Reboot oder gar einer Fortsetzung an (hierzu der dringende Rat das Kino erst nach dem Abspann zu verlassen). Regisseur Alvarez hat einen ultra-blutigen Horrorfilm inszeniert der gut mit der Bürde seines großen Titels umgeht. Trotz seiner Mängel sollten Fans des Genres sich diesen Film ansehen, der im Grunde nicht mehr will als zu unterhalten, ohne sein Publikum mit ärgerlichen Konzessionen zu nerven. Obendrein gibt es noch ein Stückchen feinste Realsatire, denn während der erste „Evil Dead“ immer noch auf Liste B indiziert ist, läuft das blutigere Remake im Kino fast ungekürzt ab 18 (mehr Infos über die Fassung gibt's hier). Natürlich kann sich das alles noch ändern, wenn Alvarez' Genre-Beitrag hierzulande auf DVD und Blu-ray erscheint (dass die Kinofassung ungekürzt eine FSK-Freigabe erhällt halte ich für ausgeschlossen). Dennoch ist es schon irgendwie amüsant, auf eine fast schon dämonische Art und Weise.  

Anmerkung: Die Heimkinofassung (FSK18-Fassung) wurde um eine Minute gekürzt.


7 von 10 Spritzen im Gesicht



Lieber ein Spatz auf dem Dach, als ein Dämon im Keller - oder so ähnlich


Meinung von souli:
Der unabdingbare Legendenstatus von Sam Raimis Klassiker „Tanz der Teufel“ ist seit einigen Dekaden fest in kinematographischen Stein gemeißelt. Dementsprechend durfte natürlich auch das obligatorische Remake nicht fehlen, denn wie wir es heutzutage gewohnt sind, wird jedem großen Namen aus der Vergangenheit eine mehr oder weniger erfreuliche Aufarbeitung gewidmet, die sich entweder als Überraschung oder herbe Entmystifizierung und Schändung des Originals verstehen lässt. Fede Alvarez' „Evil Dead“ kann sich zum Glück vom negativen Auslegungsweg der Remakes distanzieren und zieht die tanzenden Dämonen aus dem Jahre 1981 keinesfalls in den Dreck. Trotzdem fehlt dem Film Einiges, um ihn WIRKLICH als sehenswert titulieren zu können. Das fängt schwerwiegend bei den eindimensionalen Charakteren an, denen jeder empathischer Zugang verweigert wurde, was das alte Problem nach sich zieht, das die blassen wie klischeehaften Figuren dem Zuschauer direkt vollkommen egal sind.



"Äh sorry, aber ich knutsche nie beim ersten Date."
Alvarez begeht aber nicht den Fehler und versucht sich an einer 1 zu 1-Kopie, die Raimis schmierige Kreativitätsorgie in die Neuzeit verlegt, sondern er nabelt sich größtenteils von der alles überstrahlenden Vorlage ab und mariniert seine Umsetzung mit kleineren und größeren Referenzen, die dem Kenner der Vorlage natürlich schnell ein Lächeln auf die Lippen zaubert, obgleich in der ersten Hälfte des Filmes die nennenswerte Disposition noch auf sich warten lässt. Visuell ist „Evil Dead“ aber ohne Zweifel ein Volltreffer, denn wenn die Aufblende den Rezipienten bereits mit finsteren Fotografien des altbewährten Horror-Waldes erwartet, durchzogen von tückischen Nebelschwaden und den Konturen düsterer Verfolger, dann ist genau das Feeling evoziert worden, welches der Film im weiteren Verlaufen streckenweise schwerlich vermissen lässt.


Wenn „Evil Dead“ dann aber auf die Zielgerade einbiegt, die schlecht geschriebenen Charaktere zunehmend dezimiert wurden und das Blut bereits literweise aus sämtlichen Körperwunden geschossen ist, dann spielt der Film seine ganze Stärke aus, die er in dieser Form zwar lange unter Verschluss gehalten hat, dafür aber wirklich endlich die Sau rauslässt. Gemeint ist natürlich der haltlose Splatter, denn in der letzten halben Stunde gibt es wahrlich kein Halten mehr. Selbst wenn das extreme Gemetzel ohne wirkliche Kohärenz auskommen muss, unterhält das gnadenlose Potpourri aus Schlamm, Eingeweiden, abgetrennten Gliedmaßen und jeder Menge spritzendem Lebenssaft verdammt gut und hievt den Film noch locker über die Grenze der Belanglosigkeit. Natürlich ist die Gewalt hier purer und humorloser Selbstzweck, aber er erfüllt im finalen Akt seine Erwartungen und hat weiterhin keine Lust, dem Zuschauer irgendwelche Antworten zum Geschehen zu liefen. Schließlich geht es „Evil Dead“ nie um das „Warum“, sondern einzig und allein um das „Wie“. Kann man sich durchaus mal anschauen, muss man aber nicht.



5,5 von 10 Nagelpistolen


Diese junge Damen lässt darauf schließen, dass wirklich einiges schief läuft in der Waldhütte


Meinung von Jacko:
"Der schockierenste Film, den du jemals sehen wirst." Ja ne, is klar...

Das Remake zu Sam Raimis Low-Budget-Knaller "Tanz der Teufel" erfährt einen unglaublichen Hype und mir stellt sich die Frage: Warum?


Der Film hat eine große Stärke und das muss gelobt werden: Masken und Effekte sind bärenstark. Erfreulicherweise kommt nur wenig aus dem Rechner (wahrscheinlich, nur selten war CGI als solches eindeutig festzustellen). Da gibt es echtes Kunstblut, plastischen Schweinkram und davon auch nicht wenig. Die groß angekündigte Ultra-Gore-Schockwurst gibt es dann auch nur an drei Stellen, die bei einer FSK-Prüfung fürs Heimkino-Release wohl Probleme bereiten dürften. Der Rest ist voll im Rahmen der üblichen FSK-18-Abteilung.



Mordinstrumente gehen mit der Zeit und sind jetzt elektrisch
So weit so gut, das ist nett, okay, sogar gut gemacht. Was "Evil Dead" gewältig vermissen lässt, ist Spannung und Atmosphäre. Fede Alvarez bemüht sich zwar sichtlich, einen beinharten Terrorfilm zu machen, doch kribbelig wird es nie. Zwischen den Jump-Scares zum Popcorntüten umwerfen, existiert keine Grundspannung. Raimi braucht dafür damals nur die halbe Portokasse des Remakes, dichten Nebel, pfeifenden Wind und dunkle Schatten. Alvarez' Film ist (schon wieder) ein auf dreckig getrimmtes Glanzfilmchen, welches sich auf schmuddelig versucht runter zu schummeln, es im Kern aber nicht ist. Die Bedrohung kommt aus der Mikrowelle und ist noch nicht mal richtig warm geworden. Zudem sind einige Szenen leider viel zu hektisch und flink geschnitten, die durch unbarmherziges Draufhalten nicht nur übersichtlicher, sondern auch viel effektiver funktionieren würde. Fairerweise muss gesagt werden, es sind nur zwei, da aber extrem deutlich.



Gesprächsrunde in der Hütte
Was "Evil Dead" dann fast noch den Durchschnitt kostet, sind ein paar idiotische Aussetzer, die mit einer anderen Herangehensweise gar nicht mal tragisch wären. Im Gegensatz zum Original und dessen Nachfolgern verzichtet Alvarez konsequent und bewusst auf Humor und Ironie, will durch Härte und Angst überzeugen. Trotzdem sind einige Schmunzler, sogar Lacher kaum vermeidbar, aber eben unfreiwilliger Natur. Die Reanimationsszene ist so unfassbar dämlich, hätte das Bruce Campbell im ersten oder besonders dem zweiten Teil gebracht, funny, so unglaublich bescheuert, albern und passt überhaupt nicht zur angepeilten Stimmung. Im Finale, das zumindest optisch gut inszeniert ist, sind dann auch noch sakrale Chöre zu hören, sind wir hier bei "Das Omen"? Eher bei "Der Exorzist", die Remakerechte hat man wohl auch besessen, sieht zumindest so aus. Ficken, Fotze, lutsch meinen Schwanz..."Lass dich von Jesus ficken" haben sie vergessen.



Die Erwartungen waren erst gering, stiegen durch den Hype und sind auf dem blut-vermatschten Boden aufgeschlagen. Hier wurde mehr falsch als richtig gemacht, nur die nette Optik, klitzekleine, gelungene Momente und die Liebe zum handgemachten Gore retten Punkte. Sonst ist der neue "Evil Dead" wieder ein Remake eines Horrorklassikers, das alle Möglichkeiten hatte, aber an grundsätzlichen, elementaren Dingen des Genres scheitert, für die gar kein Geld benötigt werden. Siehe "Tanz der Teufel".



5 von 10 sexuellen, botanischen Übergriffen










Review: FUN SIZE - Chaotisches Halloween

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Fakten:
Fun Size
USA. 2012. Regie: Josh Schwartz. Buch: Max Werner. Mit: Victoria Justice, Thomas Mann, Jane Levy,  Jackson Nicoll, Chelsea Handler, Thomas McDonell, Osric Chau, Thomas Middleditch, Johnny Knoxville, Ana Gasteyer, Riki Lindhome, Josh Pence, Kerri Kenney-Silver, Holmes Osbornes, Rachel Sterling u.a. Länge: 105 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Es ist Halloween und für Wren geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Der größte Schwarm der Schule, Rockmusiker Aaron Riley, lädt sie zu seiner Party ein. Doch daraus wird leider nichts. Wrens Mutter verdonnert sie dazu auf ihren kleinen Bruder Albert aufzupassen. Der hat seit dem Tod des Vaters vor gut einem Jahr kein Wort mehr gesprochen und ärgert Wren gerne mit seinen Streichen. Als er dann aber abends verloren geht setzt Wren alle Hebel in Bewegung um ihn zu finden, auch wenn ihre Freundin April davon wenig begeistert ist. Albert macht derweil die Bekanntschaft von liebenswürdigen Verkäufern, hilfsbereiten Comicfans und aggressiven Proleten. Dieses Halloween wird für alle Beteiligten unvergesslich werden.




Meinung:
Das Spielfilm-Debüt von Josh Schwartz, vielen bekannt als Serienschöpfer von „O.C. California“, erinnert in ihren besten Momenten an die Teenager-Komödien der 1980er und frühen 1990er Jahre. Ohne nur auf plumpe Gags unterhalb der Gürtellinie abzuzielen wird hier ein großes, komödiantisches Chaos entworfen. Nach einem eher mittelmäßigen Beginn, in dem es die typischen Off-Erklärungen und Figurenkonstellationen gibt, wandelt sich der Film zu einer fast schon episodenhaften, strukturellen Erzählung. Auf der Suche nach dem pummeligen Albert, der charakterlich zwischen hassenswerten Satansbraten und liebeswerten Anarchisten umher pendelt, ergeben sich immer wieder wirklich humorvolle Szenen und Momente, die nicht unbedingt das Zwerchfell zum beben bringen, aber dennoch die Muskeln im Gesicht, die für das Schmunzeln zuständig sind, ordentlich beanspruchen.



Albert und Fuzzy richten eine Menge Chaos an
Wenn Schwartz seiner Komödie versucht einen ernsteren, bzw. einen emotionaleren Ton zu verpassen, verhebt er sich das eine oder andere Mal. Einige Gefühle, die hier gezeigt werden, machen deutlich, dass Schwartz früher TV-Serien gemacht hat. Es wird immer ein wenig zu viel auf die Tränendrüse gedrückt und dabei emotionale Muster bedient, die zu plattgetrampelt sind und deswegen immer den leicht vergilbten Charme schlecht gealterter Seifenopern inne haben. Aber hey, Charme ist Charme und er taucht auf bei einer Vielzahl der Charaktere auf. Zwar werden hier weitestgehend auch nur die üblichen Teen-Klischees bedient, sie halten sich aber noch im vertretbaren Rahmen. Auch in „Fun Size“ gibt es eben  die typischen Standard-Nerds, seltsamen Eltern und fiesen Schläger, aber Schwartz inszeniert ihre Abenteuer, Beziehungen und Aktionen allesamt unverkrampft und mit hohem Tempo und nicht immer versucht er aus jedem Zusammenprall der einzelne Parteien etwas vielsagendes zu ziehen. Oftmals geht es einfach nur um die Hauptzutat von Halloween und Komödien: Spaß.


„Fun Size“ macht nicht alles richtig aber vieles auch nicht verkehrt. Dank seines Charmes und seiner flotten Inszenierung fallen etwas zu hölzerne, überdramatisierte Minuten nicht all zu sehr ins Gewicht und werden dazu immer wieder von wirklich amüsanten Szenen wettgemacht (ganz vorne mit dabei: der Riesenhahn). Dass der Film Halloween dazu auch noch außerhalb der typischen Horror-Schiene als Setting benutzt und den Flair einer durchzechten, aktionsreichen Nacht mit Freunden gut transportiert, ist auch eine nicht zu vernachlässigende Stärke von Josh Schwartz Spielfilm-Debüt, welches ohne Schwierigkeiten ähnlich gelagtere Komödie der letzten Zeit  (z.B. "Bad Sitter" oder "Project X") klar in die Schranken weist.

7 von 10 verschrotteten, gelben Volvos