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Review: FOXCATCHER - Der tragische Kampf um Respekt

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Fakten:
Foxcatcher
USA. 2014. Regie: Bennett Miller. Buch: Dan Futterman, E. Max Frye.
Mit: Channing Tatum, Steve Carrell, Mark Ruffalo, Vanessa Redgrave, Sienna Miller, Anthony Michael Hall, Brett Rice, Guy Boyd, Samara Lee, Jackson Frazer, David Bennett, Jane Mowder u.a. Länge: 134 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 25. Juni auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story.
Ringer Mark Schultz gewann 1984 die Goldmedaille. Doch aus dem Gold am Bande, welches er hin und wieder für Vorträge an Schulen aus der Vitrine holt, ist vom einstigen Glanz nicht mehr viel übrig. Marks Bruder Dave, in dessen Schatten Mark immer steht und der sich stets um seinen kleinen Bruder kümmerte, hat mittlerweile auch eine Familie, so dass sich Mark allein- und fallengelassen fühlt. Seine Hoffnungen liegen auf der nächsten Ringerweltmeisterschaft sowie den Olympischen Spielen in Seoul, für die Mark täglich hart trainiert. Als Mark einer Einladung von einem gewissen John Du Pont folgt, ahnt er noch nicht, dass dies sein Leben verändern wird. Du Pont ist Erbe eines vermögenden Familienclans, der sich sehr für das Ringen interessiert und vor hat ein eigenes Ringer-Team für die kommende Olympiade zusammen zustellen und will den jungen Schultz-Bruder an seiner Seite haben. Mark willigt ein und John wird sein neuer Mentor. Als Dave jedoch auch zum Ringer-Team stößt und John erkennen muss, dass Mark seinem Bruder immer mehr vertrauen wird als ihm, erhält das einst so euphorisch begonnene Projekt Foxcatcher deutliche Risse.





Meinung:
„Foxcatcher“ ist erst der dritte Spielfilm von Regisseur Bennett Miller, doch zementiert er bereits mit diesem seinen Ruf, dass er ein Filmschaffender ist, der immer die Figuren im Fokus hat. War dies bei seinem Biopic „Capote“ mit Philip Seymour Hoffman und Cathrine Keener offensichtlich, so überraschte Miller mit seinem gefeierten Baseball-Film „Die Kunst zu gewinnen - Moneyball“ (mit Jonah Hill und Brad Pitt), weil er auch hier den Überzeugungen und Gefühlswelten seiner Protagonisten eine zentrale Bühne errichtete und diese mit einem real-historischen Kontext verband. „Die Kunst zu gewinnen - Moneyball“ befasste sich nicht bloß über der Umstrukturierung des amerikanischen Baseball-Betriebes, sondern behandelte auch die Menschen dahinter. Mit „Foxcatcher“ hat sich Miller erneut eine wahre Geschichte ausgesucht, die auch einen sportlichen Background bietet. Diesmal ist der Sport aber noch reduzierter. „Foxcatcher“ ist kein Sport-Drama mit charakterlichen Bezügen. Es ist ein Charakter-Drama mit leichten sportlichen Tendenzen und der bislang beste Film von Miller. Ein Film über eine Dreiecksbeziehung zwischen den Brüdern Mark und Dave Schultz sowie dem Dynastieerben John DuPont.


Alleine: John Du Pont
John du Pont und Mark Schultz  sind sich ähnlich. Beide suchen Anerkennung, Respekt, Erfolg. Beide wollen etwas Großes hinterlassen, wollen verehrt werden. Doch während Mark seinen Bruder Dave hat, steht John alleine da. Seine Mutter (Vanessa Redgrave) unterstützt ihn nur finanziell, verwehrt ihm aber jedwede Art von Zuspruch und sagt ihm klar und offen, dass sie das Ringen für eine barbarische wie zweitrangige Sportart hält. Doch auch Mark steht unter Druck, den er sich zu großen Teilen selbst auferlegt hat. Seine Goldmedaille von der olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, sie bestimmt sein Leben. Zum einen weil er durch sie eine Art Statussymbol besitzt, die ihn vom Rest der Welt abhebt, zum anderen ist sie auch eine stetige Erinnerung dass er einmal der Beste war. Doch Mark kann dieses „war“ nicht akzeptieren. Das „war“ soll immer ein „ist“ sein. So gesehen tragen er wie auch Du Pont eine große Bürde, die individuell von einzelnen Faktoren noch einmal erschwert werden, die sie sich letztlich aber doch selbst auferlegt haben, durch ihre Gier nach Ansehen.


Mark und sein neuer Mentor genießen ihren Erfolg
Dem gegenüber steht Dave Schultz. Ein ruhender, fast schon weiser Pol innerhalb der Figurenkonstellation, der mit seiner Frau und seinen Kindern etwas besitzt, was weder John noch Mark haben: Liebe. Zwar kümmert sich Dave um seinen kleinen Bruder, seitdem sich die Eltern haben scheiden lassen, doch für Mark, das wird immer wieder von Bennett Miller deutlich gemacht,  ist Daves „neue“ Familie  auch immer eine Konkurrenz. Mark weiß, dass er die Nummer zwei ist. Eine Position mit der sich der oftmals krankhaft ehrgeizige Sportler nicht abfinden kann. Auch hier gibt es wieder eine Parallele zu John Du Pont. Seine Mutter scheint ihren Zuchtpferden mehr Beachtung und Liebe zu schenken als ihrem eigenen Sohn, der sich außerhalb ihrer Anwesenheit zwar als großer Geschäftsmann und cleverer Menschenkenner ausgibt, der letztlich aber doch nur ein kleiner Junge ist, der am Rockzipfel seiner Mutter zerrt, um das zu bekommen, was er will. Waren es als Kind noch Süßigkeiten so sind es als Erwachsener ausrangierte Kriegsgefährte (Du Pont war leidenschaftlicher Sammler von alten Panzern, was seine Sehnsucht nach Macht noch einmal untermauert) sowie ein ganzes Ringer-Team mitsamt Unterkünften für die Sportler und  Trainingsräumlichkeiten.


Die Schultz Brüder vertrauen sich blind
Dies alles, der Umgang mit verletztem Stolz, fehlenden Respekt und Einsamkeit benötigt zur vollen Entfaltung exquisite Darsteller und die besitzt “Foxcatcher“. Der oftmals belächelte Channing Tatum beweist hier, dass er unter der richtigen Führung zu einer unglaublich authentischen darstellerischen Performance fähig ist. War Tatum früher ein Synonym für den schauspielenden Posterboy, der es versteht Selbstironie für seine Zwecke zu nutzen („21 Jump Street“ und sein Sequel sowie sein Gastauftritt in „Das ist das Ende“), so macht er hier klar, dass er mehr sein kann als der perfekte Schönling, der mit Wonne über sich selbst und sein immer wieder propagiertes Klischee lachen kann. John Du Pont-Darsteller Steve Carrell hat zwar schon einige Mal in etwas ernsteren Rollen sich beweisen können, doch niemals waren diese losgelöst vom Genre der Komödie. Egal ob „Little Miss Sunshine“ oder „Dan – Mitten im Leben“, das Komödiantische haftete immer an Carrell. Als John Du Pont ist davon aber nichts mehr übrig.


Mark wittert seine Chance auf Respekt und Erfolg
Wenn man zügellos anmaßend wäre, könnte man behaupten, es liegt vor allem daran, dass die Make-Up Artists Carrell mit einem stattlichen Zinken ausgestattet haben, die ihn alleine optisch so verändern, dass man als Zuschauer gar nicht erst auf die Idee kommt ein Ensemble-Mitglied von Will Ferrells Chaos-Comedy „Anchorman“ vor sich zu sehen. Gewiss, die physische Veränderung tut ihren Dienst, dennoch braucht es einen Darsteller der die Rolle ausfüllt. Genau dies tut Carrell und er tut dies mit solch einem nuancierten Spiel, dass es einem als Zuschauer teilweise den Atem verschlägt. Du Ponts Charakterzüge und Gedanken, Carrell macht sie für das Publikum sichtbar, mit teils dezidierten Blicken und Gesten. Eine formvollendete Königsdarbietung. Gleiches lässt sich auch über Mark Ruffalo als Dave Schulz sagen. Er, die wahrscheinlich tragischste Figur des Trios, legt jede Menge Empathie in die Waagschale. Seine Aufopferungsbereitschaft, die jedoch niemals seine Ehrlichkeit sowie seinen realistischen Blick auf die Sicht der Dinge korrumpiert, ist zweifelsohne so etwas wie der sichere Halt für das Publikum, in einem stillen Sturm, ausgelöst durch John und Mark und ihre Beziehung sowie ihrer Erwartungen von sich selbst und den anderen. Tatum, Carrell und Ruffalo sind der Herzschlag von „Foxcatcher“. Wie Regisseur Bennett Miller sie leitet und welche Leistung sie erbringen nötigt durchaus Respekt ab.


John ist ein Fan von Macht in jeglicher Form
Aber nicht nur hierfür hat Miller den Preis für die beste Regie 2014 bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Auch wie er „Foxcatcher“ erzählt ist meisterlich: Ohne Hektik, mit ruhigen ganz in der Geschichte versunkenen Bildern, formt Miller die Katharsis, eine Zuspitzung bis zur Ausweglosigkeit, die sich durch eine drohende aber niemals selbstzweckhafte oder zu stark überdimensionierte beunruhigende Atmosphäre manifestierte. Dazu gelingt Miller eine Narration sowie Charakterisierung, die zwar auch mit Dialogen voran getrieben werden, die aber dennoch nonverbal funktioniert. Miller hält sich am alte Leitsatz show don’t tell, zumindest weitestgehend. Leider scheint er nicht immer zu 100% darauf zu vertrauen und streckt seinen „Foxcatcher“ immer wieder mit erweiterten Epilogen zur bereits getätigten Argumenten. Auch wenn es im Gesamtbild nur Marginalitäten sind, so ist es doch bedauerlich, dass Miller anscheinend kein wirklich vollkommenes Vertrauen hatte auf eine stringentere wie offenere Erzählweise. Vielleicht fehlte ihm einfach das Vertrauen an sein Publikum?


„Foxcatcher“ ist trotz kleinerere Makel ein hinreißendes Drama über das Kämpfen. Dabei spielt der sportliche Kampf nur eine (wenn überhaupt) sekundäre Rolle. Im Zentrum steht das Ringen um Anerkennung und Respekt, ausgetragenen von zwei (scheinbar) verlorenen Seelen, die mit großer innerer Verbitterung feststellen mussten, das Gold vergänglich, bzw. nicht für alles ein adäquates Ersatzmittel ist. Diese charakterliche Konstellation, die mit Vertrauen und Hoffnung beginnt und sich immer weiter hochkonzentriert, bis es für einen der Figuren scheinbar nur noch einen Ausweg gibt, ist schlicht und ergreifend intensivstes Kino. Ein hochklassiger Film.


8,5 von 10 gefundenen Vaterfiguren

Review: THE BREAKFAST CLUB – Nachsitzen für Gewinner

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Fakten:
Breakfast Club - Der Frühstücksclub (The Breakfast Club)
USA. 1985. Regie und Buch: John Hughes.
Mit: Anthony Michael Hall, Judd Nelson, Emilio Estevez, Molly Ringwald, Ally Sheedy, Paul Gleason, John Kapelos u.a. Länge: 93 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Sie alle leben verschiedene Leben, doch dies ist dem Rektor völlig egal, denn die fünf Jugendlichen habe alle auf die eine oder andere Art gegen die Regeln der Schule verstoßen. Als Bestrafung müssen sie an einem Samstag nachsitzen. Dabei lernen sie die jungen Leute untereinander besser kennen, doch entstehen damit auch längerfristige Freundschaften?





Meinung:
John Hughes' wohl prägnanteste Arbeit für die Leinwand ist ein ewig-währender Siedepunkt des jugendlichen Geltungs-Pathos, nicht nur für das Gesellschaftsbild der USA in den 1980ern, sondern auch in seinen Charakterisierungen und Konflikten bis heute noch spür- und nachfühlbar. Die komödiantischen Stärken seines Rest-Werkes werden hier nicht durchweg eingesetzt, zugunsten der Persönlichkeits-formenden Note der Breakfast-Club-Einheit, bleiben (im Sinne ihrer anarchischen Schönheit) dank der dennoch stets luftigen Inszenierung im Geiste erhalten.


Fünf Fremde, die zu Freunden werden?
Und das, obwohl er sie in eine wahrlich ätzende Situation, 8-Stunden-langes Nachsitzen am Samstag, versetzt - bei der jeder Einzelne den erzwungenen Sitznachbar nur vom Hören-Sagen oder, besser gesagt, von deren designiertem Gruppen-Status kennt. Der wie ein Gefängniswärter beaufsichtigende Lehrer Vernon (sauber besetzt mit dem Arschloch-Cop aus 'STIRB LANGSAM', Paul Gleason, R.I.P.) hat ja auch nur Augen für die kategorisierende Oberfläche, bleibt gnadenlos und verlangt von unseren wiedererkennbaren Schülertypen Essays darüber, für wen sie sich denn halten - etwas Anderes, als die Bestätigung der Rollenerwartungen dieser 'Versager', erwartet er sicher nicht (ihre Eltern drängen mental sogar darauf). Mit dem Don't-Care-Störenfried John Bender (Judd Nelson) inmitten seiner Schutzbeauftragten hat er aber sodann einen Provokateur an der Hand, der auch die zunächst gereizte und natürlich auch konträre Aufmerksamkeit & Dialogbereitschaft der Mitgefangenen (u.a. Emilio Estevez, Molly Ringwald) auslöst. Die einzelnen Parteien können da anfangs auch nur mit ihrer oberflächlichen Auffassung des Anderen argumentieren, legen aber im Clinch mit den Vorurteilen des Gegenüber geheime, individuelle Seiten offen, um sich selbst als Person behaupten zu können. Einfach ist das für sie weiß Gott nicht - doch es entwickeln sich ebenso Ansätze zur Freundschaft, der Erkennung der gemeinsamen Ungewissheit wegen.


Darin schlummern nun mal ausnahmslos wahre Persönlichkeiten, die im Drang nach dem eigenen geistigen Ausdruck nicht anders können, als aus der Spießigkeit ausbrechen zu wollen, Ärger und Radau zu machen. Da holt Hughes - in seiner Funktion wohl der verständnisvollste Autorenfilmer seiner Zunft und Zeit, was die jugendliche Mentalität betrifft - unfassbar viel Potenzial heraus, schöpft kräftig-bittere Geständnisse und neuformende Ideale an den Tag; belohnt sein herzlich-authentisches Ensemble sowie den Zuschauer mit einer proklamierenden Coming-of-Age-Katharsis, die lieben lässt, den Stinkefinger ausstreckt und mit stolzer Brust verkündet 'Don't you forget about me'.


9 von 10 ausgetauschten Ohrringen


vom Witte

Review: DEAD IN TOMBSTONE - Vom wilden Westen in die Hölle und wieder zurück

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Fakten:
Dead in Tombstone
USA. 2012. Regie: Roel Reiné. Buch: Brendan Cowles, Shane Kuhn. Mit: Danny Trejo, Anthony Michael Hall, Mickey Rourke, Dina Meyer, Richard Dillane, Colin Mace, Emil Hostina, Ovidiu Niculescu, Ronan Summers, Edward Akrout, Radu Micu, James Jordan u.a. Länge: 100 Minuten. FSK: Freigegeben ab 18 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Guerrero und seine Bande überfallen die Bank einer kleinen Goldgräberstadt und machen fette Beute. Sein Halbbruder Red hat allerdings keine Lust mehr nach seiner Pfeife zu tanzen. Er legt Guerrero um, reißt die Führung der Gang an sich und übernimmt die Stadt. Natürlich kommt so ein ehrbarer Mensch wie Guerrero nicht in den Himmel und steht kurz darauf dem Leibhaftigen Angesicht zu Angesicht gegenüber. Um nicht für ewig in der Hölle zu schmoren, schlägt er Luzifer einen Deal vor: Er darf für 24 Stunden zurückkehren, um ihm die sechs Seelen der Verräter zu beschaffen, und im Gegenzug seine behalten. Ein faires Angebot. Der Teufel steht auf Blutbäder und mehr Seelen. Genau ein Jahr nach seinem Tod steigt Guerrero aus seinem Grab um in Tombstone Rache zu nehmen. Die Uhr tickt...





Meinung:
Wer bei "Dead in Tombstone" einen ernsthaft guten Film erwartet, dem dürfte kaum noch zu helfen sein, doch irgendwie klingt das Ganze schon recht amüsant. Mit etwas Liebe zum Detail, schrägen Einfällen und Spaß am Unsinn hätte das doch ein halbwegs unterhaltsames Trash-Filmchen sein können. Genau davon ist erstaunlicherweise nichts zu sehen und zu spüren. Mal wieder wird die stiefmütterlich behandelte (und wenn oft eher dürftig umgesetzte) Kombination aus Western- und Mystery/Horror-Elementen verschenkt.



Das gibt Ärger... oder eine volle Theke
Durch den wilden Westen, kostengünstig nachgezimmert im nicht mehr ganz so wilden europäischen Osten, mit Rüpel-Rentner Danny Trejo und seinen zwei Gesichtsausdrücken (sauer/extrem sauer, zu unterscheiden an den zusammengebissenen Zähnen). Warum der sympathische Miesepeter bis "Machete" auf seine erste große Hauptrolle warten musste wird mehr als ersichtlich. Wenn der nicht vernünftig inszeniert und mit seinen mimischen Defiziten gespielt wird, kann der Mann keinen Film als Leading-Man tragen. Auf jeden Fall keinen Guten. Statt einem verspielt-kreativen Kindskopf wie Robert Rodriguez sitzt hier halt ein Mann namens Roel Reiné auf dem Regiestuhl, der zwar wie Rodriguez selbst die Kamera bedienen kann, sonst jedoch nichts von dessen Fähigkeiten mitbringt. Unter seiner Regie wird Trejo's Nicht-Schauspiel schnell komisch (was  ja noch halbwegs unterhalten könnte) und noch schneller nervig, wie der ganze Film. Jegliches Potenzial unter der billigen Oberfläche wird links liegen gelassen, erstaunlich grimmig und (freiwillig) humorlos wird sich durch die Gegend geballert, als wenn die Story sich irgendwie ernst nehmen lassen würde, das Budget groß wäre oder das Ding sonst irgendwas zu bieten hätte. Abgehalfterte beinahe-mal-so-was-wie-Stars (Anthony Michael Hall, Dina Meyer) spielen fürs Mittagessen, etwas rote Soße fließt und nach Pistolenschüssen fliegen die Gegner wie am Schnürchen gezogen meterweit durchs Bild. Macht kaum Spaß und wird so bierernst vorgetragen, spielt bis auf den brauchbaren Storyansatz in der selben Liga wie die sonstigen US-Video-Produktionen, die aus "strategischen" Gründen in Rumänien so runter gekurbelt werden. Neben Seagal, Van Damme, Snipes und Lundgren hat also Trejo nun auch einen Wohnwagen in "Litte Hollywood", herzlichen Glückwunsch.



"Mein Schaaaat, Gollum"
Richtig traurig an dem belanglosen Geholze ist das Mitwirken von Mickey Rourke, der seine zweite Karriere wieder konsequent an die Wand nagelt. Lethargisch-gelangweilt gibt er den wohl undiabolischsten Beelzebub aller Zeiten (außer in "Spawn"). Motivationsprobleme sind sogar verständlich, sieht sein Reich doch aus wie ein alter Minenschacht mit Kerzen und einem Feuerkorb. Macht mächtig Eindruck. Wenn man Stockbrot machen will. Was in drei Teufels Namen er schon wieder in solchen Produktionen rumgeistert, schauderhaft. Wie sein Auftritt, von daher passt das eigentlich. Bei Trejo geht das halt nicht besser, der gibt sich wenigstens Mühe. Rourke hat offensichtlich so gar keinen Bock und eiert das dementsprechend runter. Hoffentlich wurde wenigstens pünktlich gezahlt.


So trashig-nett das hätte werden können, "Dead in Tombstone" ist nichts weiter als die nächste Direct-to-DVD-Gurke für den schnellen Dollar, die immerhin nicht an Action spart und ganz gelegentlich mal ganz ordentlich aussieht (für die Möglichkeiten). Sonst pure Zeitverschwendung.


3 von 10 Teufels-Stockbroten


von JackoXL





Meinung:
Als müssten die Videotheken nicht schon genug kinematographisches Unheil beherbergen, kommt es für die Fans der eh schon immer ungenutzt wirkenden Western-Hybriden dieser Tage in den zumeist recht unheilvoll anmutenden Regionen besonders dicke: Nach dem desaströsen Luftloch „Gallowwalkers“, der versuchte, Elemente des Zombie-Horrors in sein Western-Panorama zu effektuieren, steht nun der nächste herbe Nackenklatscher dieser Gattung in den Startlöchern: Roel Reinés „Dead in Tombstone“. Wie auch das – gelinde gesagt – enttäuschende Wesley Snipes-Vehikel versuchen Regisseur Reiné und seine beiden Drehbuchautoren Brendan Cowles und Shane Kuhn dem ikonischen „Wilden Westen“ einen neuen, aber gleichbleibend verkniffen-humorlosen Anstrich zu verleihen und darin an eine übernatürliche (Stil-)Ordnung zu knüpfen. Und was soll man schon sagen?„Dead in Tombstone“ ist ein reines Fiasko.

 
Schnell Danny, sonst musst du noch im Sequel mitspielen
Die Exposition verheißt schon rein gar nichts Gutes, denn in dieser allein für sich genommenen Minute beweist „Dead in Tombstone“ bereits, das er weder mit trockenem Humor hantieren möchte, noch seinem ernsten Grundsatz fern von jeder noch so lächerlichen Facette halten kann: Ein mit ordentlicher Wampe ausgestatteter und endgültig unter seinem Niveau angekommener Mickey Rourke turnt durch seine Billighölle, gibt an, er wäre Luzifer und will dem Zuschauer dabei noch klarmachen, dass der Wilde Westen längst nicht mehr der ist, der er einmal war und allein aus gescheiterten Idealen Amerikas besteht: Ein trostloser Haufen Elend, in dem Blut und noch mehr Blut regieren. Es ist ein Augenblick, der sich in seiner grenzenlosen Peinlichkeit rational irgendwie nicht greifen lassen möchte, zu verquer und abstrus, zu konkret in seiner Stümperhaftigkeit, ohne sich ihrer in dieser unglaublichen Brachialgewalt bewusst zu sein. Aber diese Momente schlängeln sich fortwährend durch das Geschehen.

 
Mickey Rourke ist Feuer und Flamme
Als Zuschauer fragt man sich, wie man nur mit einer so unverfrorenen Stupidität und Unzulänglichkeit auftreten kann – Und diese dabei auch noch tatsächlich ernst nehmen muss und nicht – was deutlich rentabler gewesen wäre, wenn auch ebenso wenig innovativ - mit einem gewissen Maß an ironischen Anlagen zu beflügeln. Nun ja, „Dead in Tombstone“ will eben ein düsteres Werk sein, ein Film der zeigt, dass der Wilden Westen ein Sammelbecken für Verbrechen und Unmoral ist, nicht zuletzt werden deswegen die einzelne Charaktere anhand von Fahndungsplakaten und kurzen Charakter-Schilderungen eingeführt. Im Mittelpunkt steht allerdings ein alter Bekannter: Danny Trejo. Eigentlich ein gern gesehener Gast, aber gleichzeitig auch der ungekürte Trash-Guru, dessen Qualität schon lange nicht mehr mit der Quantität seines Produktionseifers mithalten kann. Seinen Guerrero Hernandez kurbelt Trejo gewohnt ungelenkig herunter, nur wo man in anderen Werken eine gewisse Spielfreude und kratzige Coolness in Trejos Spiel erkennen wollte, ist es hier das absolute Desinteresse am gesamten Projekt. Und diese Apathie wandert über.


„Dead in Tombstone“ ist inhaltlich – und das ist kein Aburteil oder Tadel – mit vollkommener Leere gefüllt. Das war abzusehen, hier sollte es nicht darum gehen, irgendwelche Gehirnzellen zum Rotieren zu bringen, sondern sich an gepflegten Schwachfug zu ergötzen. Möglichst blutig und hirnlos. Nur sollte sich der Film darüber eben im Klaren sein. Ist er aber nicht. Die Handlung stolpert von einer müden Schießerei zur nächsten müden Schießerei. Dazwischen wird unbedeutendes Blabla ausgetauscht, um die nächste Schießerei zu ermöglichen und die Schauspieler dürfen beweisen, dass sie ihren Beruf in diesem Fall mit weniger (gar keiner) Leidenschaft angegangen sind. Wenn sich dann noch in jeder zweiten Szene eine Zeitlupensequenz einschleicht, gestreckt mit einer mehr als hundsmiserablen Schnitttechnick, dann wird auch deutlich, wie es der Film auf eine Laufzeit von knapp 100 Minuten geschafft an, denn die Sache erschreckt sich – ohne diesen deplatzierten Schnicksnack – auf eine gefühlte Zeitstunde. Immerhin wäre der Zuschauer da schneller erlöst gewesen.


1,5 von 10 Pistolenläufen im Büstenhalter


von souli