Dank dem Internet zum Hype und für nicht wenige zum
Kult avanciert, verwundert es nicht, dass die Asylum-Produktion "Sharknado" nun ein Sequel erhalten hat. Der erste Trailer zum Film, der am 30.
Juli in den USA ausgestrahlt wird, verspricht gewollten Trash in feinster,
digitaler Low Budget-Optik. Die Helden des ersten Teils, den unser Jacko gar
nicht mochte (siehe Review), Ian Ziering und Tara Reid, sind wieder mit dabei
und schwingen erneut die Kettensäge gegen die Tornadohaie. Außerdem noch mit
dabei sind Andy Dick, Vicia A. Fox, Judah Friedlander, Judd Hirsh, Kari Wuhrer
und Kelly Osbourne. In Deutschland wird „Sharknado 2: The Second One“ wohl wie
Teil eins nur fürs Heimkino verwertet. Weise Entscheidung. Viel Spaß mit dem
Trailer.
Fakten: Shark Night
USA. 2011. Regie: David R. Ellis. Buch: Will Hayes, Jesse Studenberg. Mit: Sara
Paxton, Dustin Milligan, Chris Carmack, Donal Logue, Joshua Leonard, Kyla
Pratt, Damon Lipari, Joel David Moore, Jimmy Lee Jr., David Speed, Chris Zylka,
Katharine McPhee, Alyssa Diaz, Christine Quinn, Sinqua Walls, Tyler Bryan,
Kelly Sry u.a. Länge: 87 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren freigegeben.
Story: Pause von der Uni, auf nach Louisiana. Dort hin, genauer gesagt zum
Strandhaus ihrer Familie, lädt Studentin Sara ihre College-Freunde ein, um sich
ein Wochenende lang vom Stress zu erholen. Eine kleine Insel, mitten in einem
Salzwassersee, wird zur Partyzone erklärt, doch die große Sause wird brutal
gestört, als einer von Saras Gästen beim Wasser-Ski von einem Hai angegriffen
und schwer verletzt wird. Aus dem relaxten Wochenend-Trip wird ein Kampf ums
Überleben, den es lauern noch andere Gefahren vor Ort als Haie, z.B. ihre
Besitzer.
Meinung:
Haie sind schon arme Tiere. Nach dem massiven Erfolg von Spielbergs „Der weiße
Hai“ wurden sie zu reinen Killerbestien deklassiert, die mittlerweile in genau
so vielen „Jaws“-Sequels und –Kopien auf Menschenjagd gingen, wie es nun
Dokumentationen und Reportagen gibt, die dieses Bild der Raubfische wieder
versuchen ad acta zu legen. Trotz allem bewahrheitet sich auch bei den Haien
die alte Lebensweisheit: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz
ungeniert.
Der Sheriff kann vielleicht die Kids retten, aber nicht den Film
Na ja,
dass in „Shark Night“ gefräßige Haie Jagd auf spaßhungrigen College Kids
machen, liegt mehr am kargen Ideenreichtum einiger Autoren und weniger an den
Tieren. Selbst wenn das hier kein Film wäre, so hätten die Fische mit dem
ikonischen Rückenflossen doch gewiss alle Sympathie auf ihrer Seite, denn die
Kids sind solch eine einfach gestrickte Ansammlungen von Klischees, zusammengehalten
von Hot Pants, Tank Tops und Bikinis, dass ihre Reduktion einer Wohltat
gleichkommt. Doch obwohl menschliche Subtraktion im Fokus des Films steht,
macht er keine wahre Freude, denn „Shark Night“ ist nicht mehr als ein
Desaster. Hier funktioniert wirklich gar nicht. Als Horrorfilm ist die fünfte
Regiearbeit von David R. Ellis („Final Destination 2“) absolut unbrauchbar. Zu
passiv geschieht alles, wenn überhaupt einmal etwas passiert, die Bedrohung
durch die Haie wird weder vernünftig aufgebaut noch wirklich gelungen
dargeboten und wer sich erhofft hatte, das „Shark Night“, der in 3D in den
Kinos lief, ein paar blutige Extras zu bieten hat, vielleicht ähnlich gelagert
wie das 3D-Remake von „My Bloody Valentine“, wird enttäuscht, denn hier speisen
die Haie schnell und vor allem sauber.
Da hintern ist ein Hai, äh hinten
„Shark
Night“ kann sich Hoffnungen auf die Auszeichnung des schlechtesten Films 2012
machen, denn er macht wirklich alles verkehrt. Es ist alles so plump und dürftig
(vor allem die Haie aus den Computern), dass es eigentlich Spaß machen sollte,
ähnlich wie z.B. „Piranha 3D“ von Alexndre Aja. Der war sicherlich auch kein
Meilenstein, verstand es aber sich in seiner eigenen Primitivität mit großer
Freude zu suhlen und macht dadurch Spaß. „Shark Night“ hingegen versucht alles
um groß, böse und ernst zu wirken und vermischt neben Tier-Horror noch etwas
unbarmherzige Redneck-Sippschaft mit ein, damit der ganze Stuss noch etwas
bescheuerter und planloser wirkt. Würde Regisseur Ellis nicht so penetrant
versuchen den Zuschauer mit Nichtigkeiten zu gruseln (wieso sollte es mir Nahe
gehen und mich in den Sessel drücken, wenn eine Gruppe von unsympathischen
Nervensägen von großen Fischen dezimiert wird?) und hätte die Prämisse des
Films mehr auf trashigen Spaß verlagert, „Shark Night“ wäre
bestimmt immer noch so etwas wie ein Film, den kein Mensch braucht, aber er
hätte eventuell ja hier und da etwas Kurzweil mit an Bord gehabt.
Und hier die Bewertung des Films in Kurzform
Tiere
mit schlechtem Ruf mussten schon immer für Schauergeschichten herhalten. David
R. Ellis ist mit seiner „Shark Night“ aber etwas seltenes gelungen, denn nicht
nur, dass die Haie hier die heimlichen Good Guys sind, schließlich erlösen sie
einen von den nervenden Hohlbirnen in Bikini und Bermuda-Shorts, sondern die großen Fische mit dem messerscharfen
Zähne wecken auch Mitleid, denn schon seit Ewigkeiten wurden sie nicht mehr so
unter Wert verkauft. Die Trash-Profis von Asylum, die durch Billigwerke und kostengünstige Kopien großer Blockbuster zu
zweifelhafter Popularität erlangt sind, versehen Haie wenigstens noch mit einer
Art von Besonderheit. Mal haben sie zwei Köpfe, mal schwimmen sie durch Sand,
ein anderes Mal sind sie so groß, dass sie eine Boeing 747 fressen. Klar, das
ist alles so absonderlich wie bescheuert, verfügt aber über wesentlich mehr Unterhaltungswert
als „Shark Night“ und ist darüber hinaus auch strikt und von tiefsten Herzen
aus schlecht.
„Shark Night“ ist zu großen Teilen eine filmische Katastrophe, weil er versucht
die eigene Debilität zu verbergen. Das ist so unsinnig, dass der Film
vielleicht sogar noch mieser und langweiliger ist als die großen Hai-Filme des
legendären Trash-Labels Asylum. Muss man auch erst einmal hinbekommen.