Review: MISSION: IMPOSSIBLE - PHANTOM PROTOKOLL - Entertainment: possible




Fakten:
Mission: Impossible - Phantom Protokoll (Mission: Impossible - Ghost Protocol)
USA. 2011. Regie: Brad Bird. Buch: André Nemec, Josh Appelbaum. Mit: Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Patton, Michael Nyqvist, Vladimir Mashkov, Léa Seydoux, Anil Kapoor, Josh Holloway, Tom Wilkinson, Ving Rhames, Darren Shahlavi, Samuli Edelmann, Miraj Grbic, Ivan Shvedoff, Michelle Monaghan u.a. Länge: 132 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren freigegeben.

Story:
Als IMF-Agent Ethan Hunt und seinem Team ein politischer Anschlag angehängt wird, müssen er und seine Kollegen alles tun um den wahren Drahtzieher ausfindig zu machen.



Meinung:
Jeder Film der „Mission: Impossible“-Reihe hat seine eigene Handschrift. Im Zentrum steht klar das, was einen Agenten-Film aus macht: Action, Verrat und diverse Handlungsorte. Aber jeder Regisseur verpasste den Abenteuern rund um Super-Agent Ethan Hunt, seinen eigenen, unverkennbaren Stil. Brian DePalma machte es klassisch und konzentrierte sich trotz einiger Actionszenen mehr auf Suspense der Marke Hitchcock, John Woo lies Tauben fliegen und entfachte eine aufwendige wie explosive Choreographie und J.J. Abrams präsentierte moderne Actionszene, versuchte  Ethan Hunt aber auch familiär darzustellen. Nun, im vierten Teil darf Brad Bird ans Ruder und der Regisseur von „Ratatouille“ und „Die Unglaublichen“ (ein Animationsfilm, der im Jahre 2004 nicht nur zu den besten Werken aus dem PC, sondern auch einer der beste Actionfilm des Jahres war) inszenierte mit „Ghost Protocol“ einen mitreißenden wie gewitzten Blockbuster.

Sonnenbrillen und ein cooler Gang kommen nie aus der Mode. . .
Brad Bird hat bei der Inszenierung wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Figuren sind interessant, auch wenn sie wahrlich keinen Innovationspreis gewinnen werden, die Geschichte ist einfach aber stimmig und die Action ist mal nett, meistens aber erstklassig und poliert, allerdings niemals austauschbar oder gar ermüdend. Der Höhepunkt ist gewiss die Szene in Dubai, in luftiger Höhe. Im Sommer war ich ja sehr angetan vom Höhengefühl der Flugszenen im dritten „Transformers“, aber der neue „Mission: Impossible“ toppt dieses Gefühl und dies alles ohne 3D-Effekt. Wenn Super-Agent Ethan Hunt das imposanten Luxus-Hochhaus erklimmt, ist das Nervenkitzel pur und darüber hinaus todschick gefilmt. Hier war jede Bewegung voller Adrenalin. Diese Szene toppt sogar die legendäre Einbruchsszene aus dem ersten Teil, in der Cruise in absoluter Stille von der Decke eines CIA-Computerraums hing. Die Macher des vierten Teils haben es wirklich geschafft zum Ende des Jahres noch einmal aufzuzeigen, das Top-Action keinesfalls animierte Schauwerte und 3D-Effekte braucht. „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ gehört für mich zum besten Beweis gegen die 3D-Technik, obwohl es mich wirklich erstaunt, dass die Macher nicht auf den Zug aufgesprungen sind. Vielen Dank.

„Mission: Impossible“ ist ja klar verbunden mit Tom Cruise. Es ist einfach sein Franchise - auch wenn Fans der originalen Serienvorlage die Nase darüber rümpfen -, als Heldenfigur sowie als Produzent, doch jeder Teil besaß sein eigenes Team und viele Figuren durften auch in mehrfach in den Teilen auftreten. Da ist es für mich als Fan der Figur Luther (Ving Rhames) schon etwas enttäuschend, dass dieser im vierten Teil deutlich zu kurz kommt, aber verschmerzbar ist es auf jeden Fall. „Ghost Protcol“ gibt Ethan Hunt nun ein brandneues Team. Nur Simon Pegg hatte zuvor schon „M:I“-Erfahrung und ist hier für die amüsanten Momente zuständig. Das restliche Team setzt sich aus Paula Patton und Jeremy Renner zusammen und die Chemie zwischen den Darstellern stimmt einfach. Diesem Team habe ich furchtbar gern bei ihrer „alltäglichen“ Arbeit zugesehen und gerade Jeremy Renner profiliert sich hier als Superstar und Actionheld der kommenden Zeit. Bleibt zu hoffen, das Teil 5 (ich bitte darum) nicht schon wieder ein neues Team rund um Ethan Hunt zusammenwürfelt, denn in „Ghost Protocol“ stimmte die Chemie einfach.

Kann also alles so bleiben für die nächsten Kino-Aufträge? Nicht ganz. Ich würde die Macher bitten zwei Dinge zu ändern. Da wären zum einen die Gadgets. Zu Beginn machen diese wirklich Spaß, vor allem die Kletter-Handschuhe, die die waghalsige wie atemberaubende Kletterszene in Dubai erst ermöglichen, aber Teil 4 greift für meinen Geschmack zu oft in die Hilfsmittel-Kiste. Vor allem am Ende wirkte der Gagdetgebrauch zu aufgesetzt, fast so als ob die Autoren nicht wussten, wie sie die Handlung voranbringen sollen. Nicht wirklich ärgerlich, aber das Gefühl, dass es besser und vor allem weniger aufgesetzt geht, blieb vor allem an einer Szene mit Jeremy Renner, der in einem Mega-Computer herum schwebt, haften. Aber ich gestehe es freimütig zu, über dieses Manko (welches viele bestimmt auch als Stärke des Films ansehen) kann ich hinweg sehen.
... und schicke, moderne Autos dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Das größte Problem des Films war für mich eh der Schurke. Der war nämlich irgendwie nie wirklich präsent. Dass der Grund für seine Taten nie wirklich geklärt wurde („Er ist geisteskrank“) war gar nicht mal so übel und hatte fast schon einen altruistischen Charme, viel schlimmer war es für mich, dass er zum einen nie wirklich bedrohliche wirkte und dass er keinerlei Ausstrahlung besaß. Ob der Schurke nun Kurt Hendricks heißt oder eine Grapefruit ist, wäre mir nicht weiter aufgefallen. Hier verschenkt der Film Potenzial. Zwar ist so ein Atomsprengkopf in den falschen Händen schon eine Bedrohung, letztlich kommt die Gefahr aber von dem, der den roten Knopf drückt und der war beim „Ghost Protocol“ definitiv unterfordert und glänzte zu oft mit Abwesenheit, statt mit echter bedrohliche Ausstrahlung.  Der schwedische Darsteller Michael Nyquist (bekannt aus der Original „Millenium“-Trilogie“), der den bösen Kurt Hendricks a.k.a. Grapefruit spielt, darf leicht psychotisch in den Kamera schauen und ab und zu wegrennen, nur im Finale genehmigt Regisseur Brad Bird ihm einen Aktion, die wirklich einen guten, weil bösartigen und psychopathischen Eindruck von ihm liefert.  Schon etwas ärgerlich, vor allem weil Nyquist eigentlich ein guter Schauspieler ist. Schade, dass er hier hinter seinen Möglichkeiten bleibt oder besser gesagt stark vom Drehbuch gezügelt wird.

Die „Mission: Impossible“-Reihe ist ja nicht nur für tolle, halsbrecherische Action bekannt, sondern auch für ihren enormen Verbrauch an guten, namhaften Darstellern.: Jean Reno, Jon Voight, Brendan Gleason, Emmanuel Béart, Michelle Monaghan, Anthony Hopkins, Kristen Scott Thomas, Laurence Fishburne und viele weitere bereicherten das Ethan-Hunt-Universum, auch wenn keiner bisher der Reihe einen Stempel aufdrücken konnte, oder gar wirklich in der Erinnerung haften blieb. Dies schafften bisher nur Ving Rhames und Simon Pegg. Wobei ich bei Pegg glaube, dass er in „Ghost Protcol“ nicht wegen seiner tollen Leistung in „Mission: Impossible 3“, sondern eher wegen seiner aktuellen Beliebtheit wieder dabei helfen darf, die Welt zu retten. Letztlich ist es halt doch ein gewinnorientiertes Franchise. Sei’s drum und  hey „Mission: Impossible“ ist eben Tom Cruise und auch wenn ich bei weitem kein Cruise-Fan bin, so muss ich gestehen, dass er einfach perfekt zur Reihe passt, die bis auf den überfrachteten zweiten Teil immer beste Action-Unterhaltung bot und – wie bereits erwähnt – mit jedem Teil auch eine eigene inszenatorische Signatur besaß. Die von Brad Bird ist wirklich gelungen: temporeich, oftmals elegant aber dennoch wuchtig, sehr amüsant aber immer fesselnd. Dem Heer von enttäuschenden 3D-Sequel und -Prequels wie „Tron Legacy“, „Transformers 3“ oder „On Stranger’s Tide“ stehen am Ende des Jahres gelungene Entertainer wie „X-Men: First Class“, „Planet der Affen: Prevolution“ oder eben „Mission: Impossible – Ghost Protocol“ entgegen. 3D wurde dieses Jahr, zumindest von der Qualität der Filme, vom klassischen Format besiegt. Sehr schön, auch wenn es zu Beginn des Jahres noch anders aussah, aber  wie heißt es doch so schön: nichts ist unmöglich.


8 von 10









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